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Lady Gaga – Artpop – zwischen Kunst und Sexploitation

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Dass im Moment eine Art ,,Übersexualisierung“ im Musik-Business stattfindet, davon berichtete MusikBlog bereits. Die Protagonistinnen Miley Cyrus, Rihanna, Kesha und andere liefern sich im Moment einen Wettkampf, wer am wenigsten an hat. Oder am meisten auszieht. Die Generation, die Frauen in Unterwäsche mit Engelsflügeln anhimmelt und mit YouPorn aufgewachsen ist, muss gefüttert werden. Sex sells, dieser Leitspruch ist mindestens so alt wie das Musikbusiness selbst.

Schockte früher noch ein nackter Bauch, muss jetzt schon der Hintern freigelegt sein, während er sich durch sämtliche anzügliche Posen wackelt, mindestens. Das Ganze hat, seit Mileys Show-Down bei den VMAs diesen Jahres, als ,,Twerking“ bekannt, also sogar einen Namen. Je nackter, desto aufregender, meint man. Dabei scheint heutzutage ein Star im Rollkragen revolutionärer denn je.

Die Künstlerinnen wollen polarisieren und Aufmerksamkeit, nur das soll Plattenkäufe und Downloads generieren. Dass sie sich und ihren Körper dabei verkaufen, scheint ihnen nicht klar zu sein. Man mag sich fragen, wie so mancher Mann darauf reagiert. Optische Reize ja, tiefgehende Wertschätzung als Frau und einhergehender Respekt? Wahrscheinlich eher nicht. Wer sich wie ein Steak verhält, wird behandelt wie ein Steak, das ist klar.

Eine, die sich ebenfalls immer wieder nackt macht, ist Revoluzzerin Lady Gaga. Die „Queen of Monster“ und hochdekorierte Künstlerin waberte erst kürzlich im Rahmen einer Performance der Künstlerin Marina Abramovi? nackt durch den Wald und übte sich in richtiger Atmung. ,,Eine Bewusstseinserweiterung“, meinte sie später. Lady Gaga, die früher angeblich als Stripperin ihre Brötchen verdiente, ist nämlich die Königin der Selbstinszenierung. Keine hat so perfekt durchschaut, wie ,,Verkaufen“ funktioniert. Ausschweifende Kostüme, frivol-explosive Bühnenshows: Lady Gaga läutete einen Wandel in der Musikindustrie ein. Erst als sie sich platinblonde Schleifenperücken auf das kreative Haupt setzte und sich Eiskristalle auf die Schultern klebte, kam der Erfolg. Diese puristische Kompromisslosigkeit wirkt teilweise sogar selbstironisch.

Noch schafft Lady Gaga es, das Tempo unserer Zeit beizubehalten und erfrischt immer wieder mit Innovationsgeist. Was für ein Stress das ist, mag man sich gar nicht ausmalen. Reichte früher ein nettes Kleid und ein Mikrofon in der Hand einer Pop-Diva, muss es heute eine Schar nackter Tänzer sein, ein Fleischkleid oder eine überlebensgroße Plastikvagina, aus der man sich zum Bühnenauftakt stülpt. Ein Bild der Reinkarnation, der Wiedergeburt, das zu niemand anderem besser passt als zu Lady Gaga.

Seit ihrer Zwangspause aufgrund einer Hüft-Operation scheint die Königin mehr in sich zu ruhen. Die Outfits: Ruhiger, beinahe elegant in letzter Zeit, die Videos, Bühnenshows: Mehr Kunst als Gewalt-Kommerz. Dazu passt, dass Lady Gaga das Cover ihres heiß ersehnten Albums „Artpop“ von Künstler-Gigant Jeff Koons gestalten ließ. Ihre aktuellen Fotos stammen von den Fotokünstlern Inez van Lamsweerde und Vinoodh Matadin.

Im Gegensatz zu ihren Kolleginnen, ist Lady Gaga als Kunstwerk zu sehen. Der Mensch hinter der Kunstfigur ist beinahe bis zum Verschwinden hinter der Maske versteckt. Lady Gaga gibt nicht die Figur Gaga, sie IST sie. Wer sie immer noch bei ihrem Vornamen nennt, hat es nicht verstanden.

Sieht man sich ihre Entwicklung an, fällt auf, dass sie am Anfang ihrer Karriere noch mehr der Retorte zu entstammen schien. ,,Let’s Dance“ hat soundtechnisch nichts mit Meilensteinen wie ,,Marry The Night“ oder der zwar in den Charts nach Gaga-Maßstäben eher schwächelnden, dennoch besonderen Singleauskopplung ,,Applause“ zu tun. Ebenso der Look damals, beinahe gemaßregelt, höchstens originell, aber bei weitem nicht so avantgardistisch-wegweisend wie jetzt. Auch eine Lady Gaga musste sich freischwimmen, Vertrauen gewinnen, bis man sie machen ließ, was sie am besten kann: Sich inszenieren und dabei verdammt erfolgreiche Musik zu machen, ohne den Anspruch an sich selbst zu verlieren.

Nacktheit? Versteht man bei Gaga im Gegensatz zu dem Hummelsack Miley Cyrus weniger als Provokation, sondern als Ausdruck ihrer persönlichen Freiheit, die sie sich als Künstlerin nimmt. Ihre Bilder: Nie obszön, nie billig, nie glatt. Dafür ist Lady Gaga, mit Verlaub, auch nicht schön genug. Der Betrachter nimmt es hin, als Ausdruck ihres Körperverstehens, ihrer persönlichen Kunst. Wenn der Körper Teil dieses Gesamtwerkes wird, umso besser.

Auch in ihrer Musik wandelt Lady Gaga auf dem schmalen Grat zwischen Kunst und Kommerz, auch wenn der Standard-Radiohörer sie in eine Plastik-Pop-Schublade mit oben genannten Kolleginnen steckt. Es sind die Details im Groove, in den authentischen Texten oder in der variantenreichen Art zu singen, die sich nur dem geübten, geschmachlick fest im Sattel sitzenden Hörer erschließen. Auch wenn die Single „Applause“ zunächst etwas enttäuscht, erwarten wir von „Artpop“ die gleiche, hohe Qualität wie von ihren bisherigen Alben, so wie es „Aura“ und die bisherigen Schnipsel von „Do What U Want“ und „G.U.Y“ andeuten. Es wird auf jeden Fall wieder 100% Lady Gaga sein.

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