Sei der Architekt deines Lebens – Kevin Drew im Interview

Kevin Drew (Credit Norman Wong)Der kanadische Musiker Kevin Drew wurde bekannt durch seine Band Broken Social Scene. Nun liegen diese für unbestimmte Zeit auf Eis, sieht man mal von ein paar Live-Auftritten ab. Somit war es Zeit für sein neues Album “Darlings“. Ein sehr intimes Werk ist es geworden und eines, das dem Sänger besonders am Herzen liegt. Kevin Drew erzählte uns, wie es entstand und erklärt seine Lebensphilosophie.

MusikBlog: Du hast kürzlich dein zweites Album veröffentlicht. Inwieweit kann man “Darlings” mit deinem vorherigen Material vergleichen?

Kevin Drew: Es unterscheidet sich sehr von allem, was ich vorher gemacht habe, obwohl es für mich noch immer die gleiche Musik darstellt. “Darlings” wurde in Kanada an einem abgelegenen Ort aufgenommen, weit weg von der Zivilisation. Damit hatte ich einen klaren Kopf und konnte von der modernen Welt abschalten. Ich konnte meine Gefühle sortieren und das spiegelt sich auch in der ganzen Atmosphäre des Albums wider, sowohl textlich als auch musikalisch. Man kann also sagen, dass es sich unterscheidet, aber ich fühle doch noch das Gleiche wie früher. Ich bin jetzt kein anderer Mensch geworden.

MusikBlog: Wie groß ist der Unterschied zwischen dem Ausgangsmaterial und dem Endprodukt von “Darlings”?

Kevin Drew: Ich hatte die richtigen Leute um mich und mir war von Anfang klar, in welche Richtung ich gehen möchte. Ich hatte eine Idee und diese habe ich auch durchgesetzt. Das gelang mir nur, weil alles drumherum passte. Also brauchte ich nicht viel am Songwriting zu werkeln und ändern.

MusikBlog: Wie gestaltet sich dein Songwriting-Prozess bei deinen Solosachen, im Gegensatz zu den Songs von Broken Social Scene?

Kevin Drew: Ich bin jetzt schon so lange im Geschäft und immer noch der gleiche der Typ, der bei Broken Social Scene angefangen hat. Ich ging genau so an die Platte heran wie bei den Sachen mit Broken Social Scene. Der größte Unterschied ist aber, dass in der Band alles nochmal abgestimmt werden muss, hier habe ich absolute Freiheit. Diese Freiheit tut mir gut und ich bin wirklich stolz auf meine “Darlings”.

MusikBlog: Ich hatte auch das Gefühl als ich mir das Album anhörte, dass du sehr befreit aufspielst und man kann dir die Freude förmlich anhören.

Kevin Drew: Ich hatte sehr großen Spaß an der Entstehung des Albums und das erklärt vielleicht das Gefühl, das dir die Platte übermittelt. Ich will die Leute berühren, aber gleichzeitig auch wachrütteln mit meinen Alben. Mein Ziel ist es, dass wenn jemand meine Platte zu Hause hat und sie auflegt, das Gleiche fühlt wie ich und ich dieser Person somit Freude in ihr Leben gebracht habe.

MusikBlog: Dein erstes Projekt KC Accidental und auch die erste Broken Social Scene Platten waren sehr von Instrumentalmusik geprägt. In welchem Umfang wirst du heute noch davon beeinflusst? Ist es manchmal schwierig für dich, wenn es um den Gesang geht?

Kevin Drew: Es ist immer noch ein wenig fremd für mich, zu singen. Am Anfang von Broken Social Scene hatten wir ja viele instrumentale Stücke. Dann kamen die Jungs auf mich zu und fragten, ob ich keine Lust hätte, mal Texte zur Musik zu entwerfen und somit auch den Gesang hinzufügen könne. Das war am Anfang sehr schwer. Jetzt nach all den Jahren ist es natürlich leichter geworden, aber wie schon gesagt, ein wenig fremd ist es mir noch immer. Obwohl ich auch sagen muss, hätte ich jetzt das Gefühl gehabt, dass dieses oder jenes Stück keine Texte bräuchte , dann hätte ich den Gesang auch weggelassen. Manche Stücke können mehr Gefühle übermitteln ohne Text als mit.

MusikBlog: Auf dem diesjährigen Field Trip Festival trittst du solo und mit Broken Social Scene auf. Ist es schwierig für dich umzuschalten?

Kevin Drew: Nein das ist überhaupt nicht schwierig. Ich bin froh mit den Jungs von Broken Social Scene aufzutreten und das gleiche gilt für meinen Solo-Auftritt. Somit kann ich dem Publikum meine zwei Seiten zeigen.

MusikBlog: Wenn du auf Tour bist, hast du noch Lampenfieber nach all den Jahren im Musikgeschäft ?

Kevin Drew: Nein Lampenfieber habe ich keines mehr. Ich bin wie gesagt schon so lange dabei und dann legt sich das mit der Zeit. Ich bin eher froh und neugierig, auf die Bühne zu gehen und die Reaktion des Publikums zu sehen. Jetzt mit “Darlings” ist es ein unbeschreibliches positives Gefühl, wenn ich ein Lied von der Platte singe und zufriedene Gesichter im Publikum sehe. Ich liebe es vor Leuten aufzutreten und ihnen meine Lieder und Botschaften mitzuteilen.

MusikBlog: Schreibst du bereits an neuen Songs auf deiner Tour?

Kevin Drew: Das mache ich grundsätzlich nicht, denn auf Tour bin ich zu 100% konzentriert auf meine Konzerte. Dann ist natürlich auch der ganze Stress, der mit dem Touren verbunden ist, so dass mir überhaupt keine Zeit bleibt, Lieder zu schreiben. Dafür brauche die richtige Atmosphäre und vor allem Ruhe.

MusikBlog: Wie gehst du mit der kreativen Pause nach der Tour um? Ist es einfach oder eher schwierig für dich, mal auszuspannen und abzuschalten?

Kevin Drew: Ich kann schon ausspannen und abschalten, aber es gibt immer wieder Dinge zu tun, die es nicht zulassen. Aber ich probiere es immer wieder und manchmal gelingt es mir auch. Denn ich sage immer, du bist dein eigener Architekt deines Lebens und so wie du es aufbaust, so lebst du es auch. Darum sollte man sich nicht zuviel von der Außenwelt beeinflussen lassen und auch mal das tun, was einem Spaß macht und gut tut.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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