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King Gizzard & The Lizard Wizard sind wohl die Workaholics der Musikbranche. Dass die Australier dabei vor keinem Genre Halt machen und sich von Progrock über Trashmetal bewegen hin zu – ja, was ist das jetzt eigentlich, was wir auf „Alien Metal“ zu hören bekommen?

Es ist Magie, die bei einer Studiosession entsteht, wenn bei 143 BPM ein Fis Ton das Zaubern beginnt. Verantwortlich dafür ist das neueste Bandmitglied Nathan. Ein Eurorack Modular-Synthesizer und heimliche Nerd-Leidenschaft von Joey Walker, der normalerweise die Saiten bedient.

Auf dem mittlerweile 28. Album der Band, das erst gestern angekündigt wurde, übernehmen also die Maschinen die Herrschaft und lassen bei „Alien Metal“ ein Raveset erster Güte auf uns einprasseln. Das mag für Fans der Band minder verstörend sein, ob der Bandbreite des Schaffens und dem bereits sehr elektronischen 2023 Album „The Silver Cord„.

Den psychedelischen Charakter bewahren King Gizzard auch auf diesem elektronischen Trip durch die modularen Synthesizerwelten. So wird nicht nur das Gehirn von Frontmann Stu Mackenzie komplett neu verdrahtet. Das verwundert bei einem modularen System aus Oszillatoren, Filtern, Verstärkern und Sequencern jedoch nicht wirklich.

Das Eurorack erfordert echte Einarbeitungszeit und entlohnt mit neuen Klangwelten abseits aller anderen Synthesizer. So schiebt „Sapience“ im pulsierenden Technorausch mit fierpenden Klangeffekten durch die Nacht, begrüßt die Morgensonne mit ausgebreiteten Armen und einem sich steigernden, sphärischen Soundteppich, um in einem wahren Temporausch den neuen Tag einzuläuten.

„Wir hatten irgendwann den Running Gag, dass dieses Album verflucht ist“, sagte Mackenzie im Vorfeld der Veröffentlichung, weil sie noch nie so viel Material verworfen hatten wie für dieses Album. „Alien Metal“ weitet nicht nur die Klangwelten der umtriebigen Australier, der Titeltrack zum Beispiel befeuert mit vocoderverstärkten, gebetsartigen Gesängen die Psyche, die mit Trance- und House-Flak-Kanonen unter Beschuss genommen wird.

Wenn „Superheavy, Supercritical“ sich den elektronischen Jungle-Klängen zuwendet und dabei auf ravend hohem Beatniveau durch die oberen, neblig verhuschten Klangsphären rauscht, hebt sich die Tanzbarkeit auf ein neues Niveau. Irgendwo zwischen Tomorrowland und durchtanzten Nächten an südostasiatischen Stränden zünden King Gizzard ihr eigenes Dopaminfeuerwerk.

Angst vor der Herrschaft der Maschinen braucht man nicht haben, zumindest wenn es nach „Kill For Steel“ geht. Die schaurigen Vocodereffekte werden wirrer, die Beats mechanischer und irgendwo – kurz vor der industriellen Massenfertigung – zischen King Gizzard ab in den Platz zwischen unseren Ohren. Futuristisch düster, wenig später universell sphärisch, um letztendlich im Jungle zu verschwinden, zeigt „Kill For Steel“, wie vielseitig Nathan sein kann.

Da ist man direkt froh, dass „Level 5“ tanzbaren Jungle bietet, der mit klassisch überlagerten temporeichen Beats durchs Gehirn fräst; sich „Rapid Alpha Decay“ als Früh-90er-Spacetrip gewandet, der meditativ pulsierend seine Anhänger versammelt und „Uqt“ zur spratzelnden, fierpenden, bierpenden Elektroschocktherapie macht.

Das eskaliert bis zum „Atomic Collapse“. Mal ganz davon abgesehen, dass ein ordentliches Euroracksystem ein eigenes Kernkraftwerk zur Stromversorgung benötigt, mäandert sich dieser Titel eher wie ein Parasit durch die Gehirnwindungen. Der Spannungsbogen ist auf eine beinahe unangenehme Art und Weise fiebrig greifbar und wird in einem fiktiven Sci-Fi-Space-Geballer durch den Äther gejagt. Das Ganze klingt mehr nach Laser- und Photonenschlacht als nach atomarer Endzeitschlacht. Das Ergebnis bleibt aber wohl dasselbe.

Irgendwo zwischen faszinierend bewusstseinserweiternd, psychedelischem Acidtrip und einem großen Fragezeichen unter unserer Gehirnrinde erhebt sich Nathan dem Starlink gleich aus der Welt der Maschinen und übernimmt das künstlerische Schaffen der Ausnahmemusiker King Gizzard & The Lizard Wizard. All hail the machines.

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