Säuselnd süssholzraspelnd windet sich Sir Taegan C’aion Harris durch die Laken der Wollust. Kein Wunder, dass er sein Musikprojekt Love Spells nennt und sein Erstlingswerk „Love Is The Law“ betitelt. Der junge Musiker aus Houston mäandert seine intimen Beziehungsgeschichten zwischen Dream-Pop und verträumten Indie-Pop unter die lieben Liebenden der Hörerschaft.
Die Stimmlage irgendwo zwischen Falsettgesang und einem jungen Prince bezirzt Love Spells das sexy Baby, wünscht sich ihren „head on my Shoulder“ und romantisiert den „Kiss Me Slow This Time“.
So kann man sich im wohlig warm dahinplätschernden „Crutch“ ebenso verlieren, wie im poppigeren „Heart For Eyes“. Der Titel macht einen Kniefall vor Stevie Wonders 80er Jahre Groove-Pop-Rhythmen und bleibt entsprechend haften.
Haften bleibt man auch an der angesprochenen Süßholzraspelei, die bei „Keep It To Yourself“ eine intime Beziehung mit poppigem 80er Jahre Gitarrenspiel schützt, um wenig später bei „Kiss Me Slow This Time“ vollends unter den Laken zu verschwinden.
Man möge mir verzeihen, doch „Love Is The Law“ ist ein bestens geeigneter Atmosphäreverstärker für die zwischenmenschliche Kopulation. Zwischen all den hormonell bedingten Zeilen, stellt sich die Frage wie er die Stimmlage so hoch halten kann. Schwanengesangsgleich besäuselt er schnaufend das Mikrofon und macht klar, dass hier ein hervorragendes Mastering zum cleanen Albumsound beigetragen hat.
Wollen wir die musikalische Komponente nicht außer acht lassen, denn hier zeigt Love Spells seine Verbundenheit zum groovenden, leicht funkigen Soulvibe der die weichen Gitarren und sphärischen Klänge stets stützt.
Stilmittel wird dabei auch die anschwellende Komposition, die etwa einem „Stupid“ innewohnt. Aus einem sanft pulsierenden Keyboardspiel erwacht schnarrend der Soul der Gitarren und das Wogen der Streicher zu einem dichten Klangteppich, der in den Titeltrack „Love Is The Law“ überschwappt.
Dieser gibt sich stimmzentriert verloren in einem weichgespülten Dream-Pop-Refrain, der leider sämtliche Reibungspunkte vermissen lässt. So wird „don´t go breaking my heart, ´cause baby life is so hard“ passend zur seichten Textzeile zur Enttäuschung des Longplayers.
Das kann der Texaner besser, ob im beatbetonten „Perfect Man“ oder der wundersamen Ballade „Devour Me“. Titelgebend verschlingt der Titel indieeske Klanggimmicks, die das zaghafte Akustikgitarrenspiel begleiten und bietet einen Refrain auf, der auch aus der Feder von Angus & Julia Stone stammen könnte.
Weiter auf demselben Pfad, mit schwerem Schritt marschiert „I’ve tried“. Die Saiteninstrumente schäkern, der Bass setzt das tastenmotivierte Tempo fort und ergießt sich in einem honigsüßen Refrain, den Streicher in höhere Sphären entführen. Hier stimmt die Komposition, diese hebt die ruhige Stimmlage an und ermöglicht es „Until We Get It Right“, im Stillstand der eigenen Schwülstigkeit zu verharren.
Sich kreisend um die Fragen moderner Beziehungen ist die logische Konsequenz, dass ein Song wie „Maybe I Still Love You“ das Album beschließt. Dieser Engtanzbegleiter setzt den gefühlvollen Höhepunkt des Albums zwischen weichem, emotionalen Gesang und einem Hauch Blues auf den echoenden Saiten und dem Klavierspiel. Der Refrain zergeht in einem choralen Falsett-Exodus und beschließt mit einem Coitus interruptus das Spiel der Emotionen und Hormone.
„Love Is The Law“ mag man zunächst ambivalent gegenüber stehen ob der Gesangsstimme, man findet sich jedoch schnell im Vibe des Albums ein, das definitiv für die Stunden zu zweit gemacht wurde. Love Spells L.O.V.E.
