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Casper – Hinterland – Burn Baby, Burn!

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Als 2011 ein gewisser Benjamin Griffey alias Casper mit seinem Album „XOXO“  auf Platz 1 der deutschen Charts einstieg wurde der ehemalige Wahl-Bielefelder praktisch über Nacht zum Retter des  deutschsprachigen Hip-Hop. Das geschah jedoch nicht aus dem Stand, denn der heisere Sänger hatte bis dahin schon einige Stationen auf seiner musikalischen Vita vorzuweisen.

Bereits Anfang des Jahrtausends gründete er mit Separate und Abroo die Rap Crew  „Kinder des Zorns“, unternahm anschließend mit den Bands „Not Now Not Ever“ bzw. „A Fear Called Treason“ einen Ausflug ins Hard- und Metalcore  Genre bevor er 2008  sein Solo Debut Album „Hin zur Sonne“ veröffentlichte. Aber erst 3 Jahre später, inzwischen auf dem Label Four Music der Phantastischen Vier unter Vertrag, gelang  mit freundlicher Unterstützung von MTV der Sprung ins Rampenlicht.

Seine stark autobiografischen Songs, die sich u.a. mit seiner Kindheit und Jugend in den USA befassten, wurden zum  Sprachrohr der frustrierten Jugend. Casper erfuhr anschließend  eine enorme mediale Präsenz, er bespielte das Land auf und ab, seine Konzerte mit all den dort inszenierten Wall of Death waren und sind großartig und kein Spartensender ließ es sich nehmen, den Musiker auszuquetschen bis  jede noch so kleine Sequenz der Songtexte hinterfragt war.

Und jetzt „Hinterland“. Album Nr. 2 gilt nicht umsonst  als das schwierigste von Musikschaffenden und erreicht beinahe gesetzmäßig nicht das Niveau vom Vorgänger (letzte mir bekannte Ausnahme: „Antics“ von Interpol). Da aber vom Erstling praktisch keine Notiz genommen wurde  und  sich die oben beschriebene Wandlung  Caspers zur Lichtgestalt der deutschen Musikszene vollzog, was eine massiven Erwartungshaltung generierte, übernimmt in diesem Fall Platte Nr. 3 diese undankbare Funktion. Also zog sich der Rapper samt Band nach Mannheim in die Beschaulichkeit des süddeutschen Hinterlands zurück, um dort die neuen Songideen umzusetzen. Die beiden Absolventen der dortigen Popakademie Markus Ganter und Get Well Soon Mastermind Konstantin Gropper wurden für den Produktionsprozess gewonnen. Und diese Kollaboration hat sich hörbar gelohnt.

Das Ergebnis ist ein beeindruckend vielschichtiges Album, voller Rap-Variationen in denen Casper sich musikalisch neu findet, aber nie den von ihm selbst gesponnenen Faden verliert. Er bewegt sich dabei weg vom Hip-Hop hin zum Songwritertum  (eine Wandlung, die schon bei Everlast prima funktionierte). Unverkennbar sind  Reminiszenzen zur Springsteen´schen Art, Underdog Geschichten umzusetzen. Der Musiker  selbst sprach von den besten Stücken, die er jemals geschrieben hat. Das kann man getrost so stehen lassen.

In den Lyrics geht es diesmal weg von der eigenen Biografie, die Texte bleiben authentisch und Single Nummer 1 „Ascheregen“  macht klar:  Casper bleibt Fürsprecher der nicht privilegierten Heranwachsenden. Die Lust am Zündeln ist zentrales Thema  inklusive dem Einsatz des Slime Zitats „Ein Teil Heizöl, 2 Teile Benzin“  –  das passt in den Song wie der Molli auf die Deutsche Bank Filiale. Von Flucht ist die Rede, weg von Orten, an denen man nie willkommen war. Im zugehörigen Video übernimmt diese Reise ein farbiger Jesus und man fühlt sich gleich unweigerlich an Madonnas „Like a Prayer“ erinnert.  Das Titelstück gerät zu in Worte gefasster „für alles zu haben, zu nichts zu gebrauchen“ Perspektivlosigkeit, ein mit Chören hinterlegt eingängiger  Popsong mit hervorragender visueller Umsetzung als Road Movie in Caspers alter amerikanischen Heimat mit einem High Noon an einer Tankstelle, die aussieht wie von Edward Hopper persönlich in die Landschaft gemalt.

Die  Chöre und Orchestereinlagen sind gelegentlich  etwas dick zu aufgetragenener Pomp (Get Well Soon lässt grüßen), dazu steuert auch der Gastauftritt von Editors Sänger Tom Smith bei „Lux Lisbon“ nicht unwesentlich bei. Besser – weil  authentischer – sind die eher zurückhaltenden Arrangements bei „Ariel“ oder „ La Rue Morgue“. Gassenhauertauglichkeit besitzt „ Ganz schön okay“ zusammen mit den Jungs von Kraftklub, marodierende Jugendliche werden ihr Herz eher an „Nach der Demo gings bergab“ verlieren.

„Hinterland“ ist ein hervorragendes Album, der Einstieg auf der Pole Position in den Album-Charts ist sicher. Dennoch bleibt am Ende die Frage, ob bei aller universellen Kompatibilität von Hip-Hop bis Rock Festival und von Spex bis Bravo, Caspers Ausnahmestatus nicht irgendwann versandet. Gegenwärtig scheint das aber noch kein Thema.

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