Die drei Österreicher Anda Morts machen auf ihrem zweiten Album Punk-Rock von der Sorte, die dazu animiert, selbst ein Instrument in die Hand zu nehmen und eine Band zu gründen. Würde zwar definitiv Laune machen, könnte aber auch schnell zu Unsicherheiten führen, wenn es nicht sofort so reinknallt, wie es hier vorgemacht wird.
Die Musik strahlt zwar nicht gerade vor Hochglanz-Produktion; aber sie ist zumindest bis zur Grenze poliert, an der sie noch gerade so als siffig durchgeht. Die Riffs schreien Garage-Rock, das Schlagzeug schlenkert durch alle beiden Punk-Beats und schaltet bei Bedarf souverän auf andere Grooves um, und gelegentlich schlägt das Gesamtbild stilistische Finten.
Das Gekeife von Frontmann Andreas Schneider ist der konsistenteste Indikator, dass hier (zumindest auf Attitüden-Ebene) ein lupenreines Punk-Album vorliegt. Die Zeilen sind immer laut, druckvoll und scheren sich kein bisschen darum, schön zu klingen. Sie riechen nach Gerempel, Bier und Schweiß.
Darin stecken Anekdoten über kleine bis große persönliche Krisen und Katastrophen: „13 Tage (Eigentlich ein Lovesong)“ lang liegt ein lyrisches Ich im Krankenhaus und ringt am meisten mit dem Umstand, nicht rauchen zu können.
Für eine Oma ist es nach der Beerdigung des Ehemannes „Endlich Zeit“, wieder ihr Leben zu genießen. Ein junges Paar wird vom verpflichtenden Wehrdienst für ein „Halbes Jahr“ auseinandergerissen.
Ganz aktiven Protest hagelt es in „Finger Weg“, das kämpferisch wie empathisch zum Eingreifen bei übergriffigem Verhalten animiert. Und was die Band über ihre „Scheiss Vermieter“ denken, sollte bereits aus dem Songtitel hervorgehen.
Ob angepisst, tröstlich reflektiert oder kraftspendend: Aus diesen zehn Songs sollte sich jeder eine ganz persönliche Hymne für den Alltag herauspicken können. Denn mit einem lauten „Wie erbärmlich seid ihr Wichser / Fühlt euch mutig auf Papier / Ihr habt kein Recht auf irgendwas / Lass deine Finger mal bei dir“ auf den Lippen, fühlt sich jede Wohnung wie ein voller Pub an.
Und Anda Morts haben den Charme einer Studentenband, die jeden Pub zum Brodeln bringen kann.
