Ebow hat gestern ihre neue Single „Novoline“ veröffentlicht.
Spielautomaten haben in der Popmusik selten eine Hauptrolle. In „Novoline“ bekommen sie eine – und zwar als Erzählperspektive.
Ebow nähert sich damit zum ersten Mal öffentlich der Spielsucht ihres Vaters, der finanziellen Unsicherheit, die ihre Familie prägte, und der schmerzhaften Abwesenheit, die ihre Kindheit begleitete. Ein schweres Thema, das die Berliner Rapperin mit bemerkenswerter Präzision angeht.
Der Song entwirft das Bild einer Familie unter permanentem finanziellem Druck und eines Mannes, der an gesellschaftlichen Erwartungen und starren Vorstellungen von Männlichkeit zerbricht. „Novoline“ richtet den Blick auf jene Menschen, die in ihrer Verzweiflung auf den einen glücklichen Moment hoffen, der all ihre Probleme lösen könnte.
Dass Ebow beides kann – ernste Tiefe und zugängliche Popmusik –, hat sie bereits auf ihrem letzten Album „FC Chaya (Glitzer Edition)“ (2025), die Bonus-Edition ihres fünften Studioalbums „FC Chaya“ bewiesen.
Der Clou des Albums lag laut MusikBlog-Review „in der Balance aus einerseits melodramatischen, ernsten Momenten mit entsprechend musikalisch mehr Verwurzelung im Soul und andererseits Alltags-Beobachtungen aus unserer Zeit, die eher mit Pop-Rap einher gehen, wie er im Trend liegt.“
Musikalisch geht die Künstlerin mit „Novoline“ noch einen Schritt weiter: In Zusammenarbeit mit Cellist Jakob Seel entstand eine Komposition, die von einem Streichquartett eingespielt wurde.
Für den Refrain holte sie sich zudem den queeren Berliner Chor D-Dur Dykes ins Boot, dessen mehrstimmiger Gesang dem Stück eine fast tröstende Wärme verleiht und damit in spannungsvollem Kontrast zum Inhalt steht.
Dazu kommt ein raffinierter Kunstgriff: Der Refrain klingt zunächst wie die Beschreibung einer leidenschaftlichen Affäre. Erst beim genauen Hinhören wird klar, dass die Sehnsucht nicht einem Menschen gilt, sondern der Sucht selbst. Eine Single, die es verdient, mehr als einmal gehört zu werden.
Am kommenden Montag erscheint das Musikvideo zu der Single, das von Julia Patey inszeniert wurde.
