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Zola Jesus – Live im Berghain, Berlin

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Vom abendlichen Herbst-Nebel umhüllt, ragte der imposante Bau des Berghains leicht bedrohlich in den bereits dunkel gewordenen Himmel. Vor den Türen des Berliner Traditions-Clubs und der ersten Anlaufstelle für alle Liebhaber der elektronischen Musik zog es die Anwesenden eilig in das berüchtigte Gebäude, das auch unter Künstlern als Aushängeschild für Konzerte gilt. Zola Jesus beehrte das Berghain in ihrer Karriere nun schon zum zweiten Mal und spielte im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Certain People“ im „Bunker“, der zweifelsohne der perfekte Schauplatz für ihr musikalisches Output darstellt.

Im letzten Monat erschien mit „Taiga“ das neue Album von Nika Roza Danilova, die unter dem Namen Zola Jesus ihre ganz eigene Verschmelzung von Industrial-, Elektro- und Pop-Einflüssen in bisweilen emotional aufreibenden Songs voller Pathos anstrebt. Vorab ihres Auftritts durften die Zuschauer sich aber schon einmal mit den ebenfalls hochkarätigen Künstlern „Rodion G.A.“ und Mika Vainio auf das elektronisch-mitreissende Fest einstimmen. Wer nach deren lautstarker, teils verstörend-anziehender Performance noch genug Mumm und ein intaktes Trommelfell hatte, der blieb natürlich mit einem Kaltgetränk wieder aufgepäppelt für das Finale brav im Berghain und machte sich seelisch schon einmal für das düstere Klangspektrum der Zola Jesus bereit.

Während ein paar helfende Hände sowohl das Equipment als auch die Bühnendeko bestehend aus einer weissen, unförmigen Pappkonstruktion im verschrobenen Würfel-Look zurechtrückten, drängte die interessierte Menge derweil immer näher an den Bühnenrand, um sich einen bestmöglichen Blick auf die zierliche Künstlerin zu sichern. Diese erschien dann nur wenig später pünktlich, einer dunkelhaarigen Elfe gleich, die es allerdings faustdick hinter den Ohren hat. Ganz in schwarz gekleidet und auf hohen Absätzen über die Bühne fegend, brauchte es kaum mehr als ein paar Minuten, bis die Russisch-Amerikanerin förmlich explodierte und kaum noch in ihrem Bewegungsdrang zu stoppen schien.

Die langen Haare flogen in schier atemberaubenden Tempo wild in alle Richtungen auseinander, der Körper krampfte sich zusammen, um gleich darauf all seine Energie in ruckartigen Bewegungen freizusetzen, und aus der eben noch beherrschten Musikerin war eine von explosiven Schüben getriebene Sängerin geworden, die sich bis zur Ekstase innerlich aufrieb und nicht davor scheute, sich auch auf dem Boden liegend zu verausgaben.

Die Intensität ihrer Bewegungen spiegelte sich auch in ihrer Stimme wider, die sicher über dem musikalischen Bombast schwebte. Teils eindringlich und fordernd, dann wieder sanfter und beinahe fragil ließ Zola Jesus ihr Organ zu einem weiteren Instrument werden, das sie nach Belieben dirigierte. Fans in Glitzer-Tops, schwarzem Ganzkörper-Style, aber auch die „durchschnittlich-normalen“ Zuschauer wurden vom durchdringenden Blick der Sängerin getroffen, die in regelmäßigen Abständen über die Bühne tigerte, das nächste Objekt in Augenschein nahm und sich mitunter bis zum äussersten Bühnenrand vorwagte, so dass man fast Angst haben musste, es würde sie auch noch weiter von der Bühne wegziehen.

Ein paar der dramatischen Bewegungen mochten zwar einstudiert sein, was besonders für die oftmals in die Luft gereckten Hände galt, die den Körper in immer neue Posen warfen, die Ausdauer und bemerkenswerte Fokussiertheit auf stimmlicher und musikalischer Ebene ist jedoch das Resultat von viel Arbeit. Die drei Musiker, die sich im Hintergrund der Bühne um ihre Instrumente scharten, waren dabei mehr als nur optisches Beiwerk und trugen in vielerlei Hinsicht dazu, dass sich Zola Jesus so ungezwungen in unmittelbarer Nähe des Publikums ausleben konnte.

Es gab viel neues Material bei dieser Show, die knapp über eine Stunde andauerte. Mit „Taiga“, „Dangerous Days“, Go „Blank Sea“ oder „Ego“ wurden bereits früh im Auftritt deutliche Signale gesendet, wohin die Reise an diesem Abend gehen sollte. Sie führte das Publikum vor allem an einen Ort, der von der Magie von Zola Jesus und ihrem vehementen Drang nach Hingabe erfüllt war.

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