Bilderbuch haben gestern ihre neue Single „Zahlen Als Beweis“ veröffentlicht. Der Song stammt von ihrem neuen Album „∞+1“, das am 9. Oktober via Maschin Records erscheint.
Bilderbuch spielen mit „∞+1“ ein Spiel, bei dem am Ende alle gewinnen: Publikum, Kritiker*innen und die Band selbst, die sich mit ihrem kommenden Studioalbum einmal mehr neu erfindet, ohne ihre DNA über Bord zu werfen.
Mit der dritten Single „Zahlen Als Beweis“ liefern Bilderbuch nun einen weiteren Vorgeschmack – und der klingt, wie man es von der Wiener Band kennt: glitzernd, ein bisschen kaputt, ganz und gar zeitgemäß.
Über einem klebrigen Synthie-Teppich singt Maurice Ernst von zwischenmenschlicher Entfremdung, von Menschen, die ihr Gefühl verloren haben und sich stattdessen an nackten Zahlen festklammern: „Sie hat das Gefühl nicht mehr / Sie braucht Zahlen als Beweis.“
Zeilen so simpel wie treffend für eine Gegenwart, in der Likes und Statistiken oft mehr zu zählen scheinen als echte Empfindungen.
Der Albumtitel „∞+1“ ist Programm: Unendlich plus eins, eine Verbeugung vor dem riesigen kulturellen Archiv der Menschheit – Pop, Kunst, Film, Design, Musik.
Bilderbuch scheinen zu wissen, dass es davon genug gibt. Und legen trotzdem, mit charmanter Sturheit, ihr persönliches +1 obendrauf.
Musikalisch bewegt sich das Album zwischen disco-getriebener Euphorie und intimen Balladen, zwischen verzerrten Gitarren und modernem Pop – fast wie ein Best-Of dessen, was Bilderbuch ausmacht, nur komplett neu zusammengesetzt.
Auf der EP „Softpower“ von 2023 zeigte sich zuletzt diese Lust am Stilmix. „Bilderbuch stöbern weiter im Sound der Siebziger und so klingt ‚Softpower‘ am ehesten nach einer Handvoll Queen (…) zwei Esslöffel Garagensound (…) und darüber vorsichtig ein treibender, minimalistischer Drum-and-Bass-Beat gestreut“, beschrieb MusikBlog das Release. Dieses Rezept aus Vertrautem und Überraschendem zieht sich nun durch „∞+1“.
Auch visuell verweigert sich das Album jeder einheitlichen Handschrift, ganz bewusst: futuristische Eislandschaften treffen auf romantische Filmbilder, Minimalismus auf Opulenz. Die Haltung dahinter bleibt aber dieselbe – jede Idee verdient ihre eigene Form.
Am Ende bleibt „∞+1“ ein selbstbewusstes Bekenntnis zum Weitermachen, allen Untergangsprophezeiungen von Hyperkapitalismus und KI zum Trotz.
Genau dafür steht auch „Zahlen Als Beweis“: Statt sich mit Statistiken zufriedenzugeben, setzen Bilderbuch lieber aufs Gefühl. Ein Plädoyer fürs nächste Bild, den nächsten Song – Bilderbuchs ganz eigenes, unaufhörliches Plus Eins.
