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Jungle (Credit Dan Wilton)

Die Vorstellung, ein Frontmann zu sein, ist seltsam – Jungle im Interview

Jungle, die im August ihr Debütalbum veröffentlichten, lassen sich beim ersten Hinhören schwer einordnen. Haben wir es hier mit einer großen Band zu tun oder mit Produzenten, die am Computer herumschrauben, bis es klingt wie eine große Band? Auf ihrer Homepage zeigen Jungle verschiedene Personen: Einmal ein Ensemble von zwölf Menschen verschiedenster Herkunft, einmal nur zwei Typen und einmal zwei andere Typen. Die zwei Typen, die wirklich hinter dem Sound der Band stecken, verbergen sich gerne im Hintergrund: Tom und Josh. MusikBlog hat sie bei ihrem Konzert in München getroffen.

MusikBlog: Wer oder was ist Jungle?

Tom: Jungle ist für mich jeder, der mit uns an diesem Projekt gearbeitet hat oder noch arbeitet. Jeder, der uns hilft, also auch unser Management oder unser Licht-Designer. Ich sehe Jungle nicht als eine Gruppe von Leuten, sondern eher als ein Gefühl, das einige Menschen miteinander verbindet.

MusikBlog: Ihr zeigt euch in der Öffentlichkeit als Gruppe ohne Frontmann. Sind Personalities aus der Mode?

Tom: Als wir angefangen haben, am Album zu arbeiten, haben wir nicht an eine Live-Umsetzung gedacht. Wir haben einfach Tracks  in einem Zimmer in London produziert. Die Vorstellung, ein Frontmann zu sein, ist für uns sehr seltsam. Wir sehen uns als Produzenten. Das ist wie bei Damon Albarn und den Gorillaz. Wir machen einfach Musik, machen Beats. Das ganze Projekt ist ohne einen Frontmann entstanden, diese Person gab es nie.

MusikBlog: Warum hat Jungle keinen solchen Star nötig – die Öffentlichkeit schreit doch nach Personalities?

Josh: Vielleicht ist das ja gar nicht so. Und wen interessiert es, was die Öffentlichkeit will? Wenn du dich fragst, was das Publikum will, dann machst du Dinge aus den falschen Gründen. Uns geht es nicht darum, erfolgreich zu sein oder Geld zu machen. Vergiss den Scheiß! Das bedeutet überhaupt nichts. Es geht darum, Musik zu machen, weil wir es genießen, egal ob in einer Halle mit 1.000 Leuten oder in unserem Schuppen zuhause im Garten.

MusikBlog: Was bedeutet „Soul“ für euch?

Josh: Soul ist Bewegung, Soul ist…

Tom: …Energie!

Josh: Ja, es geht darum, dass du ein Gefühl hast, egal ob es gut oder schlecht ist, egal ob du glücklich oder traurig bist. Es geht darum, dieses Gefühl auszudrücken. Soul ist nicht unbedingt eine spezielle Musikrichtung, aber die Musikrichtung ist immer mit diesem Gefühlsausdruck verbunden. Jeder macht Soulmusik, solange er Musik mit Gefühl macht.

Tom: Es geht um Ehrlichkeit. Wenn dir ein Künstler einen echten Einblick in sein Herz gibt, dann ist das Soul für mich.

MusikBlog: Mit eurem Sound macht ihr im Prinzip nichts Neues: Soul, Funk und Disko gibt es schon lange. Was ist euer Geheimnis? Warum klingt ihr so frisch?

Josh: Das ganze Geheimnis ist, einfach eine gute Zeit zu haben, sie zu genießen. Du musst sicher stellen, dass jede Kleinigkeit, die du in einem Song machst, möglichst das Beste ist, was du nur machen kannst. Jeder Titel auf der Platte ist erst einmal aufregend. Klar, wenn du das Stück dann 1.000 mal spielst, geht die Aufregung ein Stück weit verloren. Aber wenn du einen Sound zum ersten Mal hörst, zum Beispiel die Gitarren in „Platoon“ oder die Orgeln in „Busy Earning“, dann ist es aufregend und wir versuchen, dieses Gefühl festzuhalten.

Tom: Natürlich nehmen wir Einflüsse in unserer Musik auf, zum Beispiel von Marvin Gaye, J Dilla oder Moby. Aber wenn dabei Songs rauskommen, die sich genauso anhören wie J Dilla und Moby, dann ist das nicht aufregend für uns. Wir müssen etwas machen, das darüber hinaus geht. Wir sind Musik-Nerds und suchen bewusst nach Sounds, die wir vorher nie gehört haben.

MusikBlog: Wie wird sich euer Sound in Zukunft weiter entwickeln?

Josh: Wir haben keine Angst, etwas Neues auszuprobieren und gehen ganz ungezwungen an die Sache ran. Wir machen das, was sich richtig anfühlt. Das ist das einzige echte Urteil, das man sich erlauben kann. Du kannst nicht einfach sagen, ich mache jetzt ein Elektronic-Album. Du musst sagen, ich mache etwas, das für mich gut klingt. Es ist ganz allein deine Entscheidung. Entweder du magst es oder nicht. Wir würden nie etwas herausbringen, das wir nicht mögen.

MusikBlog: Ganz konkret: Welcher Stil kommt als nächstes?

Josh: Heavy Metal?

Tom (lacht): Jazz, Free-Jazz.

Josh: Jazz-Funk, keine Ahnung, Hauptsache es klingt gut und ich hoffe ,wir haben Spaß.

MusikBlog: Ihr hattet in letzter Zeit Konzerte in Hamburg, Berlin und jetzt in München. Wie erlebt ihr eure Zeit in Deutschland?

Tom: Das Publikum hier ist sehr offen, die Leute tanzen gern. Das ist großartig. Und die Wurst ist sehr gut hier in Deutschland. Immer, wenn ich in Deutschland bin, sorge ich dafür, dass ich eine Bratwurst bekomme. Deutschland ist außerdem sehr offen für Kulturen und neue Ideen. Das lieben wir.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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