Im Frühjahr 2023 katapultierte sich die britische Sängerin Paris Paloma mit ihrer Hymne „Labour“ über Nacht ins Pop-Rampenlicht. Drei Jahre später veröffentlicht sie ihr zweites Studioalbum „The Fatal Flaw„, ein emotionales Sound-Statement für Gleichberechtigung und Selbstbestimmung. Kurz vor dem Erscheinen des neuen Longplayers trafen wir uns mit Paris Paloma zum Interview und sprachen über neue Klangwelten, die Zusammenarbeit mit einer zweifachen Oscar-Preisträgerin und Motown.
MusikBlog: Paris, dein neues Album trägt den Titel „The Fatal Flaw“. In Verbindung mit dem künstlerisch herausstechenden Coverartwork: Welche Geschichte steckt hinter dem Titel?
Paris Paloma: Die Bezeichnung „The Fatal Flaw“ stammt aus dem Buch „The Secret Story“ von Donna Hartt. Es geht im Grunde um die Tiefen der Gefühlswelt. Die Liebe spielt da eine entscheidende Rolle. Was treibt den Menschen in Bezug auf die Liebe an? Was ist der Motivator? Wo liegt der Ursprung? Das sind Fragen, die auch mich beschäftigen. Hinzukommt, dass all die schönen Dinge rund um emotionale Themen wie das Begehren, die Liebe und das Verlangen auch ihre Schattenseiten haben und mitunter ganz grausam sein können. Um dieses intensive Hin und Her geht es auch in meinen neuen Songs.
MusikBlog: Musikalisch klingt das alles sehr energiegeladen, intensiv und dramatisch. War das auch dein konzeptioneller Studioansatz?
Paris Paloma: Ja, das war schon so gewollt. Normalerweise präsentieren sich Songs, die sich mit sehr emotionalen Themen beschäftigen und dann auch noch aus der Feder einer Frau stammen, eher langsam und balladesk. Ich wollte es aber anders haben. Ich wollte Songs für große Hallen schreiben. Ich wollte orchestrale Elemente mit viel Energie mit einbinden und auch tanzbare Vibes dabeihaben. Das war mir wichtig, um den Themen einen besonderen Nachdruck zu verleihen.
MusikBlog: Man weiß mittlerweile, dass dich Künstler wie Florence Welch und Joni Mitchell auf deinem musikalischen Weg geprägt und beeinflusst haben. Gibt es noch andere Inspirationsquellen?
Paris Paloma: Auf jeden Fall. Natürlich höre ich auch Popmusik. Und Sounds, die ich toll finde und die mir gefallen, fließen sicherlich auch mit in meine Musik ein. Aber ich lasse mich auch viel von Literatur oder der Malerei inspirieren. Ein großer Einfluss auf mich ist auch die Filmmusik.
MusikBlog: Hast du bestimmte Rituale oder Routinen beim Songwritingprozess?
Paris Paloma: Das ist bei mir immer ganz unterschiedlich. Die Songs entstehen nie nach einer bestimmten Formel. Ich schreibe in der Regel mit Hilfe der Gitarre. Manchmal ist dann eine Zeile in meinem Kopf zuerst präsent. Manchmal ist es aber auch eine Akkordabfolge oder eine bestimmte Melodie.
MusikBlog: Für den Song „Good Boy“ hast du mit der zweifachen Oscar-Preisträgerin Emma Thompson zusammengearbeitet. Emma spricht ein ganz bestimmtes Spoken-Word-Intro ein. Wie kam es dazu?
Paris Paloma: Ich bin schon etwas länger sehr eng mit Emmas Tochter Gaia befreundet. Im Laufe der Zeit lernte ich dann auch Emma kennen und als ich für „Good Boy“ die Intro-Zeile von der Autorin Rebecca Shaw („I knew that one day I’d have to watch powerful men burn the world down. I just didn’t expect them to be such losers“) im Kopf hatte, wusste ich sofort, dass Emmas markante Stimme perfekt passen würde. Sie war sofort begeistert von meiner Idee. Und so kam das Ganze dann zustande. Ich bin wirklich super happy, dass das geklappt hat. Das bedeutet mir sehr viel.
MusikBlog: Wenn du den Produktionsprozess eines neuen Albums als Ganzes siehst: In welcher Schaffensphase fühlst du dich am wohlsten?
Paris Paloma: Ich liebe den Moment, wenn etwas aus dem Nichts heraus entsteht und zum Leben erweckt wird. Das Gefühl während des Schreibens ist einfach unbeschreiblich. Auch die Zeit im Studio ist toll, wenn sich das Puzzle zusammensetzt. Ich liebe es aber auch, wenn ich später auf der Bühne stehe und die Songs mit meinem Publikum teile. Für diese verschiedenen Bereiche, in denen die Emotionen so greifbar sind, bin ich unfassbar dankbar.
MusikBlog: Fällt es dir leicht, all die persönlichen Gedanken und Gefühle, die du innerhalb deiner Songs beschreibst, live zu teilen?
Paris Paloma: Natürlich beschäftigt man sich mit diesem Thema. Aber wenn ich dann auf der Bühne spiele und meine Verletzlichkeit preisgebe, spüre ich sofort die Empathie und die Sensibilität des Publikums. Das macht es am Ende eigentlich sehr einfach und auch sehr besonders.
MusikBlog: Seit deinem Hit „Labour“ bist du mittendrin im Pop-Geschäft. Erinnerst du dich noch an deinen ersten bewussten Kontakt mit Musik?
Paris Paloma: Oh, das ist lange her. Meine Mutter hat damals viel Motown gehört. So bin ich zur Musik gekommen. Motown hat mich meine ganze Kindheit begleitet und geprägt. Bei uns zuhause lief viel Stevie Wonder und Musik von den Detroit Spinners. Motown besticht vor allem durch reichhaltiges Songwriting. Das fasziniert mich heute noch.
MusikBlog: Wann hast du entschieden, selbst Musik zu machen?
Paris Paloma: Mich haben Künstler wie Joni Mitchell und später dann Ed Sheeran inspiriert und beeinflusst. Ich habe damals viel Musik gehört, die unheimlich professionell und detailliert produziert war. Als ich dann das erste Mal die Songs von „+“ hörte, wurde mir klar, dass es auch im kleineren Rahmen, nur mit der Gitarre, der Stimme und den richtigen Melodien funktionieren kann.
MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.
