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Der Mann – Wir sind der Mann – Durch virtuelle Türen

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3 Mann sind Der Mann und dieser hat sich in das Scheinbare verabschiedet. Der Reihe nach: Die Studenten Ray Mann (Jazz-Drums), George Mann (Kunstgeschichte und Philosophie) und Berthold Mann (Medieninformatik) trafen sich in den Endachzigern in Rotterdam, um dort, inspiriert von einer Vielzahl von musikalischen Einflüssen (u.a. Robert Wyatt und Velvet Underground, aber auch Soul, Blues und Reggea), einige Male in kleineren Clubs aufzutreten, damals jedoch schon mit dem Gedanken der virtuellen Band in den Köpfen.

Nun war zum Zeitpunkt des Aufeinandertreffens die heutige, vernetzte Welt schon in vielen Entwickler-Hirnen vorhanden, schien aber in ihrer Umsetzung noch etwas von Science Fiction umgeben, die Männer gingen getrennte Wege. Vor 2 Jahren dann ein zufälliges Wiedersehen und schon war bei der inzwischen allgegenwärtigen Präsenz der elektronischen Möglichkeiten die alte Idee wieder auf dem Tableau. Die Visionen wurde beim Schopf gepackt: in Kooperation mit der Kölner 3-D-Produktionsfirma Industriesauger-TV und dem Maler Helmut Kraus aus Berlin verschwand Der Mann im virtuellen Orbit des WorldWideWeb.

Zuvor wurde jedoch in den Mann-Protokollen die Hintergründe und Grundsätze ihrer Entmaterialisierung verankert, in denen beispielsweise die Jack-Wolfskin-Jacke (und zwar zu recht) als das reaktionärste Kleidungsstück gebrandmarkt wird. Um das Wirken von Der Mann physisch begreifbar zu machen hat nun die o.g. Firma und der bildende Künstler gemeinsam mit den Herren von Die Türen ein Album produziert.

Sänger Maurice Summen gründete 2002 mit Gitarrist Gunther Osburg und Bassist Ramin Bijan Die Türen, es fand sich kein Label und die Musiker gründeten folgerichtig ihre eigene Plattenfirma. So wurde Staatsakt aus der Wiege gehoben auf dem inzwischen so wunderbare Acts wie Die Heiterkeit eine Heimat gefunden haben. Gegenwärtig verstärken außerdem Michael Mühlhaus an den Tasten (u.a. Blumfeld), Andreas Spechtl an der Gitarre (Ja,Panik) und Chris Imler am Schlagzeug die Band.

Wie sonst auch bewegen sich Die Türen beim Interpretieren des Der Mann- Materials stilistisch zwischen allen Stühlen. Elemente aus Rock & Roll („Schenk mir doch den Tag“), Post-Punk („Alles keine Arbeit“), Funk („Die Sache spricht für sich“) und Indie-Pop („Kopf ausruhen“) fusionieren mit Elektro-Elementen. Auf „Wir sind der Mann“ kommt eine Komponente dazu: die Schlager-Revue zwischen Rocko Schamonis Großtaten „Showtime“ und „Der schwere Duft von Anarchie“ sowie Udo Jürgens sozialkritisch erhobenen Zeigefinger, der Einsteiger „Menschen machen Fehler“ oder „Jeder Mensch“ stehen dafür als Beispiele parat.

Minimalistisch instrumentiert setzt „Ich bin der Mann“ die Mann-Protokolle in ein Ton gewordenes Sammelsurium störender Einflüsse ( „Was mich an Facebook stört sind die Freunde/…was mich am Internet stört sind die Provider/…was mich am Sex stört ist das hinterher“) um. Selbsverständlich werden auch thematisch kleinere Brötchen gebacken, „Nur für dich allein“ etwa diskutiert zwischen Pianogeklimper und einem klebrigen Männerchor Probleme der Paarbindung. Die Liedermacher-Nummer „The Rise Of The Reforming House“ mit Reimen wie „Du Freudenhaus des Stuhlgangs/getrocknete Pflaumen und Rosinen sind deine Konkubinen“ schließt nicht nur die Platte, sondern nebenbei auch mit dem Bio-Wahnsinn ab.

Festzustellen bleibt: Der Mann hat ein Manifest verfasst, welches konsequent jedem Halbwissen, jeder Selbstgefälligkeit und jedem Zeitgeist-Gelaber kräftig in den Allerwertesten tritt. Die Türen holen ihre Themen offensiv aus dem Scheinbaren zurück und verpassen ihnen dabei genügend Personality, um nicht als reine Avatare zu wirken. Auf die Konzerte im Februar darf man sich bereits jetzt freuen (3 Mal dürft ihr raten, von wem sie präsentiert werden).

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