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Das Trapez hat mindestens zwei parallel zueinander liegende Seiten. Die australische Musikerin Jess Holt alias Total Tommy hat sich die geometrische Form wohl nicht zufällig ausgesucht und ihr zweites Album nach dem „Trapezoid“ benannt.

Mit einer bewegten Vergangenheit rund ums eigene Coming-Out ist man ganz froh, wenn man sich mal wieder in einigermaßen geordneten Bahnen wiederfindet. Ob das „Trapezoid“ dabei beengend wirkt oder genug Spielraum bietet, löst das Zweitwerk sehr schnell auf.

War der Vorgänger „Bruises“ von 2024 noch indie-poppig, spielt Total Tommy jetzt mit energischen Gitarren und grungigem Sound, der auch Emo-Elementen beinhaltet. Das lässt die selbstreflektierenden, autobiografischen Texte noch direkter wirken und nicht selten an Hole beziehungsweise deren Sängerin Courtney Love denken.

„Girl, Interrupted“ arbeitet sich mit melodischen Indie-Rock voran, um die volle Dosis Grunge-Rock aufzumachen. Jess Holts Einsatz zwischen Sprechpassagen und catchy Refrain wirkt ebenso direkt.

„Pretty Little Mouth“ wirkt mit Kim-Deal-artigem schnarrenden Basslauf und einer Dynamik mit Sogwirkung.

Der Titeltrack „Trapezoid“ hingegen suhlt sich in stetiger Rhythmik und dem Fokus auf den schon fast lyrischen Ergüssen von Jess Holt. „everytime you think of me – are you paranoid ?“ schwebt noch als Chorus durch den Raum, bevor auch hier die grungig abgegriffenen Riffs die Halbwertszeit erhöhen.

Leider verfängt das Album nicht durchgehend. „Gutterball“ mäandert unentschlossen zwischen Pop-Punk und einem für Größeres berufenen Refrain hin und her, verliert auf der Sinnsuche aber die Hörerschaft und landet dabei ebenso auf dem Haufen Belanglosigkeit.

Auf diesem wartet „Winona Forever“ auf ein Recycling. Der Refrain prügelt sich zwar wundersam eingängig ins Ohr, der Song verliert sich aber in zügelloser Rifflastigkeit.

Anders, dem Indie-Rock mit sphärisch, aufgehangenen Gitarren und Schlafzimmergeschichten zugewandt, verzieht sich „Nosedive“ ebenso schnell unter die Bettdecke, wie sich „Tearjerker“ als Hole soundalike offenbart.

Der Indie-Rock-Ansatz von „City Of Mannequins“ wirkt zielgerichteter. Schon fast einbahnstrassenartig arbeitet sich der Spannungsbogen aus schnarrenden Saiten und angenehm kehligem Gesang zum Refrain vor, der kurz, aber manisch explodiert. Da verzeiht man auch den dadaistischen Saitenkrach der den Titel brachial beendet.

„Bloodshot“ entstaubt den 90er Alternative-Rock. Eingängige Akkorde knallen stakkato-artig ins Gehör und bringen auch Jess Holt in Fahrt. Das wirkt moderner, als es der Genre-Nostalgie-Trip vermuten lassen würde.

„Out Of Frame“ testet ein letztes mal die Grenzen des Trapezes. Emotional aufgeladene Melodien zwischen Indie-Pop und punkigem Intermezzo ergeben ein sehr eindringliches und doch unaufgeregtes Stück.

Eine gute Vorbereitung auf das knarzige „Tailgate“, dessen harte Texte auf minimalistischem Bass noch mehr Wirkung zeigen, der Dramaturgie des Kreises aber doch nicht entkommen können. So prasseln auch hier schreiende Riffs auf Grunge-Rhythmik, was der aufgebauten Atmosphäre wenig Gutes tut.

„Trapezoid“ arbeitet sich innerhalb seiner Genregrenzen an allerlei Gefühlen ab, hat dabei aber den Grunge als einzig funktionierendes Rezept auserkoren. Das wiederum bekommt nicht allen 11 Tracks gleichermaßen gut, manche Titel wirken wenig ausbalanciert unausgegoren und zu vorhersehbar in ihrer Komposition. Genrefreunde sollten sich „Trapezoid“ aber nicht entgehen lassen.

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