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Thees Uhlmann – Live in der Muffathalle, München

Thees Uhlmann ist zur Zeit mit seinem aktuellen Album auf Tour und war am Freitag in der Muffathalle in München zu Gast. Das riesige Thees Uhlmann Bühnenposter lässt Großes erwarten und so beginnt das Konzert auch großartig mit “Römer am Ende Roms” und seinem spannungsaufbauenden Klavierintro von Julia Hügel. Danach folgt ein non-stop Feuerwerk der Songs der aktuellen Platte, die live schon fast wie ein Best-Of Album wirkt.

Uhlmann zeigt auf der Bühne wahre Entertainer Qualitäten mit Hang zum Witze-Erzählen (wie wir selber ja auch schon bei einem persönlichen Aufeinandertreffen auf dem Reeperbahn Festival erleben durften). Beispiele dafür: “..ein alter Mann mit so einer gelben Binde mit drei schwarzen Punkten am Arm, so wie sie die Schiedsrichter in München tragen..” oder die Entgegnung auf den obligatorischen Ruf aus dem Publikum “Ich will ein Kind von dir” mit “Man kriegt vieles hin mit einer Flasche Whisky und ‘nem guten Tierarzt..”, nach der Feststellung, dass den Kinderwunsch bisher 40 mal mehr Männer als Frauen geäußert haben.

Uhlmann weiß, wie er die Massen rockt. Seine sympathische Art stellt sofort eine Beziehung zwischen ihm und dem Publikum her. Die Kunst-Pause in “Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf”, bis das Publikum anfängt, mitzuklatschen und die Akkustik-Performance von Tomte’s “New York”, bei der die Fans zum Mitsingen animiert werden, schaffen eine bombastische Stimmung und sorgen für den einen oder anderen Gänsehaut-Moment. Auch Uhlmann selbst merkt man an, wie sehr es ihm Spaß macht, live aufzutreten. Das ist nicht nur eine Show für andere, sondern scheint auch für ihn selbst eine sehr wichtige Angelegenheit zu sein.

Live zeigt sich, was auf dem Album noch nicht so klar wird, Thees Uhlmann macht deutsche Rockmusik, wie sie eben nicht mit Tomte möglich gewesen wäre. Passend zur Musik auch der Bühnenauftritt der Bandmitglieder, die man früher für das Tragen von Vollbart und dieser Art Hüte sicher verachtet hätte. In ihrer gesamten Darstellung kommen Uhlmann und Band sehr geradlinig (um das Wort “einfach” zu vermeiden) rüber, eben wie die Typen von Kasse 2. Da passt dann doch der oft bemühte Vergleich mit Bruce Springsteen und seiner E-Street Band, womit Uhlmann ja auch selbst gern kokettiert.

Die erste Zugabe ist dann eine Cover-Version von U2’s “Van Diemen’s Land” von der “Rattle And Hum”, um auch wirklich dem Letzten im Saal den Rock ‘n’ Roll Anspruch und den Kontext dieses Konzerts klarzumachen. Die zweite Zugabe “Paris im Herbst” endet dann mit einer herzlichen Verabschiedung (“Schönes Wochenende, ihr habt es euch verdient”, “Kommt gut nach Hause, baut keinen Scheiß”). Diese Wünsche nimmt man Uhlmann auch wirklich ab, denn kein Zweifel, er liebt sein Publikum.

Unerwartet und schon lange nicht mehr erlebt, kommt die Band dann tatsächlich nochmal für eine dritte Zugabe raus und spielt in Ermangelung weiterer Titel “Zum Laichen und Sterben…” noch ein zweites Mal (“..das machen sonst nur Schüler Bands”). Dem überaus dankbaren Publikum ist das natürlich egal und es summt die Melodie des Liedes noch lange weiter, nachdem Uhlmann und Band schon längst von der Bühne verschwunden sind. Ein großartiger Abschluß!

Mit Indie-Rock Allüren oder verkopftem Avantgarde-Deutsch-Pop hat Thees Uhlmann’s Live Performance nichts zu tun. Das Konzert war ein toller Mix aus Dorf-Kirmes, Marius Müller-Westernhagen Stadion-Rock und “Feel-Good”-Party. Wie Uhlmann im Konzert bestätigte, gibt es Tomte als Band noch und alle Tomte Fans werden deren nächstes Album wohl mit etwas anderen Ohren hören.

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