Mit „Infinite Now“ schlägt das britische Elektronikduo Two Shell ein weiteres Kapitel seiner experimentellen Reise durch die elektronische Clubmusik auf. Irgendwo zwischen Garage, Two-Step, futuristischen Melodien und EDM kreieren sie ihren ganz eigenen Clubsound – und ihre eigene Ästhetik.
Das Cover erinnert an eine „Bravo Hits“-CD aus dem Jahr 2001. Und irgendwie passt auch der Vibe der Platte zu diesem Look – im besten Sinne. Mit jeder Menge Synthesizern, gepitchten Stimmeinlagen, treibenden Beats und Popmelodien wie aus dieser Zeit macht das Album vor allem eines: Spaß beim Zuhören und Lust auf Bewegung.
Two Shell, bekannt für ihre geheimnisvolle Identität und seinen unkonventionellen Sound, scheinen auf „Infinite Now“ mit den Konzepten von Gegenwart und Zukunft, Mensch und Maschine zu spielen. Verzerrte Stimmen, synthetische Klangfarben und schnelle Rhythmen bewegen sich dabei bewusst zwischen Mainstream-Sounds und irritierenden Klängen.
Clubtaugliche Beats treffen auf Emotionen, die weniger durch klassisches Songwriting und Lyrics als vielmehr durch Klangtexturen und Wiederholungen vermittelt werden.
Die Titel „The Nightmare“, „Smile“ und „Thing About You“ spiegeln bereits in ihrer Gegenüberstellung die Spannungen wider, die Two Shells musikalische Welt prägen: Dunkelheit und Euphorie, Künstlichkeit und Intimität, Kontrolle und Kontrollverlust.
Gerade diese Gegensätze machen den Reiz des Projekts aus. Die Musik wirkt wie der Soundtrack zu einer futuristischen Partynacht, die immer wieder Zeitsprünge in die Vergangenheit macht.
Während diese Verfremdung bei manchen Hörer*innen eine gewisse Distanz erzeugen mag, liegt für andere genau darin die Stärke des Albums: Sie ist anders, unberechenbar und euphorisch. Die einzelnen Songs scheinen kaum für sich allein zu stehen, sondern gehen in ein organisch ineinanderfließendes Gesamtwerk über.
Mit „Infinite Now“ positionieren sich Two Shell erneut zwischen Underground-Clubkultur und experimentellem Mainstream-Pop. Wer ein ausgeklügeltes Konzeptalbum erwartet, wird hier sicherlich nicht fündig. Wer hingegen Lust auf Abwechslung und ein Hörerlebnis hat, das die Grenzen der Clubkultur austestet – die sich wohl oft zu ernst nimmt – und starre, festgefahrene Regeln aufbricht, kann damit eine gute Zeit haben.
