The Afghan Whigs, die souligste aller Grunge-Bands hat auch im 40. Jahr ihres Bestehens eine Hymnenhaftigkeit, die förmlich glüht. Sie verfügt auch über eine scheinbar nicht enden wollenden Kreativität, die sich auf „Soft Control“ zu einem Best-Of-Querschnitt ihres einzigartigen Sounds anreichert.
„Duvateen“ ist so ein raumgreifendes Beispiel. Es fängt mit einer soulig sahningen Strophe an und wächst in einen hinmmelwärts gerichteten Chorus hinein, bei dem man Greg Dulli anhören kann, dass er in seiner Karriere vieles richtig gemacht hat.
Man möchte zum Finale des Songs alle Arme in den Himmel recken, wäre da nicht das Weinglas in der Hand, das bei dieser Band mehr Usus ist als das Dosenbier. The Afghan Whigs machen im Grunde schon immer Musik für die Rotwein-Trinker unter den Grunge-Fans.
Apropos vieles richtig gemacht: Die Mixtur aus Alternative-Rock, Post-Punk und Grunge, angereichert mit deutlichen Soul- und R&B-Einflüssen, die sie seit 40 Jahren in unterschiedlichen Facetten präsentieren, sie unterscheidet sie von Beginn an von vielen ihrer Zeitgenossen der frühen Neunziger.
Und womöglich ist das der Grund, warum sie noch immer da, noch immer relevant sind, während die meisten ihrer Kolleg*innen längst verglüht sind. Vergessen haben sie sie nicht. Schließlich redet Dulli bei jeder Gelegenheiten ausführlich über seinen verstorbenen Gutter-Twin-Kompagnion und Freund Mark Lanegan.
Ein Song wie „Loose Talk“ hat trotzdem mehr Elton John als Eddie Vedder – und das ist auch gut so. Generell fügt das 10. Album im 12. Jahr ihrer Reunion die neuen und die alten Afghan Whigs prima zusammen und nimmt obendrein noch das Beste von The Gutter Twins und The Twilight Singers mit.
Da entstehen dann auch schwelgerische bis bittersüße Balladen, ganz ohne schlechtes Gewissen. „The Deepest Part Of The Darkest Shadow“ ist genau wie der Schwanengesang „A Simulation“ großes, grobkörniges Kino.
Das Beste aber ist, dass sich mit jedem neuen Durchlauf die anfangs weniger offensichtlichen Songs, allen voran „Mariah Luster“ oder „Memphis, Texas“ immer schöner auftun, ohne sich anzubiedern.
Das ist unterm Strich Musik für Leute, die auf ihre Gesundheit achten und trotzdem gerne mal betütelt sind. Musik, um Maß zu halten, im besten Sinne. Auf die Afghan Whigs.
