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Koudlam – Benidorm Dream – Bedrohliches Wummern

Auch wenn das neue Album von Koudlam in einem Wolkenkratzer mit Blick auf die spanische Stadt Benidorm entstand und diese auch im Titel trägt, sind die Songs des Weltenbummlers Gwenael Navarro weder an einen Ort noch an eine bestimmte Zeit gebunden. Stattdessen treffen die harten Beats eines Raves der 90er auf die sehnsuchtsvolle Melancholie des Dark Wave, Elemente des Art- und Progrock der 70er auf weltmusikalische Einflüsse. Zusammengehalten wird diese wilde Mischung von einer düsteren, teilweise beklemmenden Atmosphäre, die wie ein bedrohliches Wummern unter den 13 Stücken von „Benidorm Dream“ brodelt und mehr als einmal unter der Oberfläche hervorbricht.

Dass der Nachfolger von „Goodbye“ den Hörer während seiner mehr als einstündigen Laufzeit fordert und sich keinesfalls leicht einordnen lässt, macht bereits die „Ouverture“ deutlich. Auf- und abgleitende Synthesizer-Linien münden in ein extrem überdrehtes Beat-Gewitter, das mit einem lauten Knall endet. Die zweite Hälfte des Openers hat dagegen eine ruhig-meditative Atmosphäre, doch erneut erklingen am Ende Explosionen und man fragt sich, ob diese auf ein feierliches Feuerwerk oder doch eher kriegerische Handlungen zurückzuführen sind.

Musikalisch leichter kategorisieren lässt sich der folgende Song „Negative Creep“, mit dem Koudlam noch einmal die härteren Spielarten des Technos der 90er aufleben lässt und der ein wenig an Underworlds Hymne „Born Slippy.NUXX“ erinnert. Doch statt ausgelassen-hedonistische Partylaune zu versprühen, thematisiert eine verzerrte Stimme in einem ewigen Mantra ihre Selbstzweifel: „You know I’m pure in my mind and my body is fine/ But in my soul I know I’m a negative creep.“ Mit „Transperu“ und „The Magnificent Bukkake (1756-1785)“ wagt das Album später noch weitere Ausflüge in den verschwitzen Techno-Schuppen, wobei der zuletzt genannte Track eher an den French House von Justice und deren Ed-Banger-Kollegen als an die 90er erinnert.

Zwischen diesen aggressiven Tracks sorgen die ruhigeren, balladenartigen Stücke wie der Titelsong mit seinen retrofuturistischen Sounds, das beinahe kitschige „Tycoon Of Love“ oder „Stoned“ zumindest musikalisch für Verschnaufpausen – die Stimmung bleibt dagegen melancholisch-düster. Wie wenig Koudlam von Genregrenzen hält, beweist das siebenminütige „The Landsc Apes“. Die sakralen Synthie-Orgeln zu Beginn erinnern an den Artrock von Yes oder Emerson, Lake And Palmer und bauen epische Klanglandschaften auf. Doch nach rund drei Minuten erfolgt ein Bruch und statt verstaubtem Progrock ertönt zeitgenössischer und radiotauglicher Dancepop. Natürlich nur bis zur nächsten überraschenden Wendung.

Auch wenn der Albumtitel den Fokus auf die Stadt an der Costa Blanca legt, erscheint es viel bedeutsamer, dass „Benidorm Dream“ in einem Wolkenkratzer weit über dieser entstand. Denn die 13 Songs bewegen sich freischwebend über Genre- und Ortsgrenzen hinweg, doch unter ihnen lauert stets die bedrohliche und bodenlose Tiefe, in die sie jederzeit stürzen können.

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