20 Jahre Bandgeschichte, und dann so ein Ausbruch an guter Laune: Mit „The Great Lime Paradigm“ liefern Steaming Satellites pünktlich zu ihrem Jubiläum ein Album ab, das klingt, als hätten sie den ganzen Weltschmerz kurzerhand am Bühnenrand abgestellt.
Seit ihrem Debüt „Neurotic Handshake At The Local Clown Party“ von 2006 touren die Salzburger durch Europa und die USA, teilten sich die Bühne mit Portugal. The Man, alt-J und White Lies und landeten sogar im Soundtrack zum preisgekrönten Film „Das finstere Tal“.
Nun aber wollen sie, eigenen Worten zufolge, weg von der „scheinheiligen Popwelt“ und zurück zu jenem unbeschwerten Garagen-Sound, mit dem alles begann. Man höre und staune: Es funktioniert.
Der Opener „Any Doubt“ setzt den Ton – Beach-Boys-Harmonien treffen auf jenen Sound, der aktuell unter dem Begriff „Millennial Optimism“ durch die sozialen Netzwerke kursiert: unbeschwerte Indie-Euphorie, wie man sie aus kleinen, verschwitzten Clubkonzerten der 2010er kennt.
Diese nostalgische Grundstimmung zieht sich durchs Album, ob im hohen Falsett von „Something Real“ oder in den coolen Synths in „Searching For A Smile“.
Der Song „Pharaoh“ – vorab veröffentlicht als Vorbote eines Albums, das laut Band das bislang punkigste ihrer Karriere ist – bringt treibenden Indie-Rock und nimmt dabei Politiker*innen und Populist*innen aufs Korn: textlich der ernsthafteste Moment eines ansonsten sehr sonnigen Albums.
Auch „Getting High“ und das optimistisch-herzliche „Pictures“ fügen sich nahtlos in diese Spiellaune ein, auch wenn Letzteres seine Synths hin und wieder fast unfreiwillig komisch klingen lässt, so verspielt und unernst wabern sie durch den Song.
Und mit „Ain’t That Bad“ gönnt sich das Album einen gemütlichen Ausflug zurück zum Space-Rock der frühen Bandjahre, samt Orgel und einem Synth-Lead, der an Beach House erinnert – bloß ohne deren träger Melancholie.
Am schönsten aber ist der Rausschmiss: „Forever And One Day“ klingt nach abgehackten Talking-Heads-Gitarren und New-Wave-Attitüde, bevor der Song ein vorgetäuschtes Ende hinlegt und sich dann nochmal zurückmeldet – mit einem instrumentalen Outro, in dem Shaker, Orgel und Bass gemütlich vor sich hin grooven, während im Hintergrund der Klick-Track durchscheint.
Ein charmanter kleiner Bruch der vierten Wand zum Ende. Passend, dass genau dieser Moment das Album ausklingen lässt – der Albumtitel „The Great Lime Paradigm“ verspricht spielerische Leichtigkeit, und mit diesem Fadeout lösen Steaming Satellites das Versprechen bis zur letzten Sekunde ein.
