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Marilyn Manson – The Pale Emperor – Die ungeschminkte Wahrheit

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Selbst gehört: Ein vermutlich zirkusaffines Kind fragt seine Mutter an der Bus-Haltestelle vor einem Plakat Marilyn Mansons stehend: „Was ist denn das für ein Clown?“. Die Antwort ist mir leider nicht mehr gegenwärtig.

Mit martialischem Industrial-Rock-Gepose eroberte die Band Marilyn Manson vor einem Vierteljahrhundert die Herzen von zerzausten Gothics und anderem Schwarzwild. Wer von Marilyn Manson sprach, meinte natürlich in erster Linie ihren gleichnamigen Frontmann, der versuchte, sich im Ork-Kostüm als Schock-Rocker zu etablieren. Was schwierig war, der Begriff an sich war ja bereits durch Rudolf Rock und die Schocker besetzt. Also mussten andere Mittel ran: Brackets vor den Zähnen, Kontaktlinsen vom Halloween-Wühltisch vor den Pupillen, Diktator-Posen und reichlich Schwadronieren über Gott, Tod und Teufel zum Beispiel.

Der Zweck heiligt bekanntlich die Mittel. Taugten die Albernheiten in der Summe zur Animation eines Kinder-Geburtstages, bescherten sie auch einen passablen Absatz von Tonträgern. Ganz zu schweigen vom Personen-Kult, der seitdem um Brian Hugh Warner entstand. „Antichrist Superstar“, „Holy Wood“, „The Golden Age Of Grotesque“ – hübsche Namen hatten Marilyn Manson-Alben immer. Das Neue hört auf „The Pale Emporer“. Da wir Bildungsbürger wissen, dass der Begriff „Kaiser“ für die Ewigkeit Franz Beckenbauer zugeteilt wurde, kann das kein seriöser Hinweis auf den Inhalt sein. Vielleicht ist „blass“ das Schlüsselwort der Platte. Denn bleich ist Marilyn Manson, der 46–jährige scheint optisch auch etwas aus den Fugen geraten, als wandele er auf den Spuren seiner pummeligen Ex-Frau/Freundin Dita von Teese.

Die zehn Songs (auf der limitierten Deluxe -Edition gibt es 13) der Platte liefert Marilyn Manson ab wie bestellt. Mit der Routine von 9 Studioalben setzen er und seine Spießgesellen zwar keinen Meilenstein, produzieren aber einen durchaus soliden Lieder-Reigen. Das vorab veröffentlichte „Third Day Of A Seven Day Binge“ hat mit seinem tiefer gelegten Bass und der eingestreuten David Bowie Glam-Rock-Gedächtnis-Gitarre sogar Ohrwurm-Charakter. Auch die nächste Single „Deep Six“ hat, sieht man vom Refrain ab, ordentlich Drive.

Die in klassischer Rock-Besetzung agierende Band schleicht durch die dunklen Gassen ihrer Melodien, hat dabei das Unheil natürlich immer im Gepäck („Odds Of Even“ wirkt dadurch gruselig wie eine Staffel Dschungel-Camp) und auch die ein oder andere zündende Hook-Line dabei. Eine auf kaputt getrimmte Stimme klingt dabei wie in den Anfangstagen, sie ächzt, flüstert, knarzt, um schließlich den Refrain heraus brüllen zu dürfen.

Themen mit denen sich auf „The Pale Emperor“ inhaltlich beschäftigt wird, sind hinlänglich bekannt. Die Songs heißen folgerichtig „The Devil Beneath My Feet“ oder „Birds Of Hell Awaking“. Lyrics wie “Love is evol/con is confidence/ eros is sore/sin is sincer” oder „Folks said I look like death/Lived in the hotel of my eyes/Lives wide open like a whore/Painted in spit from the earth between her thighs” besorgen den Rest. Vorausgesetzt, Marilyn Manson meint damit nicht sich selbst, hat das Stück „The Mephistopheles Of Los Angeles“natürlich den lustigsten Namen, allerdings gehört es auch zu den schwächsten Nummern der Scheibe. „Warship My Wreck“ eignet sich hervorragend, um mit heruntergelassenem Fenster an roten Ampeln wartende Fußgänger zu erschrecken und auch „Killing Strangers“ oder „Cupid Carries A Gun“ werden während ihrer Präsentation auf den Festivals dieses Sommers einen Heiden(!)-Spaß bereiten.

Sicher sind Marilyn Manson ungeschminkt eine richtig gute Rock-Band, was sie jedoch über die Jahre durch konsequentes Popanz-Gehabe geschickt verschleiern konnten. Aber vielleicht hat eines Tages sogar ihr Sänger ein Einsehen und lässt seine Kajal-Striche weg, um nicht in die Fußstapfen von Grusel-Opa Alice Cooper zu treten (bei dem inzwischen derartig der Lack ab ist, dass man ihn nicht einmal mehr an der Geisterbahn beim Kartenabreißen sehen möchte).

Was Johnny Depp bewegt, bei Marilyn Manson Konzerten in die Saiten zu greifen, weiß man nicht. Zum gemeinsamen Auftritt kürzlich trieben ihn vermutlich die Dämonen der Trennung von Vanessa Paradis. Aber wo wir schon mal bei Kollaborationen sind: Wenn sich die sterile Helene Fischer mal ein Bad-Girl Image zulegen wollte, sollte sie zusammen mit Marilyn Manson ein Weihnachtsalbum aufnehmen. Für eine derartige Metamorphose hat schließlich schon Kylie Minogue Nick Cave missbraucht.

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