King Gizzard And The Lizard Wizard – I’m In Your Mind Fuzz

Trash, Übertreibung und Ausfransen sind durchaus legitime Mittel, um ein altgedientes Genre wie Psychedelic-Rock an neue Ufer zu führen. Die Dosierung jener Zutaten ist dabei entscheidend. Interpreten wie Thee Oh Sees, Ty Segall, White Fence, Sic Alps, Temples und einige andere treffen damit mal mehr mal weniger ins Schwarze. Die australische Band King Gizzard & The Lizard Wizard deutet bereits mit ihrem Namen an, was bei ihnen Sache ist.

Sie formierten sich im Jahr 2011 in Melbourne und knausern seitdem nicht gerade mit Veröffentlichungen. Das aktuelle „I’m In Your Mind Fuzz“ ist ihr bereits fünftes Album. Und es taumelt zwischen frühen Flaming Lips, The Mothers Of Invention, Thee Oh Sees, 13th Floor Elevators, Foxygen und MGMT, unter Hinzunahme einiger Krautrock-Essenzen. Folglich weit weg vom Aussie-Rock a la Radio Birdman und Konsorten.

Fuzz, Hexerei, Flöten, schwarze Magie, Eidechsen, Space-Sounds, schlechte Trips, Farbkleckse, lange Matten, Paisley-Kleidung sowie Fransen-Jacken und -Stiefel werden mit den zehn Stücken assoziiert. „I’m In Your Mind“ zu Beginn rumpelt, stolpert, fuzzt und blubbert uns mitten hinein ins Geschehen, selbst die Blues Harp verschwimmt ins Land der psychedelischen Pilze und verliert sich im zweiten Track „I’m Not In Your Mind“, der die Stromgitarren auf die Reise schickt. Nahtlos auch der Übergang zu „Cellophane“ mit hellen Stimmen. Grell geblendet folgt der Griff zur dunklen Sonnenbrille, denn die Gitarren und Keyboards flackern schrill. Und der Titelsong ist die Fortsetzung, die Quintessenz des flirrenden Kaleidoskops.

Mit freiem, leerem Kopf lauschen wir „Empty“, ein monotones und geflötetes Seltsam-Land, das Kraut wächst und schießt in die Höhe. „Hot Water“ klingt als hätten sie Versatzstücke von Kraftwerks „Ruckzuck“ in einer Blechdose wiederbelebt. Sind wir bereits im Himmel, King Gizzard fragt im Affenzahn „Am I In Heaven“ und taucht ab in den „Slow Jam“, ein heller, weicher Strahl mit geheimnisvollen Klopfzeichen. „Satan Speeds Up“ schwimmt auf Keyboardwellen, die dir das Gehirn aufweichen. „Her And I“ beginnt als Akustikgitarren-Spaziergang im Zwergen Land. Danach wabert es seinem wohlverdienten Ende entgegen.

Ist „I’m In Your Mind Fuzz“ ein spannender, psychedelischer Trip oder wirres Gesummse? Gehen hier Trash, Übertreibung und Ausfransen zu weit? Ja und nein, dieses Album will einfach am richtigen Ort zur richtigen Zeit abgespielt werden. Zum Beispiel in den frühen Morgenstunden nach berauschter Nacht oder im „Open Minded Zustand“ unter Kopfhörern. Lasset die psychedelischen und verrückten Geister zu uns kommen!

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