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Abwärts – Krautrock – Talsohle erreicht

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Im April 1990 lag in plötzlich in meiner HO-Kaufhalle tief im Osten zwischen all den neuen Print-Medien die SPEX, damals das beinahe einzig seriöse Instrument zur Wissensmehrung für Liebhaber guter Musik. Auf dem Cover: Abwärts, im Heft die Story zu ihren gerade erschienenen Comeback-Album „Ich seh die Schiffe den Fluss herunterfahren“. Das Album war super, 25 Jahre später ist die Kaufhalle abgerissen, die SPEX weitgehend in der Bedeutungslosigkeit verschwunden und Abwärts bringt ein neues Album, welches auf keinen Fall zweieinhalb Jahrzehnte brauchen wird, um dem Weg des Magazins zu folgen.

Die Band um Leader Frank Z. (Z=Ziegert) hatte sich Anfang der Neunziger gerade neu formiert, nachdem sie nach der Gründung im Jahr 1979, wechselnden Erfolgen und umfangreich vollzogenen Besetzungswechseln von Z. 1984 aufgelöst wurde. Immerhin gehörten Abwärts illustre Namen wie F.M. Einheit und Marc Chung an, die beide noch große Erfolge mit den Einstürzenden Neubauten feiern sollten.

Dem Punk-Metal lastigen Comeback folgten mehrere Alben auf verschiedenen Labels. Frank Z.’s musikalische Ausrichtung verschob sich bereits in Richtung Breitwand-Pathos, der 1995ér Album-Titel „V8“ spricht dafür möglicherweise unabsichtlich Bände. Der Chef löste das Unternehmen dann abermals auf, dümpelte anschließend noch mit einen Solo-Album über sein musikalisches Kielwasser bis 2004 der Arzt kam. Dieser hieß Rodrigo Gonzales und bildet seitdem gemeinsam mit ihm das Gerüst von Abwärts. Besser wurde die Musik dadurch allerdings auch nicht.

„Krautrock“ ist leider kein augenzwinkernder Etikettenschwindel, sondern bitterer Ernst. Das fällt beim Opener „Berlin Goerlitzer Park“ musikalisch noch gar nicht auf, das Stück gefällt sich im wertungsfreien Beschreiben von Drogenhandel und Beschaffungskriminalität in der Grünanlage. Der Vortrag dazu ist so neutral, dass sich die Frage aufdrängt, warum man das Thema überhaupt angesprochen hat. Dröge scheppert danach „Hollywood“ über seine fast fünf Minuten, wenigstens lässt die Gitarre an manchen Stellen dieses Songs so etwas wie Leidenschaft vermuten. „Du weißt nichts mit dir anzufangen/ du wartest auf den Bus/ du stehst dir immer selbst im Weg /du hast keine Lust“ singt Frank Z. in „Du wartest auf den Bus“- und wer nicht auf den Bus wartet, der macht eben Musik. Immerhin gibt es über die ganze Platte verteilt ein paar helle Momente, da lässt „Parallelwelt“ Erinnerungen an alte Punkwurzeln aufkeimen, auch „Aus einem Gartenhaus“ bewegt sich in diese Richtung.

Überhaupt haben die in der Regel nicht all zu langen Songs pfiffige Namen („Peking Spring Smog“ – das Stück scheint beim Auspendeln des Studios entstanden zu sein), die Großes erwarten lassen, meist ähneln sie dann aber einer Schulstunde: bis zum Pausenklingeln scheint es eine Ewigkeit zu sein. So macht es den „Krautrock“ auch nicht mehr fett, wenn am Ende des Albums  zwei der früheren Hymnen „Computerstaat“ („Montag klopft es an der Tür, Wladimir Putin steht vor dir“) und „Beirut, Holiday Inn“ zu upgedateten 3.0-Versionen verrockt werden.

Es gibt genügend Bands, zuletzt Mutter, die im ähnlichen Alter beweisen, dass Innovation kein Privileg des musikalischen Nachwuchses ist. Abwärts gehören derzeit nicht dazu.

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