Neujahrstraditionen. Klar gibt es da so standardmäßige Aktivitäten wie Blei-(Halt! mittlerweile Wachs-)Gießen, gute Vorsätze fassen, ein Glücksschwein verschenken oder in ein eiskaltes Gewässer springen und ein paar Züge schwimmen. Wenn man aber ein Indie-Millenial ist, dann hat man wahrscheinlich eine andere.

Das neue Jahr beginnt erst, wenn „The New Year“ von Death Cab For Cutie lautstark über die Boxen erschallt. Keine Sekunde vorher. Mittlerweile hat dieser Song genau wie das zugehörige Album „Transantlanticism“ über 20 Jahre auf dem Buckel. Dass es bis heute trotzdem ein Fan-Liebling ist, in dessen Schatten es die anderen sieben Alben nicht leicht hatten, zeigt der Fakt, dass Death Cab For Cutie 2023 damit auf große Jubiläumstour waren.

„I Built You A Tower“ schwimmt sich in manchen Hinsichten von der Vergangenheit frei und huldigt sie in anderen. Nach 20 Jahren ist es die erste Platte, die wieder bei einem Indie-Label (ANTI) erscheint. Allein das gibt schon Anlass genug für die Vermutung, dass die Band um Ben Gibbard sich wieder auf ihre ganz alten Zeiten besinnt.

Und schon der Opener „Full Of Stars” trifft den Nagel auf den Kopf. Denn viel mehr als eine Akustik-Gitarre und Gibbards Stimme braucht es nicht. Die atmosphärischen Überlagerungskonstrukte der letzten Platten scheinen vergessen. Und wenn es im Refrain, nachdem ein paar Klavierakkorde den Klangteppich subtil auffüllen, heißt: „All I need / Is for you to be kind / But it seems / It’s rarely worth your time“, dann trifft das textlich nicht nur das drohende Scheitern einer Beziehung auf den Kopf, sondern auch das derzeitige Weltgeschehen.

Songs wie das sperrige „Punching The Flowers“ oder „How Heavenly A State“ sind zwar soundtechnisch eine Abwechslung, braucht es aber nicht unbedingt. Die Stärken des Albums entfalten sich in den ruhigen Momenten.

So einer ist zum Beispiel „I Built You A Tower (a)”. Wenn Ben Gibbard in diesem Song einen alten Freund besingt, von dem er sich entfremdete, doch mittlerweile wieder zu ihm gefunden hat, dann findet man sich als langjähriger Death-Cab-For-Cutie-Fan mit diesem Album an genau derselben Stelle wieder.

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