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Mykki Blanco – Cafe Paradiso

Es gibt Alben, die einen von der ersten Sekunde an mitreißen wollen, und es gibt Alben, die sich lieber neben einen setzen, einen Kaffee bestellen und erstmal gar nichts wollen. Mykki Blancos neues Album „Cafe Paradiso“ gehört zur zweiten Sorte – auch wenn es an Partyenergie wahrlich nicht mangelt.

Nach zwei Jahren Kunststudium in der Schweiz kehrt Blanco zu dem zurück, was er selbst als seine „erste Liebe“ bezeichnete: das Songwriting. Statt einer geraden Linie verknüpft er musikalisch lose Fäden aus New York, Paris und Tanger miteinander.

Blanco selbst beschreibt es als Album für cosmopolitan aesthetes, die allein im Café sitzen und am eigenen Lebensentwurf feilen. Nicht gerade bescheiden formuliert, aber hörbar ehrlich gemeint.

Musikalisch ist „Cafe Paradiso“ ein bunter Haufen aus House, Indie-Rock, Rap, Hip-Hop und Neo-Soul, der sich herzlich wenig um Genregrenzen schert.

Es beginnt mit „Little Feet“ (feat. Ian Isiah und Breakaway), einem lässig groovenden Opener, bevor „NYC Dogs“ die Stimmung eine Stufe höherschraubt: waschechtes New-York-Flair, ein spontan auftauchendes Saxophon und ein herrlich absurdes Hunde-Rollenspiel, bei dem Mykki Blanco das Publikum auffordert, die Zunge rauszustrecken und sich wie brave (oder eben unartige) Hunde zu benehmen.

Spätestens bei „Butt Sex“ wird klar, worum es hier geht: Blanco ruft seine „Baddies“ auf die Tanzfläche, verbannt die „Uglies“ und lässt zu Prince-artigen Funk-Sounds keinen Zweifel an seinen Absichten.

Dieses direkte Ansprechen des Publikums prägt vor allem die erste Albumhälfte und bedient sich spürbar der Ballroom-Culture, nicht unähnlich dem, was man zuletzt auf Beyoncés „Renaissance“ (2022) hörte.

Bei „FOXES“ (feat. Tama Gucci), einem absoluten Highlight des Albums, baut Blanco eine Art Live-Intro ein – erst eine Begrüßung des Publikums, dann ein kurzer Dank an die Band –, bevor sich das Album mit „Hey Dopeman“ (feat. Frank Nesbitt) und „Tough Guy“ in düstere, fast schon cineastische Gangster-Erzählungen begibt.

Kurz darauf wechselt der Kalifornier mit „Cut Me Open“ und „Spread For Me“ (beide mit May Rio) in Richtung eines sonnigen Indie-Rocks, während der von Flöten und Streichern getragene Closer „God Is Alive“ (feat. Branden Mayeri und Breakaway) noch einmal die Richtung ändert:

Esoterische Gedankenspiele, rhythmisches Summen und am Ende ein augenzwinkerndes Bild vom lieben Gott, der selbst gern mal einen trinkt und dabei bester Laune ist.

Dass nicht jedes Feature perfekt sitzt und Blancos Gesang seinem Rap gelegentlich das Wasser nicht reichen kann, verzeihen Hörer*innen gern angesichts der Vielfalt an Stimmen und Stimmungen, die die Features mitbringen.

„Cafe Paradiso“ wirkt streckenweise unentschlossen – aber genau das macht es so lebensnah. Mal Party, mal Einsamkeit, mal beides gleichzeitig: Wer hier eine klare Richtung sucht, hat das Konzept nicht verstanden. Alle anderen dürfen sich einfach reinsetzen, einen Kaffee bestellen – oder auch was Härteres – und die Aussicht genießen.

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