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Psychedelic bedeutet Freiraum – Hookworms im Interview

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Seit Psychedelic aus dem Dope- und LSD-Nebel der späten Sechziger aufgetaucht ist, hat diese Kategorie es im Laufe der Jahrzehnte immer wieder geschafft, sich neu zu erfinden. Auch in unseren glücklichen, binär Code gesteuerten Tagen, zücken absurd überbezahlte Musikjournalisten wieder gerne das Neo-Psychedelic-Schild, wenn sie über Bands wie Tame Impala, Animal Collective, Toy oder Crystal Antlers etc. schreiben, sprechen oder bloggen.

Mit in der Genre-Schublade liegen auch die Hookworms. Nachdem sie sich schon durch spektakuläre Live-Shows einen Namen gemacht hatten, erschien 2013 mit „Pearl Mystic“ ihr Debut-Album. Der raue Mix aus Einflüssen von Velvet Underground, Spaceman 3, Modern Lovers und den Stooges, sorgte direkt für Aussehen. Obwohl sich die Band eigentlich mehr als Erben des 70er Proto-Punks sieht, sorgte ihre Liebe zu abgedrehten Soundspielereien und üppigen Effekten dafür, dass sie stilistisch der Neo-Psychedelicszene zugeschlagen wurden.

Mit „The Hum“ machten die Hookworms im November den zweiten Schritt. Die neun Songs des Albums zeigen eine deutliche Weiterentwicklung. So kommen die Stärken ihrer motorisch repetitiven Grooves und ihres Sinns für intensive Laut/Leise-Dynamik diesmal wesentlich konzentrierter auf den Punkt. Jubelnde Kritiken in der englischen Musikpresse waren die Folge.

Eher ungewöhnlich an dem Fünfer aus Leeds ist, dass sie anscheinend erkannt haben, dass in Zeiten der Flatrate-Beschallung durch Musikstreaming-Abos, das Rockstartum stark im Rückzug begriffen ist. Denn die Erträge durch Spotify, Simfy, iTunes, Bla-Soundirgendwas usw. legen einem die Besinnung auf das Nebenbei-Musikertum schon fast nahe. Sprich, alle Bandmitglieder haben ihre festen Jobs. Klingt bei Bands zwar etwas unsexy, kann aber heutzutage eine dem eigenen Überleben durchaus förderliche Sache sein.

Die einzelnen Mitglieder verzichten auf ihren kompletten Namen und treten nur durch ihre Initialen in Erscheinung. Mit ein bisschen Googlelei lässt sich allerdings schnell rausfinden, wer bei den Hookworms wer ist. Wir sprachen mit Bassist MB aka Matt Benn.

MusikBlog: „The Hum“ ist in der englischen Musikpresse ziemlich abgefeiert worden. Interessieren euch Reviews?

MB: Ich finde es sehr komisch, wenn Bands sagen, dass sie keine Kritiken lesen. Es ist nicht so, dass man Musik nur für andere Leute macht. Man macht sie in erster Linie für sich selbst. Und deshalb interessiert es uns natürlich, was jemand zu unserer Musik zu sagen hat. Ob er versteht, woher wir musikalisch kommen und was wir eigentlich erreichen wollen.

MusikBlog: Ich denke mal, dass euch der Erfolg von „Pearl Mystic“ damals selbst ziemlich überrascht hat. Hat euch das bei der Produktion von „Hum“ irgendwie unter Druck gesetzt?

MB: Als wir „Pearl Mystic“ aufgenommen haben, hatten wir ein paar Songs, die wir einfach aufnehmen wollten und die dann schließlich zu einem Album wurden. Deshalb war der Druck diesmal doch schon spürbar größer. Damals kannte uns kaum jemand und hatte irgendwelche Erwartungen an uns. Aber wenn Du dann schon ein Album draußen hast, dann wissen die Leute, wie du klingst. Sie haben ihre eigenen Erwartungen daran, wie das nächste Album klingen soll oder in welche Richtung du dich entwickeln sollst. Aber wir haben versucht, das auszublenden.

MusikBlog: „The Hum“ erscheint mir wesentlich konzentrierter als „Pearl Mystic“. Es gibt kaum noch lange Jams und auch die Songstrukturen sind deutlicher ausgearbeitet.

MB: So sehr wir „Pearl Mystic“ lieben, gibt es darauf trotzdem einige Sachen, die unnötig waren. Manche Songs sind einfach zu lang und kommen nicht auf den Punkt. Das haben wir jetzt etwas zurückgenommen. Im Ganzen ist „The Hum“ minimaler. Auch das Songwriting hat stärkere Konturen. Außerdem gibt es auf „Pearl Mystic“ zu viele Midtempo-Stücke. Wir haben festgestellt, dass das live nicht so gut rüberzubringen ist. Deshalb wollten wir jetzt ein Album machen, dass wir auch live von Anfang bis Ende gut durchspielen können.

MusikBlog: Die motorische Energie eurer Stücke erinnert mich an deutsche Bands aus den Siebzigern. Hört und mögt ihr solche Sachen?

MB: Absolut! Wir lieben diese Bands. Kraftwerk ist zum Beispiel eine meiner ewigen Lieblingsbands. Unser Drummer ist ein riesiger Can-Fan. Ihr Schlagzeuger Jaki Liebezeit ist einer seiner größten Einflüsse. Auf einem Festival in Polen haben wir mal Michael Rother getroffen. Das ist auch einer unserer Helden. Neu! mögen wir nämlich auch sehr.

MusikBlog: Als Band wird man ja immer in irgendeine Stil-Schublade gesteckt. Bei euch ist es Neo-Psychedelic. Fühlt ihr euch wohl damit?

MB: Diese neue Psychedelic Bewegung ist schon eine seltsame Sache. Es gibt da eine Menge Bands, die stilistisch eigentlich gar nichts mit uns zu tun haben. Wenn heute von Psychedelic gesprochen wird, dann fallen darunter so unterschiedliche Bands wie Tame Impala, Wooden Shjips, Animal Collective oder Panda Bear. Ich denke aber, keine von ihnen klingt so wie wir. Aber ich kann schon nachvollziehen, dass man uns da mit einsortiert. Letztlich bedeutet Psychedelic einfach Freiraum. Es gibt keine Beschränkungen. Und das passt schon bei uns.

MusikBlog: Ein auffallendes Merkmal eurer Musik ist auch, dass die Stimme eures Sängers MJ/Matthew- gar nicht frontman-like- tief in den Sound mit eingemischt ist. Außerdem bearbeitet ihr seinen Gesang auch noch oft mit Effekten.

MB: Matts sieht seine Stimme eher als ein zusätzliches Instrument. Er wollte nie der Frontmann sein oder als Sänger bekannt werden. Er möchte, dass seine Stimme einfach nur ein weiterer Teil in unserer Musik ist.

MusikBlog: In den Interviews zu „Pearl Mystic“ ist er sehr offen damit umgegangen, dass seine Texte stark von seiner Depression beeinflusst sind – eine Krankheit, die ja immer noch relativ tabuisiert wird. Ist das auf „The Hum“ auch noch ein Thema?

MB: Ich glaube, die Depression macht Matts immer noch ziemlich zu schaffen. Aber möglicherweise ist er jetzt auf einem anderen Level angelangt. Als er die Texte für „The Hum“ geschrieben hat, kam er gerade aus einer ziemlich düsteren Phase in seinem Leben. Ich denke, seine Texte haben inzwischen mehr damit zu tun, dass er diese schwere Depression durchlebt hat. Klar, er leidet immer noch darunter. Aber die neuen Texte handeln wohl mehr davon, sich wieder im alltäglichen Leben zurechtzufinden. Auf dem Album sind auch ein paar Songs über Beziehungen, die aufgrund seiner Krankheit gescheitert sind. Es ist also für ihn immer noch nicht vorbei. Aber es hat jetzt den Anschein, als würde er langsam doch auf der anderen Seite ankommen und lernen, damit bewusst umzugehen, als immer noch tief mittendrin zu stecken.

MusikBlog: Im Gegensatz zu anderen Bands, die auf Biegen und Brechen versuchen, mit Musik Geld zu verdienen, seid ihr durch eure Jobs in Sachen Geld relativ unabhängig.

MB: Finanziell sind wir nicht auf die Band angewiesen. Wir haben eben alle unsere Jobs und müssen deshalb nicht so viele Platten wie möglich verkaufen, um über die Runden zu kommen. Wir können es uns dadurch einfach leisten, das zu machen, was wir machen wollen. Es ist für uns ein absoluter Bonus, dass wir auch noch ein paar Platten verkaufen, weil die Leute unsere Musik mögen. Aber es ist wirklich schön, dass sich jemand für unsere Musik interessiert.

MusikBlog: Aber war es für Euch nie eine Option, dem klassischen Traum nachzuhängen und zu sagen „Yeah! Wir sind eine Band. Rock-Olymp, wir kommen!“?

MB: Niemand von uns wollte jemals sein Geld ausschließlich mit dieser Band verdienen oder sie als seinen Fulltime-Job ansehen. Ich bin mir auch nicht sicher, ob wir es schaffen könnten, mit der Band so viel Geld zu verdienen, um fünf Leute davon zu ernähren. Selbst wenn wir noch mehr Platten verkaufen würden, ist es heute kaum noch möglich, davon zu leben. Das Musikgeschäft hat sich so entwickelt, dass man einfach nicht mehr genug verdienen kann. Geld kommt für eine Band nur noch durch das Livespielen rein. Aber auch das ist auch für uns nicht so einfach, denn wir wollen auch nicht, dass die Tickets für unsere Konzerte zu teuer sind. Aber ich kann verstehen, dass Leute, die als Berufsmusiker von einer Band leben, sich auf ihr Einkommen aus den Live-Shows verlassen müssen.

MusikBlog: Das klingt sehr nüchtern. Aber klar, Musik-Flatrates und billige Downloads haben natürlich schon deutliche Auswirkungen auf das Leben als Profi-Musiker.

MB: Mit Plattenverkäufen allein verdient man heute nicht mehr genug. Und die Einnahmen durch solche Sachen wie Spotify oder Youtube sind absolut minimal. Wenn wir zum Beispiel eine Abrechnung von Spotify bekommen, dann sind das Cent-Beträge. Du kannst einen Song haben, der dort 10.000 mal gespielt wird und kannst dir davon noch nicht mal einen Schokoriegel kaufen. Das ist schon ziemlich absurd.

MusikBlog: Led Zeppelin dürften wahrscheinlich ihrem Schöpfer danken, dass sie die Gnade der frühen Geburt hatten. Aber auf der anderen Seite ist es wahrscheinlich auch nicht einfach, eine ernsthaft betriebene Band und einen Job unter einen Hut zu bekommen.

MB: Klar, wir können nicht so viel touren wie andere Bands. Wir sind mit anderen Bands befreundet, die sechs Monate im Jahr unterwegs sind. Das können wir halt nicht. Wir können nur an den Wochenenden oder in unserem Urlaub spielen. Es ist natürlich schon schade, dass wir das so klein halten müssen, denn es gibt noch einige Orte, an denen wir gerne auftreten würden. Aber generell denke ich, dass es für unsere Plattenfirma und unsere Manager frustrierender ist, als für uns. Für uns ist das schon ok. Denn obwohl wir sehr gerne live spielen und auf Tour sind, kommt bei uns immer irgendwann der Punkt, an dem wir es dann auch wieder ein bisschen über haben. Also, im Moment passt das bei uns schon ganz gut.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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