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John Frusciante – Enclosure

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Musik und Malerei sind John Frusciantes Leidenschaften: Was man dem ehemaligen Red-Hot-Chili-Peppers-Gitarristen auf seinem neuen Album nicht anmerkt, ist seine RHCP-Vergangenheit. Was einem bei „Enclosure“ eher auffällt, ist seine Passion für abstrakte (Ton-)Malerei.

Frusciante ist für seine Experimentierfreudigkeit und Vorliebe für elektronische Spielereien bekannt – genauso wie für seine Genre-Vielseitigkeit. Genau das erwartet einen dann auch bei seinem 11. Studioalbum: Die erste Hälfte ist durchgängig und fast nervös verspielt, während der zweite Teil mit beruhigenden, entspannten Sounds aufwartet.

„Shining Desert“ eröffnet „Enclosure“ mit dumpf stampfenden Schlägen und feinen Geigentönen. Darüber erhebt sich Frusciantes aus hoch und tief doppelt gezwirnter Gesang zwischen sphärischen Schwebetönen. Erst langsam schält sich hier ein hypnotischer, roter Faden heraus. Auch „Sleep“ bietet einen ähnlich hibbeligen Mix aus Störkulisse und konsequent melodischem Gesang. Allerdings ist das Ganze hier tanzbar strukturiert und die immer wieder an Cat Stevens erinnernde Stimme Frusciantes dominiert.

„Run“ mutet dagegen an wie ein Ausflug in die chaotische Klangwelt eines Spielcasinos. Dafür gibt sich John Frusciante bei „Stage“ endlich mit einem Gitarrensolo die Ehre – immerhin gilt er laut dem Rolling Stone seit 2003 als der einer der besten 20 Gitarristen der Welt. In manchen Songs erinnert er mit seinen gedämpften Blues-Anleihen  sogar an Heroen wie Joe Bonamassa. Das „Stage“-Solo verläuft sich allerdings bald in einem Verzerrer-Orkan, der ebenfalls mit Bonamassas ausufernden Theremin-Orgien zu vergleichen ist.

„Fanfare“ hingegen  beginnt absolut ruhig, mit einem 80er-Beat und Keyboard, und im Gegensatz zu den Vorgängern ist dieser Track vor allem strukturiert, straight und, klar. Keine Spur von Nervosität – und das wurde auch Zeit: Man muss ja nicht immer zeigen, was so alles an Irrsinn und verrückten Ideen in Einem steckt. Kurz: schöne Breaks, angenehmer Sound, schönes Ding.

Auch bei „Clinch“ bleibt es angenehm ruhig – und zwar sechseinhalb Minuten lang. Das Atribut entspannt gilt auch für „Zone“, nur tendiert hier erstmals der Gesang ins Disharmonische. „Crowded“ ist, anders als der Titel vermuten lässt, zunächst sehr reduziert gestaltet. Der sich himmelweit öffnende Sehnsuchtsmoment des Refrains ist dagegen das erste Mal, dass „Enclosure“ einen wirklich verblüfft und einem das Herz aufgehen lässt. Denn bis hierher war das Album zwar fantasievoll, aber schon fast zu sehr, und damit eher enttäuschend. Da hilft es auch nicht, dass das ganze Ding per Satelliten-App vom Weltraum aus an hörwillige Fans verschickt wurde. Es ist zu viel und zu wenig zugleich, da reißen auch die avantgardistische Bereitstellung einfach nichts raus.

Und mit „Excuses“ ist es dann auch schon wieder vorbei: Ein wenig gestampfter Rhythmus, etwas experimentelles Tüdeldü, dann ausgehaucht und fertig. Auf der Bonus-Variante des Albums sind allerdings noch zwei weitere Tracks enthalten – „Vesiou“ und die Single „Scratch“, die Frusciante als ersten Appetithappen im Februar auf seiner Homepage zum Download bereitgestellt hatte.

Mit seinem Stilmix hat John Frusciante laut eigener Aussage sämtliche musikalischen Ziele der letzten fünf Jahre erreicht – Glückwunsch. Er bezeichnet „Enclosure“ als das „letzte Wort“, um sein mit dem Vorgänger „PBX Funicular Intaglio Zone“ begonnenes Statement in Sachen persönlicher Musikbetrachtung abzurunden. Man darf also gespannt sein, was als Nächstes kommt.

Vor allem, wenn man bedenkt, dass „Enclosure“ parallel (und musikalisch völlig konträr) zum Black-Knights-Album „Medieval Chamber“ entstand. Und außerdem nur einen Monat nach der Debüt-EP der neuen Frusciante-Supergroup Kimono Kult veröffentlicht wurde.  Statement abgeschlossen hin oder her, dass ein Frusciante sich zur Ruhe setzt, ist so ziemlich unvorstellbar. Aber ein bisschen weniger kann eben auch manchmal mehr sein, wie „Enclosure“ zeigt.

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