MINOH aus Aachen haben ihre Tour nach Seoul und Tokyo angekündigt – gefördert vom Goethe-Institut. Im Oktober bringt die deutsch-koreanische Band ihren Disco-Punk in vier Clubs zwischen Korea und Japan.
Der Bandname trägt schon in sich, warum das für Sängerin Ja-Min mehr ist als ein paar Auslandsgigs. MINOH steckt in Ja-Mins eigenem Namen – Ja-Min Oh. Das „Min“ liest sie als 珉, das Zeichen für Jade: Reinheit, Echtheit. Das „Oh“ als 悟: Erkenntnis. Zusammen ergibt das den Bandnamen – und zugleich das, worum es geht: reine Erkenntnis. Etwas Unverfälschtes, das sich seinen Weg nach außen bahnt.
Dahinter steht ein Gefühl, für das es im Koreanischen ein eigenes Wort gibt: Han – eine angestaute, bittersüße Sehnsucht, die nie ganz vergeht. Das Gefühl, nirgends ganz anzukommen.
Ja-Min ist damit groß geworden, zwischen zwei Ländern zu Hause und in keinem von beiden. Reine Erkenntnis ist deshalb kein Zustand, sondern ein Ziel und das, was passiert, wenn sich all das in Musik entlädt statt in Selbstzweifeln.
Im Oktober reist MINOH nun dorthin, wo die Reise von Ja-Mins Mutter vor über 50 Jahren in die andere Richtung begann. Die Asien-Tournee ist kein kalter Start. Schon 2025 spielte die Band eine komplett eigenfinanzierte Show in Seoul – damals noch als Synth-Wave-Duo. Elektronische Beats, verzerrte Baritongitarre und fuzzy Bass, ein Loop, der sich weiterschob, bis der Boden mitging – und aus dem Abend entstanden echte Kontakte, keine Visitenkarten-Bekanntschaften.
Für Ja-Min war dieser Abend damals trotzdem kein simples Heimkommen: Die Ansagen liefen plötzlich auf Koreanisch und Englisch, und die deutsche Hälfte in ihr merkte, dass sie hier genauso Gast war wie überall.
Was im Oktober passiert, ist die Fortsetzung davon: MINOH kehren als volle Band zurück, mit Helge Liepertz am Schlagzeug. Jeder Konzertabend ist als gemeinsamer Abend mit lokalen Bands konzipiert – kein Headliner-Support-Schema, sondern ein gemeinsames Programm auf Augenhöhe.
Ein besonderes Highlight: Am 10. Oktober teilen sich MINOH im Club Steel Face in Seoul die Bühne mit HEYNAM SiN X PATiENTS (HXP), einer koreanischen Punk-Band mit ausgedehnter Tour-Geschichte quer durch Europa und Großbritannien. Dass Frontfrau Heynam Sin den Club gemeinsam mit dem Steel-Face-Records-Kollektiv betreibt, sagt alles darüber, wie das internationale DIY-Netzwerk wirklich funktioniert.
In Tokyo spielen MINOH am 11. Oktober gleich zwei Shows an einem einzigen Tag – am Vorabend eines japanischen Feiertags, an dem niemand früh nach Hause gehen muss.
Dass das Goethe-Institut diese Tour offiziell unterstützt, ist die Bestätigung, dass kultureller Austausch keine Einbahnstraße ist. Was danach passieren soll, ist nämlich mindestens genauso interessant: Koreanische Bands sollen nach Aachen und NRW kommen – genau dorthin, wo die Reise von Ja-Mins Mutter einst endete.
Die Termine:
09.10.2026 Seoul – Club Victim
10.10.2026 Seoul – Club Steel Face (mit Heynam Sin x Patients)
11.10.2026 Tokio – Club Gamuso
11.10.2026 Tokio – Ruby Room
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