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Die Diskussionen um das Nutzungskonzept für die Halbinsel im Störmthaler See legten in den letzten Jahren nahe, dass es nicht ewig mit dem Highfield vor den Toren Leipzigs weitergehen wird. Die Gründe der trotzdem überraschenden Ankündigung für die letzte Festival-Runde waren aber andere, bis zu 50% höhere Kosten für Energie, Personal und Künstlergagen bei sinkender Nachfrage machen es eben schwierig, ein Festival der „kleineren Kategorie“ zu stemmen, wie Jonas Rhode vom Veranstaltungsteam erklärte.

„One Last Dance“ also, und noch einmal traf sich die Highfield-Familie, um mit Highviech, Beats und Bier Erinnerungen an legendäre Auftritte vom Who’s Who der Pop-Rock-Punk-Rap-Szene aufzufrischen und vor allen Dingen die Musik, die Vielfalt und nicht zuletzt sich selbst zu feiern.

Für die finale Auflage hatte sich die Gelände-Organisation geändert. Statt Green- und Blue- gab es eine Main- und eine Clubstage, die auch nicht nebeneinander, sondern vis-a-vis aufgebaut waren, der Zeitplan so getaktet, dass sich die Acts nicht überschnitten – eine gute Idee, denn wenn der Wind ungünstig stand, kam es früher schon mal zu einem akustischen Durcheinander vor Ort wie auf den angrenzenden Zeltplätzen.

Wie das bei einer Familienfeier üblich ist, kommen eben größtenteils dieselben Leute, das gilt für Besucher*innen wie für das Line-Up. Auf den Bühnen standen Altvordere der Szene, deren diverse Highfield-Einsätze auf den T-Shirts vorangangener Veranstaltungen an dieser Stelle abzulesen waren.

Dem Wunsch von Itchy folgend, versammelte sich das Publikum in quietschbunten Outfits, als das Trio am Freitag auf dem Infield eröffnete. Hi! Spencer ließen mit soliden Indie-Rock die Gitarren sprechen, Sondaschule erklärten mit Ska-Power zwischen „Beverly Hills“ und „Sex, Kokain Und Frische Luft“ die Mosh-Saison für eröffnet, Adam Angst fickten in „Alphatier“ die Traditionen, an denen die „Professoren“ vor der Imbissbude krampfhaft festhalten.

Nach einem musikalisch teilweise ruppigen Nachmittag, wurde es mit den Giant Rooks größer und melodiöser, mit der Band, die dieser Tage ein neues Album ankündigte und in ihrem Set alle Hits dabei hatte, ging es in den Abend hinein.

Nach dem PA69 Sprach-Gewitter, rollenden BHZ-Bässen und Feuerwerk auf und über der Bühne mit SDP, hatten die meisten Besucher*innen den klimatischen Herausforderungen des Freitags getrotzt.

Neben den größeren Namen lohnte sich wie immer der Blick auf die hinteren Startplätze, von wo aus im Idealfall das Feld der Zukunft aufgerollt wird (Zeitzeugen erinnern sich gern an den Auftritt von Kraftklub auf dem 2011er Berlin-Festival – was danach passierte, kann in ihrem Song „Teil Dieser Band“ nach gehört werden).

Einer der Newcomer stach in der Gluthitze des frühen Samstag – aufgrund derer der hauseigene Beach einmal mehr geschätzt wurde – heraus: Nachdem ZSK mit einem schnörkellosen Auftritt inklusive eines exklusiven Highfield-Abschiedssong auf „Westerland“-Basis wachgerüttelt hatten, traf Lokalmatador Yung Pepp das Lebensgefühl der Gen Z so sehr auf den Punkt, dass der Leipziger bei kommenden Großveranstaltungen einige Timeslots weiter vorn antreten dürfte.

Dort ist ein anderer längst angekommen, „Meinen Die Uns“ wußten Zartmann und seine Mitmusiker*innen schon, als die Crowd seine Zeilen sang und er noch gar nicht zu sehen war; die Begeisterung zu seinen Füßen kannte zwischen Pop, Rock und „Rotkäppchen“ keine Grenzen; strotzte der Senkrechtstarter vor Spielfreude und Energie, als wären in sein weißes Outfit Solarmodule eingewebt.

Celtic-Punk getrieben staubte es auch bei den Dropkick Murphys ordentlich vor der Bühne, Ritter Lean lieferte den Sound zur Zeit, 01099 aus der Dresdner Neustadt lieferten – inklusive „Schönhauser“ gemeinsam mit ihrem Kumpel Zartmann – mit Interaktion, Saxophon und Akkordeon Stoff für die Party, Das Lumpenpack fetzte „Mr. Brightside“ in eine Nacht, die sich unaufhaltsam auf ihr Finale Grande zubewegte.

Das war Kraftklub vorbehalten, inzwischen mit mutmaßlich 99% der Ticketinhaber*innen anwesend, als die Chemnitzer mit „Marlboro Mann“ loslegten. Dass ihre Gigs legendär sind, weiß man, zur Geisterstunde kam ein weiterer dazu. Mit Attitüde, Moshpit-Etikette, allen bekannten Showelementen und vor allem mit Gassenhauern am Stück, eskalierten Felix Brummer und seine Kollegen mit einem „Totentanz“ das Highfield – ein Schlussakkord, der ihrem eigenen Kosmonaut-Festival Corona-bedingt verwehrt blieb.

Angenehmer temperiert und latent sentimental ging es in den vorerst letzten Highfield-Tag. Das Stehvermögen des Publikums ist bekannt und nach dem Warm-Up mit unter anderem Montreal, Kafvka und Nura gaben Feine Sahne Fischfilet das Gelände endgültig zum Abschuss frei.

Die Trompete blies für „Wir Kommen In Frieden, „Alles Auf Rausch“, „15 Jahre“ und allen weiteren Hits mehr als nur ein Halali, und als Monchi nach „Komplett Im Arsch“ gemeinsam mit Marteria, der mit dem Frontmann diese Nummer gemeinsam performte, crowdsurfend durch die Hände der Fans zurück gereicht wurde, waren seine Worte: „So möchte ich sterben“!

„So jung und so dumm kommen wir nie wieder zusammen“ sang Deine Cousine und entsprechend wurde beim Auftritt der „Königin Von Deutschland“ gefeiert, als ob es kein Morgen gäbe, während gegenüber die Bühne für – O-Ton Monchi – „Deutschlands besten Rapper“klar gemacht wurde.

Mit Marsimoto-Cover, neuen Zeilen für „Ich Rolle Mit Meim Besten“, einer exzellenten Crew um ihn herum und textsicheren Marteria Girls und Boys in der Menge, zelebrierte der Rostocker dann seine Hits zwischen den ersten und dem dritten Teil von „Zurück In Die Zukunft“. Aber bis Marteria seinem „Endboss“ begegnet, dürfte es noch dauern.

Nach den Melodien von Dilla war es an den Beatsteaks, den zu diesem Zeitpunkt bestenfalls noch an einem seidenen Faden hängenden letzten Vorhang für das Highfield komplett herunterzureißen, was die Berliner im Verbund mit dem euphorisierten Publikum vorbildlich erledigten.

Ob dieses Festival nach der Kreativ-Pause tatsächlich im neuen Design wiederkommen wird, bleibt abzuwarten. Bis dahin Danke für alles.

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