Italo-Pop-Klassentreffen, die dritte: Wenn die Crucchi Gang zum Ausflug nach Italien einlädt, kommen sie alle. Das war schon beim nach der Band benannten ersten Platte 2020 so, als Acts wie Clueso, Faber und Von Wegen Lisbeth dabei waren, das war auch bei „Fellini“ von 2023 nicht anders, hier schauten unter anderem Tocotronic, JEREMIAS und Antje Schomaker vorbei.
2026 gibt es mit „Ombrelloni & Gru“ die nächste Ausgabe zwischen Arbeiterklasse und Urlaub. Das Konzept geht immer noch auf.
Die Basis bleibt bestehen: Die vierköpfige Band um Die-Höchste-Eisenbahn-Sänger Francesco Wilking übersetzt die Musik mehr oder weniger bekannter Songs in die Italo-Pop-Sphäre und artverwandte Spielarten, die Gast-Sänger*innen steuern italienische Lyrics bei und zeigen sich von überraschenden neuen Seiten.
Dieses ohnehin schon sehr eigenwillige Projekt wird auf dem dritten Album „Ombrelloni & Gru“ nun noch etwas sperriger. Den puren Italo-Pop-Kitsch überlässt die Crucchi Gang Roy Bianco und seinen Abbrunzati Boys, bei der Crucchi Gang geht es noch mehr als zuvor um die ganze Bandbreite der italienischen Klassiker.
Wenn hier von Urlaub gesungen wird, dann auch immer näher an der summertime sadness als am Eimersaufen. Dafür ist die Gästeliste auch entsprechend eingerichtet:
Anda Morts bringt seinen düsteren Post-Punk-Vibe hier etwas malerischer rüber (aus „Filter“ wird „Filtro“), Sven Regener singt Hildegard Knefs „Für Mich Soll’s Rote Rosen Regnen“ (!) als „Mille Rose“ ähnlich bedeutungsschwanger. Auch Indie-Künstlerin Lina Maly und Singer/Songwriter Fai Baba lassen sich – umgeben von Streichern – als eloquente Storyteller*innen inszenieren. Groß!
Es wird aber auch getanzt: Mit Paula Carolinas Version von ihrem Zuneigung-auf-Augenhöhe-Song „Wärs ok“ – hier übersetzt in „Ti Sta Bene“ – gibt es umgarnt von sanften Streichern und Mut für die großen Refrains endlich etwas Italo Disco.
Das funktioniert auch mit New Wave, wie Fil Bo Riva und Alli Neumann mit ihrer lässigen Version von Ideals „Blaue Augen“ – hier „Occhi Blu“ – zeigen.
Die Krone für die absurdeste Version gönnen sich aber Fettes Brot mit „Emanuela (Giu Le Mani)“, das plötzlich entspannt um die Ecke croont.
Während man dann beim Tanzen durch die Küche doch anerkennend feststellt, wie gut sich SALÒs NNDW-Sound übersetzen ließ, wird klar: Die Crucchi Gang hat hier eine Formel gefunden, die für die deutschsprachige Indie-Szene wie gemacht ist.
Davon können ohne weiteres noch etliche Alben folgen. Wenn „Sing meinen Song“ das kann, dann können die Crucchis das auch.
