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Tocotronic – Wie Wir Leben Wollen

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Ordentlich Staub wurde anlässlich des pünktlich zum 20-jährigen Bandjubiläum veröffentlichten 10. Album der Ex Hamburger Tocotronic aufgewirbelt. Wochen im Vorfeld wurde das Werk in allen Printmedien und sonstigen Formaten zerredet, von der inzwischen erstaunlich mitteilungsbedürftigen Band um Sänger Dirk von Lowtzow alle Vorgänge der Transzendenz zwischen Geist und alterndem Körper erklärt und zum x-ten Mal  die Aufnahmen mit antiquierter  Studiotechnik beschrieben.

Dabei führt „Wie wir leben wollen“ nur konsequent die Entwicklung der Band seit ihrer Jahrhundert-Platte „K.O.O.K“ , mit der Tocotronic die Hamburger Schulklasse verließ, fort.  Stand auf den letzten drei, auch in Berlin Trilogie genannten, Alben die künstlerische Verspieltheit,  Crazy Horse–hafte Gitarren, Noise-Einlagen und bedeutungsschwere Metaphern im Vordergrund, zeigt sich die Band 2013 fragil und verletzlich. Weniger Fragen, eher Antworten und keine Parole in den Titelzeilen, alles klingt komprimiert – und manchmal auch ein bisschen nach Altersweisheit klingend.

Tocotronic präsentieren sich mehr poppig denn rockig, die besungenen Gedanken zu gegenwärtigen und zukünftigen Ängsten sind ihrer, inzwischen mehrheitlich im Stadtteil-gentrifizierenden Bildungsbürgertum angekommenen Hörerschaft wieder den entscheidenden Schritt voraus. Bespielsweise im Erkennen der eigenen, konsequenzlos bleibenden Mittelmäßigkeit.

Und daher sind die Weisheiten „Ich bin jetzt alt/bald bin ich kalt“ und „War keiner von den Stars/Ich war höchstens Mittelmaß“ aus dem Opener „Im Keller“ universal spiegelbildlich. Auch sonst sind Zitate und Querverweise dieses Mal weniger der Hochkultur entnommen und es wird auch gern mal die seichtere Unterhaltung bemüht. In „Pfad der Dämmerung“  soll es um von Lowtzow „nach Erdbeer stinken“ – so wie Problembär Lotso aus Toy Story 3. Wunderbar hilflos klingt „Ich will nüchtern für Dich sein“ und das dicke Ende in „Vulgäre Verse“ erdet  jeden Überschwang in Materie.

Die gewählte Aufnahmetechnik aus dem Jahr 1958, aufgetrieben im Berliner Candy Bomber Studio auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof, fällt im ersten Teil des Albums nicht großartig auf. Erst im  Teil Zwei brummt Jan Müller’s Bass angenehm dunkel und verwaschen und macht  in Verbindung mit dem eingesetzten Theremin das ohnehin großartige „Neue Zonen“ zum echten Hörerlebnis. Michaela Meise`s ergänzender Gesang passt perfekt und der Titelsong am Ende des Albums kann kein treffenderes Resümee der letzten 70 CD-Minuten liefern.

„Die Revolte ist in mir“ singt von Lowtzow. Und wer bis jetzt nicht kapiert hat, dass es der Band nie um Weltverbesserung ging, sondern um eine Stellungnahme gegenüber den Vorgängen in dieser, dem ist schon vor 16 Jahren der Bus nach Bahrenfeld vor der Nase weggefahren.

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