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Might Sink Ships – Don´t Say You If You Mean Me – Im Schatten des Philosophen

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Es scheint fraglich, ob in Zeiten globaler Vernetzung noch von Standortnachteilen geredet werden kann. Bei manchen Orten scheint dieser Begriff aber nach wie vor zutreffend. Chemnitz: aktuell kein ICE Anschluss, der nächste funktionierende Flughafen 100 Kilometer entfernt, eine mit dem Retortenklub RedBull Leipzig um die Wette bolzende Fußballmannschaft, eine Universität mit  überwiegend naturwissenschaftlichem (und damit eher kulturfernen) Nerd-Profil ließ viele Menschen glauben, der Ort im sächsischen Hinterland  sei zusammen mit der DDR abgewickelt worden.

Bis 2012 plötzlich aus dem Schatten des Karl Marx Monuments die Band Kraftklub hervortrat und mit Ihrer Platte „Mit K“ die Pole Position der deutschen Charts enterte und damit eindrucksvoll den Nachweis von Leben in dieser Region erbrachten.

Tatsächlich ist die Musikszene jenseits des Zugpferdes überschaubar, aber dennoch schickt sich derzeit die Band  Might Sink Ships aus dem Dunstkreis des ortsansässigen Labels „Sweet Home Records“ an, mit ihrem zweiten Album „Don´t Say You If You Mean Me“ überregional zu punkten. Das Trio besteht seit zehn Jahren und veröffentlichte ihr Debut „Even Nothing Is Definite“ bereits 2008. Die inzwischen aufgefrischte Besetzung besteht jetzt aus Benjamin Rottluff (Gesang und Gitarre), Marco Reinhold (Schlagzeug) und Marc Ebert (Bass), wobei letztgenannter auch Betreiber des oben genannten Labels ist.

Die neue Platte bedient sich aller gängigen Indie Einflüsse, was aber nicht als Vorwurf zu verstehen ist. Wichtig ist, was beim Zieleinlauf dabei herauskommt. In diesem Fall durchaus solider Alternative-Rock mit Affinität zum Tanzflur, dem aber eines fehlt: das Alleinstellungsmerkmal. Anders ausgedrückt, das Album klingt wie ein musikalischer Gemischtwaren-Laden ohne erkennbaren roten Faden, was auch mit übertriebener Experimentierfreude nicht erklärt werden kann.

Es ist nicht so, dass Might Sink Ships sich schamlos an eigens genannte Einflüsse wie Nada Surf oder Franz Ferdinand bedienen würden, aber zu oft klingt die Platte nach Versatzstücken aus der musikalischen Rumpelkammer. Ein bisschen Flea Gedächtnis-Bass in „The Martyr“, gefährlich nah an Gossip klappert die Gitarre bei„Here It Comes“, der Brit-Pop Freund kommt bei „The Rest Of The World“ auf seine Kosten – ein Song den die Beatles mit den technischen Möglichkeiten des Jahres 2013 wahrscheinlich auch so produziert hätten. Die stärksten Momente hat die Kapelle, wenn sie sich zum Noise Pop wie in „A+Remedy“bekennt, ebenso im lässig herunter geschrammelten Album Highlight „Count Me Out“, ein Stück was an große Dinosaur jr. Traditionen anknüpft. Downlight eindeutig die Snow Patrol Sachbearbeiterinnen Ballade „Naked/Disguise“.

Auch wenn Benjamin Rottluff beim Singen nicht seine Sternstunden hat (die hatte ein Jochen Distelmeyer auf den ersten beiden Blumfeld Alben aber auch nicht) erzählt er dennoch intelligente Geschichten, die schönste davon sicher im balladesken Abgang „Building A Bridge“. Der Konsument bleibt letztlich am Ende der Platte etwas ratlos zurück. Might Sink Ships sind sicher mehr als eine weitere Band zum Durchreichen – das musikalische Grundgerüst gibt das auf jeden Fall her. Mehr Mut zur Eigenständigkeit wird der Band auf dem nächsten Album sicher gut tun. Dann können sich die Jungs auf der nächsten Tour auch das Tingeln durch Nester wie Hohenstein-Ernstthal oder Leipzig sparen.

P.S.: Einen Grund Chemnitz im Musik Konsens zu erwähnen gibt es übrigens doch noch: Das jährliche stattfindende Kosmonaut Festival. Immerhin für 2014 mit Casper im Line Up. Ob das nun unbedingt gut ist sei dahingestellt.

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