Das zehnte Studioalbum von Muse titelt mit maximalem Aufmerksamkeits-Gebaren und behauptet schon Bedeutung, noch bevor ein einziger Ton erklungen ist. „The Wow! Signal“ inszeniert sich dabei mal wieder als kosmisches Ereignis, landet jedoch als selbstreferenzielle Überhitzung ihres eigens gebastelten SciFi-Prog-Pop-Systems auf der Nase wie die Apollo 13 Mission.
Seit „The Resistance“ (2009) arbeiten Muse mit maximaler Überladung. Die zu ihrem Grundprinzip geronnene Hybris wechselt von da an nur im elektronischen Ausmaß. Nun gibt es nochmal ein bisschen mehr von allem und obendrein Synth-Pop, den man sich mühsam wieder abwaschen muss.
Dabei entsteht jeder Song aus derselben Bewegung: Aufbau, Verdichtung und Explosion. Die Dynamik der frühen Muse kommt schon lange nicht mehr von kluger, explorativer Entwicklung, sondern nur noch aus Vorhersagbarkeit in immer größerer Lautstärke.
Ob überkandidelte Rockbreitbeiner wie „Cryogen“ oder schlagerartiger Synthbombast wie in „Be With You“. Es sind dieselben Stücke in immer neuer, extraterrestischer Glitzergarderobe.
Und auch inhaltlich wiederholt sich die Band mit bemerkenswerter Konsequenz. Sei es der Kosmos, die Technologie oder der Untergang. Alles war schon da, alles kommt auf „The Wow! Signal“ wieder, allein die Erkenntnis bleibt brav zu Hause oder zumindest auf dem Boden.
Die haben Muse schließlich schon lange nicht mehr nötig, wie sie so in ihrem eigenen Orbit kreisen und von oben verächtlich nach unten schauen.
Obendrein glättet die Produktion absolut alles, was Widerstand erzeugen könnte. Kanten verschwinden und jede Reibung wird aus dem Material herausgerechnet, bis nichts mehr tatsächlich groß, sondern nur bis zum Bersten aufgebläht ist.
Hätte man die letzten fünf Muse-Alben in die KI gegeben mit dem Prompt: ‚Mach daraus ein Querschnitt der Platten mit noch etwas mehr Größenwahn‘, dann wäre wohl so etwas wie dieses Album dabei herausgekommen, vermutlich gar noch etwas zurückhaltender.
Fest steht: Stünden Muse am Anfang ihrer Karriere, sie wären mit diesem Quatsch niemals so groß geworden.
