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Bilderbuch – Softpower – Neue EP

Gestern hat die österreichische Band Bilderbuch die neue EP “Softpower” veröffentlicht. Gleichzeitig ist die neue Single “Digitales Wunder” davon erschienen.

Es gibt wenige deutschsprachige Acts, auf deren Neuveröffentlichungen man sich mehr freuen kann, als auf alles, was Bilderbuch abliefert. Aus Neugier. Der Band aus Kremsmünster, die mittlerweile in Wien lebt und arbeitet, kann niemand nachsagen, dass sie keine Überraschungen zu bieten hätte.

Jedes Album ist ein anders als sein Vorgänger, manchmal ist der Bruch so heftig, dass man noch einmal aufs Display schaut, ob man auch wirklich Bilderbuch streamt. So wie 2013, als die EP „Feinste Seide“ völlig anders klang als das Vorgängeralbum „Die Pest in Piemont“ vermuten ließ. Aus eher dunkelblauem Indie-Rock war auf einmal erdiger Hip-Hop gesprossen. (Hier ein Interview aus dieser Zeit.)

Das letzte Album „Gelb ist das Feld“ vom letzten Jahr klang hingegen wie der California-Sound der Siebziger, mit einer Handvoll Eagles, zwei Esslöffel Doobie Brothers und darüber vorsichtig Fleetwood Mac gestreut. Oder wie es der MusikBlog-Review sagte:

“Wer die schnellen und extrovertierten Ausbrüche von “Maschin” oder seinen ganz persönlichen “Schick Schock” sucht, der wird diese auf “Gelb ist das Feld” nicht finden. Vielmehr geben Bilderbuch ihren Zuhörer*innen diesmal eine warme und liebevolle Umarmung, die in den aktuellen Zeiten auch wirklich wohltuend ist.”

Was ist die Überraschung bei der neuen EP “Softpower”? Okay, es ist kein harter Bruch dieses Mal: Bilderbuch stöbert weiter im Sound der Siebziger und so klingt „Softpower“ am ehesten nach einer Handvoll Queen (damals, erste vier Alben, als sie noch eine Rockband waren), zwei Esslöffel Garagensound von „Achtung Baby“ (damals, als U2 noch eine Rockband war) und darüber vorsichtig ein treibender, minimalistischer Drum-and-Bass-Beat gestreut.

Das klingt altmodischer als es ist, denn die Mischung macht bekanntlich den Wumms. Würde ja auch niemand sagen: „Ach, so’ne Bloody Mary ist auch nur Tomatensaft mit Promille“, oder: „So ein Döner ist auch nur ein warmes Wurstbrot“.

Das verbindende Element in allen Werken von Bilderbuch bleiben die Texte, die immer noch genauso wenig Sinn machen wie schon 2005. Und das ist völlig in Ordnung so: Gute Lyrics brauchen keinen Sinn, wenn sie nur gut sind.

Hörempfehlung ist die EP auf jeden Fall. Musiker, die Spaß daran haben, sich neu zu erfinden und nicht ein Erfolgskonzept bis zum Erbrechen herunterleiern, sind rar und verdienen jeden Applaus. Werfe ihnen die Bruchteile von einem Schilling, die das Streaming verdient, nur so vor die Füße!

Oder du gehst auf ein Festival und hörst sie dir live an:

03.08.2023 Rothenburg ob der Tauber – Taubertal Festival
19.08.2023 Winterthur – Musikfestwochen Winterthur
02.09.2023 Dresden – Rinne (mit Kraftklub)
10.09.2023 Berlin – Lollapalooza

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