Nessi – Rolling With The Punches – Für die leichteren Momente

Die Worte “Kommerziell” und “Radiotauglich” scheinen Nessi keine schlaflose Nächte zu bereiten. Denn der leicht lockere Elektro-Pop ihres Debutalbums „Rolling With The Punches“ dürfte bei Planern von Radioplaylists keine größeren Migräneattacken auslösen. Allerdings biedert sich die 26-jährige jetzt auch nicht bewusst mit abgeklärtem Bauplanpop an, sondern hat mit ihren Songs auch immer noch ein Bein im Indietronikbereich. Und in den Zeiten der Helenesierung des deutschen Radioabendlandes ist das schon mal keine ganz so schlechte Sache.

Aber der Reihe nach. Nessi aka Vanessa Schulz ist definitiv kein gemachtes Sternchen. Die Wahlberlinerin mit dem markanten Pagenkopf schreibt ihre Songs selber und beteiligte sich auch intensiv an der Produktion von „Rolling With The Punches“, das auf ihrem eigenen Label Rar veröffentlicht wurde. Um dies zu erreichen, ist Nessi ihren eigenen steinigen Weg gegangen. Mit siebzehn schmiss die gebürtige Hamburgerin die Schule, um sich ganz auf die Musik zu konzentrieren. Dies führte natürlich erst mal zu diversen Brotjobs, der Punkband „Personenaufzug“ und zum ständigen Klinkenputzen mit ihren eigenen Songs. 2014 erschien dann ihre erste EP „Twentythreeyears“.

Dass „Rolling With The Punches“ in Berlin produziert wurde, hört man ihm nicht an, denn das Album hat schon einen deutlich internationalen Sound. Stilistisch geht Nessi dabei in Richtung Elektro-Pop mit kaum überhörbaren Achtziger- und Neunzigereinflüssen. Chvrches und The 1975 werden hier auch gerne mal als Referenzen genannt.

Das ist auch alles gut und mit der ein oder anderen originellen Kante produziert, große Tiefe sollte man allerdings woanders suchen. Denn einen dauerhaft nachhaltigen Eindruck hinterlässt das Album dann auch wieder nicht. Die elf Songs rauschen flott an einem vorbei und man kann sich gut vorstellen, dass sie einer lang aufgeschobenen Bügelsession einen netten musikalischen Background geben. Oder dem Staubtuch den richtigen Schwung verleihen.

Das soll nicht heißen, dass „Rolling With The Punches“ schlecht ist. Hätte Nessi mit dem Album beabsichtigt, eine neue Björk o.ä. zu werden, würde es natürlich anders klingen. Aber sie macht nun mal locker flockigen Pop, der – wie gesagt – gut dazu geeignet ist, den relativ mauen deutschen Format-Radio-Playlisten zumindest mal einen anderen Kick zu geben.

Stimme, Melodien, Beats sitzen dabei schon recht einladend auf dem Punkt und die Stücke kommen ohne abgegriffene Plattitüden aus. Highlights sind der von einer funky Gitarre angetriebene Titelsong, das groovige „Heart Of Gold“ und der Neunziger Pop von „Brush You Off“. Einen kleinen Ausrutscher erlaubt sich Nessi allerdings: „Wide Eyed“ klingt wie eine verspätete Blümchen-Nummer. Kann man mögen. Muss man aber nicht.

Talent hat Nessi auf alle Fälle. Mal abwarten, wie sie sich weiterentwickeln wird. „Rolling With The Punches“ ist jedenfalls eher für die leichteren Momente im Leben. Und das ist definitiv nicht abwertend zu verstehen.

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