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Fat Dog – Cancel Me (I’m Tired)

RubrikAlben
Künstler*inFat Dog
LabelDomino

Fat Dog machen Musik, die klingt, als hätte jemand einen Rave, einen Punk-Gig und ganz viel Frust und Reizüberflutung in einen Mixer geworfen. Auf „Cancel Me (I’m Tired)“ funktioniert dieses Prinzip erstaunlich gut – und ist trotzdem manchmal auch anstrengend.

Schon der Titel ist Programm: Die siebenköpfige Band scheint erschöpft, ohne sich aus eigenen Stücken ausruhen zu können. Deshalb wünscht sie sich von der Außenwelt „gecancelt“ zu werden, damit sie gezwungen ist Pause zu machen.

Klingt nach kurz vor dem Nervenzusammenbruch oder Burn-Out. Und klingt nach Fat Dog, denn genauso chaotisch, aggressiv und hilfesuchend kommt auch ihr Sound daher.

Das musikalische Tohuwabohu von „Cancel Me (I’m Tired)“ knüpft an das wilde Debütalbum „Woof.“ an und steht dem in nichts nach. Zwischen Post-Punk, Techno, Psychedelic-Rock, Elektro und Country gibt es kaum eine musikalische Grenze, die die Band nicht zumindest kurz übertritt – oder besser gesagt stürmisch aus dem Weg kickt.

Besonders spannend ist dabei, dass die Songs nicht ausschließlich auf maximale körperliche Wirkung aus sind. Wo „Woof.“  häufig nach dem nächsten Moshpit verlangte, lässt „Cancel Me (I’m Tired)““ mehr Raum für Atmosphäre, Melodie und verquerer Sinnlosigkeit.

Der Titelsong verbindet psychedelische Elemente mit einem treibenden Club-Beat, während andere Tracks deutlich aggressiver und direkter daherkommen. Joe Loves Stimme bleibt dabei das zentrale Instrument: halb am Singen, halb am Schreien, immer kurz davor, die Kontrolle zu verlieren.

In dem großen Meer aus Genres und Instrumenten stechen gerade die beiden ruhigeren Lieder des Longplayers besonders hervor: „Heart Of Darkness“ und „Snakes“ bringen Momente der Klarheit und überraschende Intimität – und lassen den Hörenden kurz auf- und durchatmen, bevor es mit der wilden Achterbahnfahrt weitergeht.

Thematisch bewegt sich das Album zwischen Erschöpfung, Selbstzweifeln, Sucht, Liebe und Unsinn. Genau diese Mischung macht Fat Dog interessant. Sie nehmen ihre Musik ernst, ihre Texte aber offensichtlich nicht immer – und schaffen gerade dadurch Momente, die gleichzeitig lächerlich und eindringlich wirken.

Die Süd-Londoner versuchen erst gar nicht, ihren Wahnsinn zu in Schach zu halten – sie lernen lediglich, durch ihre Songs damit umzugehen. Das Ergebnis ist laut, schräg, erschöpfend und auf jeden Fall eins: alles andere als ermüdend.

Allerdings sind das schiere Chaos und die ungezügelte Ideenflut auch die größte Schwäche des Albums. Nicht jeder stilistische Ausbruch fühlt sich zwingend nötig an, und gelegentlich scheinen Fat Dog eher beweisen zu wollen, wie viel Lärm und Durcheinander sie in einen Song packen können. Manchmal ist weniger dann halt doch mehr.

Für all die, denen die bisherigen Alben dieses Jahr zu eintönig und vorhersehbar waren, ist „Cancel Me (I’m Tired)“ aber vielleicht der Geheimtipp schlechthin, denn die Platte bleibt trotzdem konstant unberechenbar.

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