Früher hat man zu „Sex On Fire“ die Tanzfläche der Indie-Clubs gestürmt und sich so die Nächte um die Ohren geschlagen. Mittlerweile sieht die Wochenendgestaltung bei den meisten Menschen dieser Generation anders aus: Man freut sich, wenn man nach einem deliziösen Abendessen mit einem leckeren Getränk gemütlich auf der Couch sitzt, dazu die Lieblingsplatte aufgelegt hat und um 23:00 Uhr ins Bett verschwinden darf.
Zumindest der musikalischen Ausrichtung von „O My Beloved“ nach, könnte es den Kings Of Leon ähnlich gehen. Southern- und Stadion-Rock scheinen auf dem zehnten Album der Followills weitestgehend vergessen. Stattdessen machen Cale Followill, seine beiden Brüder und sein Cousin es sich mit der Akustik-Gitarre vor dem Lagerfeuer gemütlich und besinnen sich auf das Wesentliche.
Nach dem Intro beweist das schon der erste Song „My Whole World“. Balladiger Akustik-Pop mit pointierten E-Gitarren-Einwürfen zu Zeilen wie „underneath the pin oak tree / pass family recipes / they’ll bring you to your knees / make room for seconds, please” und der Beobachtung, wie schnell doch die Zeit verfliegt und dass alle Guten sterben.
Das ist weder textlich noch musikalisch bahnbrechend, klingt aber genauso warm wie das Bild, das hier transportiert wird. Und das reicht doch manchmal auch schon.
Das erste, komplett allein produzierte Album der Kings Of Leon ist eine Rückschau. Zum Ende dieses Novembers sind die vier Bandmitglieder, die immer noch in Tennessee wohnen, in ihren Vierzigern angekommen, das Wort Midlife Crisis liegt einem auf der Zunge. Aber statt schneller Sportwagen lässt sich das Quartett von der Familienkutsche durch die Gegend fahren. Höchstgeschwindigkeit ist auf diesem Album Fehlanzeige.
In Teilen trägt „O My Beloved“ aber etwas zu dick auf. In „Pretty Thing“ beispielsweise steuert die larmoyante Instrumentierung die Ballade recht zielsicher auf die Kitschklippe zu, an der sie zu zerschellen droht.
Aber es gibt auch gelungene Fusionen: „Feel The Love“ groovt im Midtempo lässig vor sich hin und wird in der Mitte von einem Gitarrensolo durchgerüttelt, das dem Song das gewisse Extra gibt.
„Make It Count“ überzeugt mit einer spannenden Akkord-Progression im Refrain und sorgt so für ein bisschen frischen Fahrtwind auf dem Trip down memory lane.
Sanftmütige Nostalgie steht den Kings Of Leon dann doch besser, als der ewig jugendliche Stadionrock. Bleibt zu wünschen, dass der Weg zurück zu den Wurzeln auf dem nächsten Album noch konsequenter eingeschlagen wird und der rauere Sound der früheren Jahre nochmal aufleben darf.
