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Ein Konzert, das mit einer Melodie beginnt, diese dann mehrmals wiederholt und mit derselben Melodie aufhört, hat entweder zu wenig Material oder einen Plan. Bei Marlo Grosshardt war am gestrigen Mittwochabend im Leipziger Felsenkeller schnell klar, welches von beidem zutraf:

„Rasselbande“, der erste Song des neuen Albums „Bildet Banden„, stimmte ein Thema an, das sich innerhalb des Eröffnungsstücks aufbaute und danach den ganzen Abend über wiederkehrte, mal als Zitat, mal als Fundament – bis es am Ende noch einmal dastand, wo es hergekommen war.

Der 2001 geborene Hamburger ist mit seinem dritten Album unterwegs und die Tour trägt das Motto gleich mit: „Bildet Banden – werdet laut“. Den Abend eröffnete jedoch zunächst EALA um die Frankfurterin Eva-Angeliki Latrovali, 2024 mit dem Panikpreis der Udo-Lindenberg-Stiftung ausgezeichnet und keine Zufallsbesetzung – gemeinsame Konzertabende mit Grosshardt gab es schon damals.

Dass auf der Bühne jedoch nicht nur ein Singer/Songwriter mit Gitarre und Meinung stand, zeigte sich an der Besetzung: Geige, Cello, Saxofon, Posaune, Klavier, Bass und ein Wechsel durch mehrere Gitarren. Die Arrangements nutzten das aus, ohne in Kammerpop-Behaglichkeit zu kippen. „Realität“, „Kriege Ohne Mich“ und „Du Baust Träume“ bekamen Streicher, wo andere Bands ein Synth Pad genommen hätten, und der Unterschied war hörbar.

Vor „Kleinstadtpropaganda“ moderierte Grosshardt das Projekt „Kreuz ohne Haken“ an: Der Name ist die ganze Idee: ein Holzkreuz, dem die Haken fehlen. Entstanden ist die Aktion in Niedersachsen als Antwort auf völkische Siedler in der Nachbarschaft, getragen wird sie vom Verein „Gruppe beherzt – für Demokratie und Vielfalt“, inzwischen stehen die Kreuze an mehreren Hundert Orten in Deutschland. Für den Song kam Sängerin Latrovali von EALA zurück auf die Bühne, den Song singt sie auch auf dem neuen Album.

Daneben stand der private Registerwechsel. „Kulissen“ und „Astronaut“ richteten sich an Eltern und Familie, mit einer Dankbarkeit, die im Deutsch-Pop selten so unironisch vorgetragen wurde.

„Parallelwelt“ führte Marlo auf ein türkisches Lied zurück und legte ein Sample eines mazedonischen Orchesters darunter. „Timeline“, geschrieben mit Audio88, blieb der einzige Hip-Hop-Moment des Abends und wirkte dadurch weniger wie ein Ausflug als wie eine Fußnote, die zufällig gut klang.

Der Bruch kam mit „Partisanen“. In der Menge öffnete sich ein Circle Pit, und Marlo Grosshardt stand mit der Posaune mittendrin – ein Bild, das man eigentlich aus Punkkonzerten kennt, nur eben mit Blechblasinstrument.

Die vierteilige Zugabe begann mit dem bisher unveröffentlichten „Ohne Hände“, gefolgt von „Big Ben“, ein Stück, das irgendwann einmal als Stadionhymne gedacht war, aber gestern im Felsenkeller vollkommen ausreichend untergebracht war.

Doch das Konzert war damit noch nicht beendet. Während „Resümee, Pt. 1″ verließ Grosshardt die Bühne, ging durch die Menge und stellte sich einzelnen Besucher*innen namentlich vor – Banden bilden heißt hier offenbar: erst mal Namen austauschen. Das – wie auf dem Album – abschließende „Resümee, Pt. 2″ ging in einen kleinen Moshpit über, bei dem Marlo kurz mitmachte, bevor er zurück zur Bühne eilte.

Dann folgte noch einmal die „Rasselbande“-Melodie vom Anfang mit dem letzten Satz des Abends aus dem Song „Realität“: „Da sitzen Nazis jetzt im Bundestag und man muss sie auch so nennen.“ Auch das also ein Rückgriff auf etwas, das schon dagewesen war – nur dass diese Zeile keine Melodie brauchte, um sich zu merken.

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