Es gibt Alben, die wollen gefallen. Und es gibt Alben, die wollen unbequem sein. „Die Anstalt“, das Debütalbum der Berliner Band Die Anstalt, gehört zur zweiten Kategorie. Zwischen Post-Punk, Minimal-Synth und EBM erschafft das Trio eine kalte, unruhige Klangwelt, die nach Berliner Kellerclub und dystopischer Zukunft klingt.
Der selbstbetitelte Longplayer erschien ursprünglich bereits im vergangenen Jahr. Da das Trio in der Zwischenzeit allerdings bei einem neuen Label, nämlich City Slang, unterschrieben hat, bringt dieses die Platte nun weltweit neu heraus – inklusive des Bonus Tracks „Isolation“.
Schon der Opener „Alles Kariert“ zeigt, aus welchem Holz das Trio geschnitzt ist: Treibende elektronische Rhythmen treffen auf harte Gitarren und den rauen Gesang von Frontfrau Carmen Redeker. Die Songs wirken bewusst ungeschliffen und direkt.
Spannend wird es dort, wo die Band ihre elektronischen Strukturen mit ungewöhnlichen Gitarrenklängen verbindet. Zwischen harten Synthesizern und maschinellen Rhythmen tauchen immer wieder beinahe psychedelische Surf- und Western-Anklänge auf. Was auf dem Papier nach einem Widerspruch klingt, funktioniert auf dem Album und verleiht Songs wie „Kalter Schweiß“ oder „Elfter Stock“ eine eigenwillige Spannung.
Auch inhaltlich möchte die „Die Anstalt“ in guter alter Punk-Manier provozieren und aufwecken. Es beschäftigt sich mit aktuellen Themen wie gesellschaftlichem Stillstand, Krieg, Hass, Isolation, politischen und gesellschaftlichen Problemen sowie persönlicher Überforderung.
Obwohl Songs wie „Stillstand“, „Dieser Hass“ oder „Kalter Schweiß“ musikalisch treibend und tanzbar wirken, schwingt dabei stets eine gewisse Anspannung mit.
Besonders auffällig sind die Tracks „Ich Will“ und „Elfter Stock“. Während „Ich Will“ mit seinem energischen Rhythmus und der klaren Sprache zu den eingängigsten Stücken gehört, wirkt „Elfter Stock“ deutlich schwerer und verstärkt die nachdenkliche Seite des Albums.
Die bewusst minimalistische Arbeitsweise führt allerdings gelegentlich dazu, dass sich einzelne musikalische Muster wiederholen und das Album stellenweise etwas eintönig wirkt. Gleichzeitig gehört genau diese Konsequenz zur Ästhetik der Band – und des Debüts.
„Die Anstalt“ ist kantig und trotzdem tanzbar. Gerade die Verbindung aus elektronischer Kälte, punkiger Energie und ungewöhnlichen Gitarrenklängen macht es interessant und zeigt, dass die Berliner ihren eigenen Sound gefunden haben – und womöglich gerade erst damit beginnen, dessen Grenzen auszuloten.
