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Howe Gelb – The Coincidentalist – Der Tausendsassa mal wieder solo

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Auf dem neusten Album „The Coincidentalist“ des Meisters des Avantgarde-Twang, dem Gründer der alternative Folk-Rock Band Giant Sand und Pate der Tucson Musikszene geht es abwechselnd, schroff und süß zu. Hier ist alles hautnah gemischt, wie ein intim geflüstertes Vertrauen, als ob Howe Gelb alte Geschichten in der Privatsphäre Deines Wohnzimmers erzählen würde. Oder in Deinem Gehirn, wenn Du einen Kopfhörer verwendest.

Die Kern-Band auf „Coincidentalist“ besteht aus M. Ward an der Gitarre, Sonic Youths Steve Shelley am Schlagzeug und Giant Sand Bassist Thøger Lund. Gastsänger Will Oldham lässt das Eröffnunglied „Vortexas“ fast wie eine ikonographische Hommage an Tucson wirken. KT Tunstall bereichert „The 3 Deaths of Lucky“ mit ihrer einzigartigen und eleganten Stimme. Trotz der gedämpften Atmosphäre in der späten zweiten Hälfte des Albums, fühlt sich „Picacho Peak“ an wie das emotionale Herzstück. Gebaut in erster Linie um das Howe Gelb Klavier und einen weiblichen Gospel-Chor, ist es eine melancholische Reflexion über Fliegen, Schlafen, Fahren, Zufall und Mortalität.

Mit rauer Stimme und minimalistischer Untermalung präsentiert der Singer/Songwriter seinen großen Kollaborationswillen und setzt auf Jazz, Bluegrass, Folk und Rock, um am Ende eine recht eigene, aber auch eigenartige unscheinbare Mischung an den Tag zu legen. Hier und da drängen sich aber auch prägende Momente wie die E-Gitarre in „Left Of Center“ in den Vordergrund. Mit eigener Botschaft und echtem Potenzial präsentieren sich hier Tracks, die man gerne hört, wenn die Singer/Songwriter-Laune bei Howe Gelb wieder da ist.

Die Musik entpuppt sich letztendlich als sowohl verführerisch als auch klangvoll. Es ist die Art von Album, die verlangt, wiederholt gehört zu werden, obwohl es gelegentlich verwirrend daherkommt. Sonst wäre es aber auch kein Howe Gelb Album, so entpuppt es sich unweigerlich als gut investierte Zeit.

Nach all den durchgeschrammelten Nächten, nach dreieinhalb Jahrzehnten voller kratzbürstiger Konzerte ist erstmals klipp und klar festzustellen: Howe Gelb ist schon längst in der Welt der Crooner, Rock-Poeten und Grandseigneurs angekommen. Wenn man musikalisch so furchtlos ist wie Howe Gelb, dann ist man die Sorte Künstler, bei der das Unerwartete erwartet wird. So bleibt „The Coincidentalist“ ein kleiner Schaukasten, in dem die Vorlieben und das Können von Howe Gelb Gründe genug sind, es unbedingt zu besitzen.

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