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Takeshi’s Cashew – Planet Odyssey 64

Die Cashew-Nuss ist ein kleines und teures Lebensmittel, das seinen Preis wert ist. Sie liefert im Bündel Magnesium, Zink und Phosphat, hilft unserem Nerven-, Immun- und Hormonsystem. Nach einem DJ aus Kroatien hat sich vor siegen Jahren auch eine instrumentale Kraut-Downbeat-Crew aus Wien nach dem Energielieferanten benannt, Takeshi’s Cashew.

Passend dazu spendet ihre quirlige und seltene Rezeptur aus Hypnose-Beats, Querflöte und Bouzouki-Laute auf ihrem Space-Trip „Planet Odyssey 64“ viel Energie und gute Laune. Sie hilft dabei, Gedankenkreisel unendlicher To-Do-Listen abzuschalten.

Die Bouzouki hat nichts mit Olaf Scholz‘ sprichwörtlich gewordener Bazooka zu tun, sondern trägt als eines von mehreren Saiteninstrumenten zwischen den Gitarren zum dezent psychedelischen Klang des schräg-schön spielenden und programmierenden österreichischen Sextetts bei.

Wie man auf Tracktitel wie „Sessellift“, „Eispalast“, „MS Anne“, „Jade Archipel“ und „Rheingold“ kam, bleibt rätselhaft. Während der Sessellift auf der ziellosen Reise um den Planeten auf den Berg hoch hinauf führt, haben etliche andere Referenzen mehr mit dem Überqueren von Gewässern zu tun.

Klarer zuordnen lassen sich „Press Play“ als Anfangs- und „Credits“ als Abschluss-Track. Damit spielen Takeshi’s Cashew auf den Zusammenhang aller Nummern auf einem Tonträger an, sowie auf den Reiserouten-Charakter der Track-Abfolge und aufs Konzeptartige. Vom heutigen Streaming-Konsum einzelner Songs grenzt sich ihr dritter Longplayer klar ab.

Hört man darüber hinweg, dass die Gruppe mitunter bei so etwas wie Ethno-Kitsch landet und in „FLOG201“ mit ihrer dick auftragenden Flöte allzu plakativ wirkt, hat die Scheibe auch andersartige Momente, ihre smarten, geheimnisumwobenen und coolen Abschnitte.

Den einmaligen Einsatz von gesprochenem Wort hätten Takeshi’s Cashew besser beiseite gelassen. Was einmal bei Kraftwerk innovativ war und futuristisch nach Weltraum und dem olympischen Blick von oben auf die kleine Erde klang, vermag in „Lugh“ nur noch abgestanden herüber zu kommen und wirkt wie eine fade Nachahmung: Da quasselt eine Stimme mit der Seriosität eines Nachrichtensprechers einen reimdurchfluteten Text über die Kräfte des Universums.

Zum Glück verschlucken die schwer wummernden Disco-Bässe einen Teil der schwerfälligen bis peinlichen Lyrik („Sie streut Funken durch die Sphäre / jede Wurzel wird zum Meere“) und begraben sie unter wuselndem Synth-Lärm.

Jenseits dieses Chillwave-Ausfluges tänzeln die Stücke zwischen Lounge-Electronica, Spieluhren- und Klingelton-Ästhetik und Krautrock-Zeitverlorenheit. Inspirationen aus Afrobeat, Goa, Mittelalter-Metal und Computerspiel-Soundtracks vom Komplexitätsgrad zwischen Nintendo und Pokémon fließen mit ein.

Während der selbst gewählte Claim ‚Cosmofunk‘ heißt, stecken vom Funk nur manch repetitive Muster und eine gewisse Portion Basslastigkeit in den Songs.

Diese Musik ist ein Therapeutikum für Personen, die zu oft auf die Uhr schauen, aber auch nicht gänzlich frei von nervigen, altbackenen und schematischen Versatzstücken.

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