Mina Richman hat mit „Different Flavours Of Being Happy“ eine Platte übers Glück gemacht. Das ist ein großes Thema, mit dem es leicht schief gehen kann, allerdings nicht bei dieser versierten Singer/Songwriterin und Bandleaderin.
Das zweite Album nach „Grown Up“ (2024) pendelt innerhalb weniger Zeilen zwischen dem Glücksgefühl des Atmens und dem Empfinden, sich bei einer Lüge selbst zu ertappen und eine Enge in der Brust zu spüren – eine der Spannungen zum Beispiel im Song „Oxygen“. Das Lied nutzt Rhythmuswechsel im lebhaften Vortrag, der wie so manche Stelle des Albums von Gesang in Spoken Word wechselt. Metaphern bezüglich des Atmens wiederholen sich.
Am Ende von „Oxygen“ kracht die E-Gitarre, am Anfang von „This Time I’ll Stay“ erzittert der Jazz-Bass, in „You Don’t Like To Dance“ hört sich die Bassline funky an. Vieles andere durchmisst das Spielfeld zwischen Soul, Folk, Rock und oft lässigem Indie-Pop, teils mit Disco-Beat.
Nimmt man exemplarisch den Song „Not Just Anyone“, dann hat dieser die explosive Dramatik, die man bei Mina Richmans Band auch live erwarten kann.
Richmans Texte bauen dieses Mal auf Kindheitserinnerungen auf. Es geht darum, wie sie blaue Eiscréme geschleckt hat oder sich an frisch gepflückten Erdbeeren erfreute, also um sinnliche Erfahrungen. Die roten Früchte binden die Songs „First Moments Of Happiness“ und „Strawberry Season“ zusammen. Und dem ‚kleinen‘ Glück des Alltags wird hier öfter Aufmerksamkeit zuteil.
Insgesamt erscheint der Longplayer textlich und musikalisch sehr aus einem Guss, denn regelmäßig tauchen Motive aus einem Stück wieder in einem anderen auf, als läge dem Verfassen der Lieder ein Muster zugrunde. Den „First“ sind sogar „Last Moments Of Happiness“ zugeordnet.
Alle Tracks spielen sich im Blickwinkel des lyrischen Ich’s ab. Mit 11 habe die Ich-Erzählerin auf der Couch der Großmutter Comics durchgeblättert. Der Blick zurück in die Kindheit wirkt wie die folgerichtige Anknüpfung an die ‚Coming Of Age‘-Fragen der vorangegangenen EP „Past 25“ und des Albums „Grown Up“.
Man kann diese Releases also wie einen Zyklus sehen.
