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Karen O (Credit Barney Clay)

Karen O – Crush Songs

Liebe Karen O, oh willst Du mich heiraten? Dergleichen plusterte ich mich bereits innerlich vor Interpretinnen à la Fiona Apple oder Cat Power auf, rutschte in meinen kindlichen Fantasien schmachtend auf den Knien herum und gestand ihnen meine aufrichtige Bewunderung – zu ihrem famosen musikalischen Schaffen, natürlich! Diese Reaktionen entspringen für gewöhnlich der dankbaren Hörsituation eines menschenleeren Raumes, in dessen Atmosphäre nur die reduzierten rauen Klänge einer alleinstehenden Instrumental-Begleitung und eine unverhohlen gebrochene, sich den Annehmlichkeiten einer technikgeprägten Gesangsausbildung verwehrende Stimme schwingen.

Nicht, dass Karen O – hier und da gerne ausrastende Kunterbunt-Frontfrau der Yeah Yeah Yeahs – mit genannten Interpretinnen zu vergleichen wäre. Diese musikalische Schublade bleibt schön luftdicht verschlossen. Allein der Hang zu reduziertem Instrumental-Geleit, hypnotischer Background-Stimmgestaltung und ehrlichen Themen, wie sie poetisch-missverständlicher nicht ausgedrückt werden könnten, legt hier Analogien offen. Damit haben wir sie: die Essenz einer Künstlerin, welche ihren Solopfad parallel und abseits der eskalierenden Performanceband begründet.

Ihr ahnt es bereits an dieser Stelle: Das Solo-Debüt der Musikerin schlägt sich in meinen entzündeten Augen wacker. Die heimische Aufnahmesituation – in den heiligen Hallen des Schlafzimmers – spiegelt sich in der Lo-Fi-Produktion wider, welche ungeschliffen, rau, und rein wie eine unbehandelte Zitrone ist. Hier und da übersteuert die Stimme Karen Os („Sing Along“) oder befindet sich weit hinten im Raum. Vom Beat-Schnalzen über das Ekstase-Geschrei bis hin zu resignierten Textzeilen reicht „Body King“. Doch auch sind es frohlockende Stimmungen, welche der Sängerin auf der Platte zu entnehmen sind.

Für meine eingangs erwähnte Liebelei braucht es nicht all jene Preise, Auszeichnungen und Awards Karen Os, welche sie als Frontfrau und Modefigur für angenehme Äußerlichkeiten einsackte. Hier geht es um das Innere, auch wenn dieses durch die Finger zu gleiten droht, sobald es auch nur fassbar scheint. Es sind 14 „Crush Songs“ an der Zahl – und nur 25 Zeiteinheiten in Minuten, welche jegliches Songmaterial schnell abhandeln und das Gefühl eines seidenen Höraugenblicks nachklingen lassen.

Entstanden ist dieser Augenblick bereits vor geraumer Zeit aus einer recht trüben Laune der Sängerin heraus: Der Presse-Legende zufolge habe sie die Befürchtung gehegt, bei all den möglichen kleinen Liebeleien keine tiefgehende Beziehung zu finden. Eine gefühlte Midlife-Crisis im zarten Alter von 27 Jahren, welche für die eine oder andere Musik-Legende leider Gottes bereits die Endlife-Crisis darstellte. Zwar ist diese Befindlichkeit nun bereits ein Weilchen her – dennoch: Karen, ich bin hier. Nur für den Fall.

An dieser Stelle sei an die Chefetage hinzugefügt: Lasst mich kein Interview mit besagten Personen führen. Es würde ebenso wenig konstruktiv ausfallen, wie diese Zeilen geschrieben sind. Und doch übe ich schon einmal fleißig den Kniefall – ein Eddie Vedder, Owen Pallett oder Mats Hummels streunen da draußen schließlich auch noch herum.

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