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Mutter – Text und Musik

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Sieht ganz so aus, als bekäme die Berliner Band Mutter endlich den verdienten Ruhm: In so gut wie allen namhaften Magazinen wird das neue Album „Text und Musik“ euphorisch besprochen. Andererseits: Kritikerlieblinge waren Mutter schon immer, was sich nicht unbedingt in Popularität und Verkaufszahlen widerspiegelte. Aber es soll an dieser Stelle nicht um Erfolg oder Misserfolg gehen, denn so funktionieren Mutter nicht. Mutter „funktionieren“ sowieso nicht, die Band um Texter und Sänger Max Müller widersetzt sich seit fast dreißig Jahren (1985 hervorgegangen aus der Gruppe Campingsex) jeglicher Konvention.

Kaum eine andere deutschsprachige Band hat so viele musikalisch völlig unterschiedliche Alben veröffentlicht, die dennoch immer unverkennbar Mutter waren: Auf das schon beunruhigend harmonische Album „Hauptsache Musik“ von 1994 folgte wenig später das sperrige Noise-Monster „Nazionali“ – kein Widerspruch in Mutters Augen: „Die Form der Musik ist meist relativ unwichtig. Manchmal dient sie zur Verstärkung eines Textes, manchmal zur Betonung einer bestimmten Energie; welchen Stil die Musik folgt, ist dabei nicht wichtig. Wir wollten nie irgendwo ankommen mit unserem Sound, eher immer unterwegs sein.“, Zitat Max Müller.

„Text und Musik“ überrascht zunächst mit gefälliger Musik, gitarrenbetonter Indiepoprock im Geiste Blumfelds, inklusive markanter Details wie z.B. den Funk-Elementen in „Ihr kleines Herz“ oder die instrumentale, entspannte Kraut-Hommage „Qui?“, die sich über sieben Minuten erstreckt. Den brachialen Noise-Rock lassen Mutter dieses Mal draußen, auch ihre Ursprünge im Punk lassen sich nur erahnen, Müllers Stimme wirkt alterslos und sanft.

Trotz der vordergründigen Gefälligkeit sind Mutter keine Indie-Band wie viele andere, das merkt man spätestens an den Texten: „Es gibt keine Ironie und keine falschen Fährten. Alles ist eins-zu-eins und meine Meinung“, so Müller über seine Art zu schreiben – und so berühren und irritieren Songs wie „Wer hat schon Lust so zu leben“ oder „So viel Platz“ in ihrer offen kritischen, im besten Sinne kindlichen, weil unverstellten Sicht und Fragestellung vor allem dadurch, dass es keinen doppelten Boden gibt. Müller benennt in „Wer hat schon Lust…“ das Elend unerwünschter Einwanderer – und unsere Unsicherheit im Umgang mit „den anderen“ gleich mit.

Mutter urteilen und richten nicht – Mutter sind Beobachter, Passanten, Involvierte, die sich die Freiheit nehmen, die Dinge beim Namen zu nennen und alle musikalischen Ausdrucksformen einzusetzen. Laut und leise, harmonisch und zerstörerisch zugleich – und in der Langzeitwirkung eindrucksvoller als moralische Bekehrerlyrik. „Ich will nicht mehr als das“, wiederholt Müller im letzten Song in Endlosschleife – Verzweiflung und Euphorie werden eins.

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