Mykki Blanco – Broken Hearts And Beauty Sleep

Performance-Rap vom Feinsten. Mikky Blanco liefert nach fünf Jahren auf seinem Zweitlingswerk in mehreren Disziplinen nur eins: Das Superlativ.

“Broken Hearts And Beauty Sleep” nährt sich von einer Zeit, die irgendwo zwischen der unendlichen Gegenwart, die seit dem Zeitalter des Smartphones angebrochen ist und ihr eigenes Ende unmöglich macht, und einer Zeit, die heutzutage nur noch als Referenz existiert.

“Free Ride” sorgt gleich als zweiter Track für eine extrem dichte Atmosphäre, eine lückenlose Produktion, in der der Rhythmus regiert und Selbstbewusstsein ausstrahlt. Der Text spiegelt selbiges Selbstbewusstsein genau so wieder:

Blanco schildert Alltagssexismus und hebt die Lächerlichkeit derer vor, die ihn ausüben. Diese Umkehrung der Machtverhältnisse lässt die Täter in solchen Situationen zu den traurigen Randgestalten der Gesellschaft werden, die sie sein sollten.

Dabei legt sich Mykki Blanco sogar mit Genregrößen wie J. Cole an, was weder überheblich noch arrogant wirkt. Kooperationen mit Kanye West erscheinen bei einem Album wie “Broken Hearts And Beauty Sleep” fast nebensächlich, zeigen aber im selben Moment, dass Mykki Blanco in der internationalen Rapszene schon längst eine Institution ist.

Wer Trashtalk so intuitiv mit politischen und gesellschaftlichen Themen verbindet und soundmäßig derart selbstverständlich zwischen unterschiedlichen Jahrzehnten, Genres und Feature-Künstler*innen balanciert, hat definitiv ein größeres Publikum verdient.

Anstatt Kanye hört man auf “Broken Hearts and Beautyy Sleep” nämlich Newcomer wie Kari Faux oder Kritikerlieblinge wie Blood Orange, die an der Seite von Mykki Blanco brillieren.

Es ist Zeit für Künstler*innen wie Blanco, die das rap-game zwar als Bühne verstehen und die Selbstinszenierung lieben, die eigene Person aber als Anlass nehmen, größere Themen zu diskutieren, als die eigene Position in der ewigen Hierarchie des Hip-Hop.

J. Cole lieferte mit seinem aktuellen Album “The Off-Season” den Beweis dafür, dass selbstreferenzielles Eigenlob nicht unbedingt zu einem denkwürdigen Album führt. Mykki Blanco hat das verstanden.

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