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Ein Sound-Update, keine Kopie – Turin Brakes im Interview

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Eine gute halbe Stunde lang dringt ein gedämpftes Summen durch die Wände des Magnets, auf dessen Bühne sich Turin Brakes ein letztes Mal vor der Show in Berlin die neuen Songs im Soundcheck zur Brust nehmen. Während die Band sich also fleissig auf das Konzert am Abend vorbereitet, wirkt das grelle Licht backstage sowie das traurig dreinblickende Catering im angrenzenden Raum wenig einladend. Die leicht kühl wirkende Atmosphäre schlägt aber sofort ins Positive um als Turin Brakes samt warm gespielter Finger und fröhlichen Gesichtern vom Soundcheck zurückkehren. Die Begrüßung ist herzlich und noch bevor Sänger Olly Knights zum Interview Platz nimmt, hat sich der Rest der Band in die umliegenden Sessel geworfen, um ein letztes Nickerchen zu machen oder den hungrigen Magen ruhig zu stellen. Für Olly Knights muss beides warten und so rückt er sich interessiert die smarte Brille zurecht, um das Startzeichen für das folgende Gespräch zu geben, in dem er uns von den Aufnahmen zum neuen Album „We Were Here“ berichtet und dabei diesem für die Band so typisch gewordenen „Trademark Sound“ auf die Spur geht.

MusikBlog: Willkommen zurück in Berlin! Was kommt dir als erstes in den Sinn, wenn du in der Stadt bist?

Olly Knights: Jedes Mal, wenn ich nach Berlin komme, muss ich an die Anfangstage der Band denken. 2000/2001 waren wir oft in der Stadt, weil unser Label damals seinen Sitz hier hatte. Wir haben damals viel Promo gemacht und Konzerte gespielt. Dadurch wirkt Berlin sehr vertraut auf uns. In den letzten Jahren waren wir nicht mehr so oft hier, weil alles generell ein wenig langsamer läuft als damals, aber wenn wir herkommen fühlen wir uns immer sehr wohl. Normalerweise hat man auf Tour nicht so viel Zeit die Stadt zu erkunden, aber ich bin froh, dass wir dieses Mal ein kleines Zeitpolster haben. In der Vergangenheit unterlag alles immer einem strengen Zeitplan, weil das Management drängelte. Nun sind wir ein ganzes Stück erwachsener, fahren selbst durch die Gegend und kommen ohne einen Tourmanager klar. Was Berlin angeht, gibt es noch eine Menge für uns zu entdecken, obwohl wir schon gefühlt eine Million Mal hier waren. Wir kennen uns allerdings gut mit den lokalen Clubs und ein paar Cafés aus.

MusikBlog: Wie funktioniert denn das Reisen und Spielen von Shows ohne Tourmanager?

Olly Knights: An diesem Punkt in unserer Karriere funktioniert das ausgesprochen gut. Wir sind schon so lange unterwegs, dass wir unsere Bedürfnisse auf Tour wohl besser kennen als jeder Tourmanager da draussen. Wir brauchen nicht mehr wirklich jemanden, der uns sagt wie das Leben auf Tour funktioniert. Unser Schlagzeuger Rob (Allum) kann sehr gut organisieren und hat mehr oder weniger den Posten des Tourmanagers übernommen, auch wenn wir ihn nicht als Tourmanager ansehen. Dennoch gehorchen wir ihm auf’s Wort! (lacht) Er zieht bei uns die Fäden und sagt uns unterwegs, wo es langgeht. Wäre das nicht der Fall, würden wir wohl im Chaos versinken.

MusikBlog: Vor was hast du den größten Respekt, wenn du auf Tour bist?

Olly Knights: Schlaf! Das ist mit Abstand das Wichtigste, wenn man auf Tour ist. Und ein geringes Level an Alkoholkonsum. Wenn man wenig Alkohol trinkt und so viel Schlaf wie möglich bekommt, dann kann eigentlich nichts passieren. Das sind für uns zwei sehr wichtige Grundsätze geworden. So lange du beide einhälst, kannst du ewig weitermachen.

MusikBlog: Ihr habt nach ein paar Jahren Pause mit „We Were Here“ ein ganz wunderbar tiefgründiges Album aufgenommen. Wie sehr musstet ihr dafür in euch gehen und welche Gewissenskämpfe habt ihr während dieser Zeit austragen müssen?

Olly Knights: Im Vergleich zu den anderen Alben hat es sich dieses Mal ein wenig anders angefühlt. Vor allem, weil wir so viel miteinander über die Platte gesprochen haben. Normalerweise sind die Alben immer eher zufällig und nebenbei entstanden. Ich schnappe mir die Gitarre, probiere ein paar Dinge aus und dann entwickelt sich alles darauf aufbauend bis das Album im Kasten ist. Dieses Mal haben wir uns das erste Mal hingesetzt, um bewusst ein Album zu machen. Wir setzten uns sogar ein festgelegtes Zeitfenster, in dem wir unseren Plan in die Tat umsetzen wollten. Ich hatte also nur begrenzt Zeit überhaupt Songs zu schreiben, was eine ganz neue Erfahrung für mich war.

Wir empfanden die Diskussionen über den angestrebten Sound oder die uns vorschwebenden musikalischen Einflüsse als sehr hilfreich. Somit kamen wir immer näher an den Punkt, an dem wir uns die Frage stellten, wie die aktuelle Version von Turin Brakes eigentlich klingt. In der Vergangenheit haben wir über solche Dinge überhaupt kein Wort verloren. Wir haben uns an den kleinen Dingen hochgehangelt, aber nicht über solche grundlegenden Aspekte gesprochen. Der ganze Albumprozess war dieses Mal sehr viel reifer. Alle dabei aufkommenden Gewissenskämpfe haben wir sozusagen als Team gemeistert. Es tat gut einmal nicht alleine alles mit sich und der Gitarre austragen zu müssen. Alle waren von vornherein involviert.

MusikBlog: Ist die emotionale Reise auf die man sich innerlich mit so einem Album begibt der schwerste Teil des gesamten Prozesses oder hinterlassen die Aufnahmen selbst die größten Spuren?

Olly Knights: Das kommt immer ganz auf das jeweilige Album an und kann sich mitunter ändern, aber bei „We Were Here“ empfand ich das Songwriting zum Beispiel als vergleichsweise einfach, weil ich das Ziel genau vor Augen hatte. Alles andere drum herum hat mir da weitaus größere Schwierigkeiten bereitet. Was die persönliche emotionale Reise angeht, war ich dieses Mal so aufgeregt wie noch nie bei einem Album. Wenn wir ins Studio gehen, bin ich immer der lockerste von allen, doch bei den jetzigen Aufnahmen war genau das Gegenteil der Fall. Vielleicht, weil wir die alten Turin Brakes samt ihrer Gewohnheiten hinter uns gelassen hatten und auf etwas Neues blickten. Wir hatten vermutlich vor ein paar Jahren einfach mit der Musik aufhören können und alle hätten gedacht „Oh, das macht Sinn!“, aber wir haben nicht aufgehört, sondern wollten mit einer frischen Perspektive beginnen. Tief in mir drinnen wusste ich aber selbst in den Momenten größter Nervosität, dass alles gut werden würde. Ich bin froh, dass ich keinen Nervenzusammenbruch erlitten habe!

MusikBlog: Was war so verlockend daran analog aufzunehmen und dafür nach Wales zu reisen anstatt bequem ein Londoner Studio aufzusuchen?

Olly Knights: Um ehrlich zu sein, hatten wir es einfach satt mit Laptops aufzunehmen. Die ersten beiden Alben sind komplett analog aufgenommen worden, aber danach sind wir mehr und mehr dazu übergegangen unsere Songs auf digitalem Wege aufzunehmen. Seit „JackInABox“ war alles ausschließlich so zustande gekommen. Uns ist einfach bewusst geworden, dass es auf „Outbursts“ eine Reihe von Songs gab, die wir noch nie von vorne bis hinten durchgespielt haben. Für eine Band wie Turin Brakes fühlt sich das falsch an. Immerhin ist die Idee hinter der Band die, dass die Songs überall und zu jeder Zeit funktionieren sollen. Wir wollen in einen Raum gehen und sofort loslegen können. Die Tatsache, dass diese Spontanität nicht mehr so wie zu Beginn unserer Karriere gegeben war, ließ uns umdenken. Wir schoben die Schuld auf die Computer und wollten wieder zu unseren Wurzeln zurück.

Es ist wirklich zu einfach einen Song am Computer zu konstruieren. Wenn man begabt ist, kann man ein Stück innerhalb von nur ein paar Stunden aufnehmen, mixen und mastern. Anfangs wirkt alles perfekt und du kannst den Song theoretisch sofort zum Radio senden, aber irgendwas an dieser Machart ist uns zu schnell und einfältig. Nimmst du analog auf, ist der ganze Ablauf viel linearer und du musst dich vom Anfang über das Mittelstück bis zum Ende durchschlagen. Du musst imstande sein die Essenz des jeweiligen Songs wie auf Knopfdruck einzufangen. Das kann beängstigend sein, aber lohnt sich sehr, was das Resultat angeht. Meine Ohren sind über die Jahre hinweg von all den digitalen Aufnahmen müde geworden. Bei einer analogen Produktion empfinde ich das nicht so.

MusikBlog: Ihr habt als Band über die Jahre hinweg einen wahren „Trademark Sound“ geschaffen. Wie schwierig ist es als Band einem gewissen Zeitgeist gerecht zu werden ohne dabei auf die modernen Hilfsmittel der Technik zurückzugreifen?

Olly Knights: Wir haben uns bei unserem neuen Album tatsächlich zusammengesetzt und überlegt wie wir diesem „Trademark Sound“ überhaupt gerecht werden können. Früher war unsere Philosophie davon geprägt den Turin-Brakes-Sound so offen und so zwanglos wie möglich zu gestalten. Dieses Mal wollten wir dem für uns typisch gewordenen Sound bewusster nachgehen und uns nicht hinter zu vielen Experimenten und Ideen verstecken. Wir haben also versucht alles um diesen „Trademark Sound“ herum zu abzustreifen und den Fokus auf dessen Grundgerüst zu richten. Ich glaube deswegen ist das Album in Turin Brakes Fankreisen auch so wohlwollend aufgenommen worden. Es ist einfach sofort klar wer dahinter steckt. Da gibt es musikalisch keine Verwechslungsgefahr.

Wir haben bei vergangenen Alben auch diesen Druck verspürt unseren Sound zu ändern oder bestimmten Gegebenheiten zu unterwerfen, aber das braucht es nicht. In England wird man als Band gerne dazu gedrängt um jeden Preis mit der Zeit zu gehen und sich fortwährend zu verändern. Dir wird eingeredet, dass es nicht gut ist, wenn du an etwas festhälst. Das macht natürlich keinen Sinn und ist uns zum Glück auch bewusst geworden. Man kann sich ja trotzdem weiterentwickeln. Wir brauchen diesen Druck als Band nicht und haben für uns einen Weg gefunden alle unsere Erwartungen an ein Album dennoch in die Tat umzusetzen. Wir empfinden „We Here Here“ deswegen noch lange nicht als Kopie seiner Vorgänger. Es gibt sowohl alte als auch neue Elemente. Somit ist es vielmehr ein Update unseres Sounds.

MusikBlog: Die Aufnahmen zu „We Were Here“ gingen relativ schnell über die Bühne. Teilweise wart ihr bis zu 18 Stunden am Stück im Studio. Wie bleibt man über so viele Stunden hinweg bei gesundem Verstand und dreht nicht durch?

Olly Knights: (lacht) Es war wirklich verrückt! Wir haben morgens angefangen zu arbeiten und sind nicht vor dem Morgengrauen wieder aus dem Studio raus. Ich glaube das hat nur so gut funktioniert, weil wir uns dieses Album so fest vorgenommen haben. Es war allein unsere Entscheidung und wir wollten das dann auch durchziehen. Uns saß kein Label im Nacken, dass uns vorschrieb wir müssten so lange im Studio hocken. Das allein hat uns doch sehr bei unserer Arbeit angetrieben. Wenn man das Schicksal selbst in der Hand hat, dann macht das sehr viel aus. Ausserdem sind wir vermutlich schon zu lange dabei, um angesichts solch langer Arbeitstage nicht völlig verrückt zu werden (lacht).

MusikBlog: Wo du gerade euer langes Bestehen als Band ansprichst – ist die Magie im Studio immer noch genau die gleiche wie damals?

Olly Knights: Absolut! Wir haben ja praktisch alles live aufgenommen und die Songs zusammen als Band eingespielt. Danach haben wir uns die Aufnahmen angehört und kaum noch etwas daran verändern müssen. Diese in der Luft liegende Magie war also unmittelbar spürbar und es hat sich so gut wie noch nie für uns angefühlt zusammen aufzunehmen. Das Band zwischen uns ist noch stärker als damals und alles schien an seinem rechtmäßigen Platz zu sein, was es sehr angenehm machte.

MusikBlog: Hörst du dir persönlich viel zeitgenössische Popmusik an? Wenn ja, gibt es da Dinge, die dich im Vergleich zu deiner eigenen Arbeit besonders stören?

Olly Knights: Ja, das tue ich. Durch meine Kinder bin ich ständig aktueller Popmusik ausgesetzt. Sie sind sechs und acht Jahre alt und gerade dabei die Popmusik für sich zu entdecken. All ihre Freunde lieben es genauso wie sie Popsongs zu hören. Ich muss gestehen, dass ich nicht gerade verrückt nach den Dingen bin, die ich in dieser Hinsicht höre, aber es ist dennoch gut, dass es einen Platz dafür gibt. Als ich aufgewachsen bin, habe ich auch viel Popmusik gehört. Ein Großteil der Popmusik scheint heute aber völlig ohne jeglichen Tiefgang auszukommen und wirkt ziemlich dünn. Andererseits ist Popmusik wohl genau dazu da und soll auch nicht unbedingt den Anspruch haben tiefsinnig zu sein. Das muss man sich nur ständig vor Augen halten oder eben gleich woanders danach suchen. Die Popmusik ist nunmal ein großes Klischée. Es geht eigentlich nur darum diese Klischées auf interessante Weise miteinander zu verbinden, so dass du ab und an doch noch davon überrascht wirst. Ich mag zum Beispiel HAIM ganz gerne. Die sind toll, weil ihre Musik gleichzeitig klassisch und modern wirkt. Das ganze Album ist sehr clever gemacht, was das angeht.

MusikBlog: Du hast letztes Jahr mit „If Not Now When?“ ein Soloalbum veröffentlicht. Wie wichtig ist die musikalische Unabhängigkeit als Künstler, wenn man die meiste Zeit in einem kreativen Kollektiv wie Turin Brakes verbringt?

Olly Knights: Das war eine sehr wichtige Erfahrung für mich. Die Idee zum Soloalbum entstand genau zum richtigen Zeitpunkt als ich mich bereit für einen Alleingang fühlte. Es hat mir ebenfalls dabei geholfen mir überhaupt darüber im Klaren zu werden an welchem Punkt Turin Brakes sich gerade befinden. Unter Umständen kann es verwirrend sein sich immer genau in dem Umkreis zu bewegen, den man gewohnt ist und darin Songs zu schreiben. Ich konnte dank des Soloalbums einige Dinge in meinem Kopf in die richtige Reihenfolge bringen. Turin Brakes bestehen seit 14 Jahren, da stellte dann auch die Idee ein Soloalbum aufzunehmen keine Gefahr für die Band dar. Wir sind da eher so etwas wie ein großer Regenschirm unter dem viel mehr als nur Turin Brakes Unterschlupf finden. Alle haben meine Entscheidung gut aufgenommen und wir sind als Band und Freunde so stark, dass das wirklich kein Problem war.

MusikBlog: Was hast dich diese Erfahrung gelehrt?

Olly Knights: Im Grunde genommen hat mich diese Erfahrung gelehrt, dass man jederzeit ein Album machen und herausbringen kann, wenn man das möchte. Es ist schon fast erschreckend einfach, so dass man sich einredet es hätte jemanden geben sollen, der einen aufhält (lacht). Zudem befinden wir uns in einer großartigen Ausgangslage, denn wir haben bereits eine Fanbase und das Internet ist ein guter Ort, um Musik zu verbreiten. Hat man beides, kann man sich fast gewiss sein, dass es irgendwo jemanden gibt, der auch Notiz davon nimmt. Vielleicht sind es nur ein paar hundert Menschen weltweit, aber das bedeutet mir unheimlich viel. Ich habe mich so darüber gefreut 500 Mal die Vinyl meines Soloalbums an Leute zu schicken. Das war unglaublich! Alles in allem hat mir dieses Projekt sehr gut getan.

MusikBlog: Und das, obwohl in jedem Song ein Stück des inneren Kampfes steckt, den du als Songwriter mit dir selbst austrägst?

Olly Knights: Ja, vielleicht gerade deswegen. Für mich gehört dieser innere Kampf beim Songwriting irgendwie dazu und er lässt mich schon seit einer Ewigkeit nicht los. Da kann ich allerdings nur für mich persönlich sprechen. Meine Kreativität und meine Produktivität sind direkt damit verbunden. Dennoch habe ich große Freude daran etwas Schönes zu schaffen. Das macht mich sehr glücklich. Das Gefühl diesen einen Moment nur auf diese bestimmte Art und Weise einzufangen und damit für immer festzuhalten ist etwas ganz Besonderes. Es macht mein Dasein erst lebenswert. Es gibt genügend Menschen, die jeden Tag zur Arbeit gehen und irgendwann feststellen, dass sie gar keinen Sinn darin sehen für diese oder jene Firma zu arbeiten. Ich bin sehr glücklich, dass ich etwas gefunden habe, das mich so erfüllt. Selbst wenn in diesem Moment alles zu Ende wäre, könnte ich zufrieden auf all das zurückblicken, was ich bisher gemacht habe und wäre stolz anderen ein paar Songs hinterlassen zu haben.

MusikBlog: Ist es für dich als Songwriter und Sänger einfacher die Wahrheit in Texten auf‘s Papier zu bringen oder sie laut herauszusingen?

Olly Knights: Es fällt mir definitiv schwerer die Wahrheit zu singen, denn in dem Moment wird das geschriebene Wort für mich erst zur Realität. Alles was auf dem Papier existiert, ist in meinen Augen nicht so interessant. Es gibt Lyriker, die nur mit dem geschriebenen Wort etwas Umwerfendes zustande bringen. Meine Texte gehören aber mit Sicherheit nicht zu denen, die einem beim Lesen den Atem rauben. Sie müssen erst in einer bestimmten Art und Weise gesungen werden und mit einer Melodie verbunden sein, um ihre Wirkung und ihr wahres Gewicht zu entfalten. Die Lyrics sind für mich nur ein Teil, der zu der ganzen Atmosphäre beiträgt.

MusikBlog: Wie schaffst du es dann auf der Bühne diese Wirkung jeden Abend auf‘s Neue zu erzielen, erst recht nach so vielen Jahren des Tourens?

Olly Knights: Um ehrlich zu sein, fällt es mir auf Tour sehr leicht die Inhalte der jeweiligen Songs auch nach Jahren noch mit der nötigen Hingabe zu singen so lange ein Publikum da ist. Wenn du in die Gesichter der Zuschauer siehst und dabei feststellst, dass sie eine Verbindung zum Song aufbauen, dann überträgt sich dieses Gefühl der Anteilnahme automatisch auf dich. Ich habe vor Jahren aufgehört über die meisten der Songs nachzudenken, die wir spielen. Wir haben erst kürzlich auf der UK Tour bemerkt, dass wir unsere Köpfe beim Spielen ausschalten. Wenn ich auf der Bühne stehe, ist das der einzige Moment des Tages an dem ich an überhaupt nichts denke. Ich habe keinerlei Konzept, sondern lese nur die Reaktionen in den Gesichtern der Menschen. Genau aus diesem Grund wird das Touren auch nach so langer Zeit nicht langweilig. Du hast jeden Abend ein anderes Publikum vor dir und damit auch andere Reaktionen und andere Geschichten. Da gibt es kein Ende – es sei denn niemand kommt mehr zu unseren Shows! (lacht)

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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