Pain Gain nehmen das gute, kreative Element einer Supergroup und ziehen die Star-Allüren ab: Ihr Debütalbum „Pain Gain“ wird melancholischen Indie-Fans auf der Welt den Kopf verdrehen. Dafür nutzen Chloe Kaul, Hamish Lefevre und Samuel Cooke den Aufwind um ihre Solo-Projekte Kllo, SWIM und CRUSH3d für ein zutiefst bewegendes Gespräch zwischen Alternative-Pop, Dark-Wave und Indie-Festival.
Schon 2023 setzten sich die drei zusammen, um unter dem Namen Pain Gain gemeinsame Sache zu machen. Drei Jahre später erscheint jetzt auch endlich das Debüt, das das Trio voraussichtlich genauso zum Geheimtipp für Indie-Enthusiasten machen wird wie schon die Solo-Projekte zuvor.
Kaul, Lefevre und Cooke spielten ihre stoischen und tiefsinnigen Electronica-Spielarten schon in der Club-Szene von Australien bis London live, „Pain Gain“ nimmt diese Vorerfahrung und packt das Melodrama auf die Tanzfläche. Dabei beherrschen die Australier*innen das Spiel mit der Struktur von Songs aus drei Perspektiven.
Am Mikrofon huscht Chloe Kaul wie ein undurchsichtiger Geist vorbei, ihre Worte bleiben substanzlos (auf eine spannende Art und Weise!), das sanfte Hauchen erinnert an Acts wie die Cocteau Twins oder Cigarettes After Sex.
„Pain Gain“ ist weniger Storytelling als Gefühl, mehr Erlebnis als konkrete Hook. Das deutet schon das flirrende „Only Nothing“ an, bevor es im Mittelteil in eine elektronische Finsternis kippt.
Ab dieser ersten Rolle vorwärts empfiehlt es sich, „Pain Gain“ laut zu hören: Wahlweise für melancholisches Aus-dem-Fenster-Schauen bei der nächsten Auto-/Bahn-/Busfahrt oder bei der Festival Stage am frühen Mittag (auch wenn es eigentlich besser in die Abendstunden passen würde).
Kaul, Lefevre und Cooke verstecken ihre easter eggs der elektronischen Spielereien, die Detail-Verliebten das Herz in den Hals schlagen lassen, jedoch gut – die dürften beim beiläufigen Nebenher-Hören schnell überhört werden.
Dabei stimmt es nachdenklich, wie „The Fame“ Grimes‘ Melancholie kantenlos schärft, wie „Turning Point“ Synthies und Stimme gemeinsam in den haltlosen Äther schickt, wie „Idol“ eine Klaviermelodie in seine Einzelteile zerstäuben lässt“ oder das Finale „Dead Dog Dream“ gleichzeitig alle Regler aufdreht und doch ganz klein in seiner Ecke bleibt.
Wer unauffällige Liebhaber-Musik zum Angeben sucht, könnte bei diesem Debütalbum schnell recht behalten.
