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Get Your Gun ( Credit Get Your Gun)

Get Your Gun – The Worrying Kind – Jenseits der Donnerkuppel

Es ist vollbracht. Der erste Longplayer des Trios Get Your Gun aus dem Norden Dänemarks hat das Licht der Welt erblickt. Der Logik von Seeed (2001 noch nicht im selbstgefälligen Schunkel-Modus erstarrt) „die erste Platte machen is‘ wie’n extra dickes Ei legen“ folgend, haben sich die Skandinavier dabei eines vom Vogel Strauß rausgedrückt.

Die Brüder Andreas und Simon Westmark gründeten zusammen mit Søren Nørgaard 2008 die Band, den ersten Gehversuchen folgte 2012 die Seven-Inch „Death Rattle/Ghost Of Scandinavia“. Noch im selben Jahr folgte eine 4-Track-EP, die neben den Stücken der Single noch „Staying For A While“und „Tallest Tree“ enthielt. Die Jung-Musiker frönten außerdem ausgiebig ihrer Leidenschaft, live zu spielen, tourten durch Russland und das Baltikum, um dann im letztjährigen September beim  Reeperbahn-Festival aufzutreten, wo MusikBlog die Band als erstes deutsches Musikmagazin interviewte.

„The Worrying Kind“ heißt ihr Werk und wie die erste Auskopplung „Black Book“ mit den Pale Rider ähnlichen Protagonisten im dazugehörigen Video ahnen ließ, ist „beunruhigend“ auch die treffendste Beschreibung dafür. Entstanden in der menschenfeindlichen, von Regen und Wind gepeitschten, dänischen Wüste (wer schon mal ab Aalborg zu einem Fährhafen am oberen Ende Jütlands gefahren ist, weiß, was gemeint ist) in der das Land karg und Gedanken begrenzt erscheinen, ist das Erschaffene zu einem Monolith geworden.

Zu Hause ist die Platte irgendwo zwischen Stoner-Rock und Slowcore, die nordische Mystik wird genauso eingebunden wie Birthday Party`s  glühende australische Blueswurzel nebst dem Gesang des bereits von uns  gegangenen Rowland S. Howard. Gequält klingt nicht nur die Stimme von Andreas Westmark (der  Frontmann erinnert optisch schwer an die Wikinger Nummer 1-12 aus der Nordmann Saga „Der 13. Krieger“). Auch die Gitarre scheint unter der unendlichen Last der schweren Riffs zu leiden, die immer dort ansetzen, wo es am meisten weh tut und sicher wieder dafür sorgen werden, dass sich der Gitarrist live die Finger blutig spielen wird.

Mit der Geschwindigkeit eines Eisbergs schiebt sich „Sea Of Sorrow“ aus dem Lautsprecher, ob bei „Call Me Rage“ der Vortragende oder dessen Instrument gemeint ist kann nicht schlüssig aufgeklärt werden. Highlight der sieben Songs ist das Titelstück: Ein Breitwand Epos von beinahe neun Minuten Länge, die sensibel erzählte Rache-Story „Tender Lies“ schließt die Platte und zeigt, dass Get Your Gun auch leisere Töne anschlagen können. Mit diesen Aufnahmen hat sich die Band den Auftritt beim diesjährigen Roskilde-Festival redlich verdient.

Das Album taugt als Soundtrack für einen Mad-Max Film, ebenso wie für akustische Begleitung einer Katharsis in sturmgepeitschten Randgebieten des Lebens. Man sollte arg gebremste Diesseitigkeit aber aushalten können.

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