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Villagers – Live im Frannz Club, Berlin

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Seit ihr zweites Album „{Awayland}“ Anfang des Jahres das Licht der Welt erblickte, befindet sich die Band rund um Conor J. O‘Brien auf einer nicht enden wollenden Tour, um die neuen Songs in stets leicht variierenden Interpretationen an den unterschiedlichsten Orten der Welt auf der Bühne zum Leben zu erwecken. Erst im Spätsommer waren Villagers in die Hauptstadt zurückgekehrt, um auf dem Berlin Festival für eines der musikalischen Highlights des turbulenten Wochenendes zu sorgen. Kaum ein paar Wochen später befindet sich das irische Quintett dann wieder in Berlin, tauscht die große Bühne allerdings gegen den gemütlichen Frannz Club und muss dafür auch nicht im selben Atemzug mit zeitgleich spielenden Acts um die Gunst des Publikums buhlen.

Nötig haben sie das ohnehin nicht. Die Songs sind zu fesselnd, als dass man während des Konzerts auch nur ansatzweise auf die Idee kommen würde ihnen nicht seine ganze Aufmerksamkeit zu schenken. Das besagte {Awayland} mag vielleicht nur in der Vorstellung existieren und schwer greifbar sein, aber nimmt über den Verlauf des Konzertabends hinweg immer klarere Formen an. Die bildhafte Sprache der Songs entwirft vor dem inneren Auge unmittelbar Momentaufnahmen, deren Ausdrucksstärke sich ins Gedächtnis brennt und zusammen mit der Musik zu einem Sinnbild der Fantasie wird.

In diesem Raum aus berührenden Erzählungen, aufblitzenden Erkenntnissen und flimmernden zwischenmenschlichen Begegnungen gelingt es der Band mit viel spielerischer Hingabe ihre Zuhörer Song für Song auf eine kleine Reise mitzunehmen. Wo genau diese hinführt darf jeder selbst entscheiden, bieten die Songs doch allein wegen ihres offenen Wesens genügend Entwicklungsmöglichkeiten. Und doch ist nichts an diesem Abend im Frannz Club verworren oder wird unter der suggestiven Wirkung der Songs begraben. Conor J. O‘Brien skizziert in seinen Texten auf anschauliche Weise Abbilder eines emotionalen Zustands, der gerade auf der Bühne vorgetragen an einen Akt erinnert. So leidenschaftlich lässt dieser besonders gesanglich alle Hüllen fallen und öffnet sich dem Publikum.

Die daraus resultierene Intensität ist im gut gefüllten Frannz Club über das ganze Set hinweg deutlich zu spüren. Auf dem relativ engen Bühnenraum ist die Spannung im Zusammenspiel der Band deutlich sichtbar und überträgt sich wie von selbst auf die Songs. Vor ein paar Jahren tourte O‘Brien noch ganz alleine mit seiner Akustik-Gitarre durch die Weltgeschichte. Heute ist er umgeben von Musikern, deren spielerisches Können eine perfekte Ergänzung zur immer noch vorhandenen klanglichen Intimität bildet. Das Gute dabei ist – die Wandlung vom Singer-Songwriter zum stimmigen Bandgefüge bedeutet im Fall der Mercury-Prize nominierten Iren keinen strengen Bruch, sondern ganz im Gegenteil eine klanglich wertvolle Entwicklung.

Für beide Facetten bleibt beim Berliner Konzert ausreichend Platz, so dass die Songs beider Alben sich ihrem Charakter nach in keinster Weise verbiegen müssen. Eindringlich und zerbrechlich zugleich wirken Interpretationen wie „My Lighthouse“ oder die B-Seite „Memoir“, die trotz oder gerade wegen ihrer leisen Wesensart eine bemerkenswerte Anziehungskraftt ausüben. Die von Songwritern stets gefürchtete Stille verwandelt O‘Brien zu seiner größten Stärke und verbündet sich mit ihr auf so aussergewöhnliche Weise, dass diese seinen Worten nur noch mehr Gewicht verleiht.

Dass Villagers aber auch zum rhythmisch komplexen und größflächig angelegten Schlag auf die Gehörnerven ausholen können, bewies die Band schon kurze Zeit später. Der auf „{Awayland}“ immer wieder zum Vorschein kommende Drang zum elektronischen Experimentieren sollte auch einen guten Teil des Live-Sets bestimmen und fand seinen unbestrittenen Höhepunkt im aufrüttelnden und atemlosen „The Waves“, das in Anbetracht des Eifers der Band förmlich zu explodieren drohte nur um dann genau im richtigen Moment auf der höchsten Alarmstufe eine punktgenaue Landung hinzulegen.

Neben Songs der ersten beiden Alben „Becoming A Jackal“ und „{Awayland}“ hatte die Band beim dritten Tourstopp in Berlin dieses Jahr aber auch noch eine Überraschung in Form zweier brandneuer Stücke dabei. Unerwartet stürmisch legten Villagers mit „Occupy Your Mind“ drauflos und zügelten sich nicht in ihrem Drang die bewusst hochgeschraubte Dynamik bis auf ein Maximum zuzuspitzen, wobei der Song selbst wie auf eine Rock-Band zugeschnitten schien. Ob der Fünferpack allerdings beim nächsten Album knüppeldick austeilt bleibt abzuwarten, denn mit dem zweiten neuen Stück namens „Hot Scary Summer“ besann sich die Band dann wieder auf ein merklich ruhigeres Tempo und zeigte sich von ihrer empfindsamen Seite.

Vielleicht war es nicht die schlechteste Idee das Publikum mit diesem Lied in den nasskalten Sog aus kühler Winterluft und dem vor der Tür lauernden Verkehrslärm zu entlassen. Angesichts dieser trüben Aussichten fiel es einfach sich gedanklich schnell wieder zurück in den behaglichen Frannz Club und damit ins verlockende „{Awayland}“ zu flüchten, dessen Türchen von den sympathischen Iren an diesem Abend ganz weit aufgestoßen wurde. Kein Wunder also, dass selbst nach der dritten Stippvisite innerhalb eines Jahres das Gefühl zurückbleibt man hätte noch längst nicht alle Facetten der Band gesehen. Die Vorfreude auf eine baldige Wiederholung haben Villagers mit einer solch eindrucksvollen Vorstellung allemal geschürt.

Setlist: 

My Lighthouse

Set The Tigers Free

Passing A Message

The Bell

Home

Nothing Arrived

The Pact

Becoming A Jackal

The Waves

Judgement Call

Occupy Your Mind

Earthly Pleasure

Pieces

Memoir

——–

I Saw The Dead

Twenty-Seven Strangers

Hot Scary Summer

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