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Berlin Festival 2011

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Der Reiz des Hauptstadtfestivals vor der schönen Kulisse des ehemaligen Flughafens Tempelhof liegt darin, dass man neben der ausgewogenen Mischung des Programms aus Rock, Pop und Elektro, mitten in der Hauptstadt nicht im Zelt übernachten muss, immer im Trockenen stehen kann und bereits mittags halb zwei bei Kaffee und Kuchen die erste Runde über das Gelände drehen kann.

Nachdem die Veranstaltung im letzten Jahr Freitag Nacht konsequenterweise wegen unkontrollierbarem Gedränge vor und im letzten geöffneten Hangar abgebrochen wurde und infolgedessen das Line-Up des Samstag komplett verändert wurde, was wiederum diejenigen, die das Gelände schon verlassen hatten, nicht wissen konnten, haben die Organisatoren in diesem Jahr alles richtig gemacht. Es gab drei offene Bühnen mit parallel stattfindenden Konzerten, das strikte Ende der Open Air Shows war um 24.00 Uhr mit der Option, sich von bereitstehenden Shuttle-Bussen in den Club X-Berg fahren zu lassen und dort bis zum Sonnenaufgang weiterzufeiern.

Der erste Publikumsmagnet des Freitag Nachmittags war Austra. In den Rubriken Gesang und Stimme ganz vorn mit dabei war musikalisch leider derselbe Synthesizer-Brei wie auf dem Album zu erleben. Immerhin gaben die drei Damen tänzerisch einen Feld-, Wald- und Wiesen-Square-Dance zum Besten, der schon allein für die frühe Anreise entschädigte.

Auf der Bühne vor Hangar 5 boten die Jungs von Dry The River derweil einen sehr ordentlichen Auftritt mit wunderschönen Indie-Balladen. Zu den Live Qualitäten von den Drums möchte ich mich nicht noch einmal äußern (siehe Melt! Festival), aber als Trost: The Rapture machten es vorher nicht viel besser. Die Battles machten es besser, lieferten eine treibende Elektro Rockshow voller schräger Klänge.

Ein solides Konzert spielten auch Clap Your Hands Say Yeah, wenn auch alles etwas kalkuliert wirkte. Höhepunkt der anbrechenden Nacht auf der Main Stage: Primal Scream. Die Band spielte ihr Album „Screamedelica“, noch heute eines der besten Platten aller Zeiten nahezu komplett. Und der spindeldürre Bobbie Gillespie sieht immer noch aus, als hätte er erst gestern das Schlagzeug von The Jesus and Mary Chain verlassen.

Die Stimmung vor der Hauptbühne ließ sich aber noch steigern. Suede als letzte Band des Abends spielten nach ihrer Reunion einen grandiosen Gig, der sich anhörte wie eine Best-Of- Platte. „Metal Mickey“, „Animal Nitrate“, „So Young“, „We Are The Pigs“- nichts fehlte. Und Brett Anderson streitet sich wahrscheinlich immer noch mit Jarvis Cocker um den Titel „Sexiest Man“ des Brit-Pop.

Samstagnachmittag war mehr oder weniger ein Schaulaufen des musikalischen Nachwuchses. Aber von Firefoxx AK bis Mount Kimbie – alles erwies sich als musikalischer Durchschnitt, ohne derzeit ein Erinnerungpotenzial zu aktivieren. Ein Lichtblick: Kraftklub aus Chemnitz. Als Franz Ferdinand verkleidet, mit Rap und Ska Anleihen erwiesen sie sich als erfrischende Stimmungmacher.

Mister „I Need A Dollar“ Aloe Blacc verbreitete vor der Main Stage zu dieser Zeit in etwa die Stimmung eines Familiennachmittags des deutschen Gewerkschaftsbundes. Aber irgendwie passte das zur kuscheligen Atmosphäre auf dem inzwischen sonnigen Gelände.

Denyo samt Kids, Fotos mit Casper: alles war zu entspannt zu beobachten. Als dann der Abend anbrach, erwiesen sich The Naked And Famous als inzwischen sehr routinierte Live Band, die die Besucher mühelos auf Betriebstemperatur brachte.

Einen herzzerreißenden Auftritt auf seinem Weg zum Pop Olymp lieferte Zach Condon mit Beirut. Sicher fühlte man sich hier und da an Calexico erinnert, aber die perfekten Blechbläser Arrangements zwischen Balkan-Klängen waren einfach nur großartig. Nur das Publikum hätte es durch das Klatschen eines völlig falschen Rhythmus bei „Nantes“ fast geschafft, die Band aus dem Konzept zu bringen.

DJ Boysnoise machte dann wieder ordentlich Krach, der nächste Höhepunkt folgte aber auf der Bühne vor Hangar 4: Casper. Der One-Man schwarze Block aus Bielefeld lieferte eine Hard Core Show vom allerfeinsten. Eine überzeugende Live Präsentation des Nummer 1 Albums „XOXO“ voller Druck und Energie. Und für das Imitieren einer Wall of Death während des Konzerts werden immerhin schon mal Bands beim Wacken Festivals abgemahnt. Casper nicht, dafür ließ er sich aber auch zu Gunsten von Viva con Agua mit allen verfügbaren Bierbechern bewerfen.

Natürlich war auch der Samstagabend nicht von „da hätte man darauf verzichten können“ -Auftritten ausgeschlossen. Pantha Du Prince wirkte beispielsweise wie die Beschallung für den sich auf dem Gelände befindlichen Autoscooter.

Headliner des Samstags: Die Beginner. Die perfekten Entertainer Eizi Eiz und Denyo ließen zusammen mit DJ Mad bei ihrer Show nichts anbrennen und zeigten vom Start weg, wo der deutsche Hip-Hop-Hammer hängt. Hits von einst bis früher waren natürlich Stimmungsgaranten, ein Gastauftritt von D-Flame inklusive. Sie waren auch die einzige Band, die eine Zugabe spielen durfte. Aber ohne „Liebeslied“ und „Danke schön“ wäre sicher auch niemand freiwillig vom Gelände des Flughafens gegangen.

Ein gelungenes Festival irgendwo zwischen Jahrmarkt, älteren Herren in Reunion-Laune und Weltstadt. Nächstes Jahr gern wieder. Garantiert.

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