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Alice Phoebe Lou – Shelter

Zuhause? Was ist das denn eigentlich? Selbst, wenn man die eigenen vier Wände hat, mag man sich manchmal seltsam verloren vorkommen. Oder man hat gar keine vier Wände? Was ist dann? Davon handelt “Shelter”, das fünfte Studioalbum der ehemaligen Berliner Straßenmusikerin Alice Phoebe Lou.

Alice Phoebe Lou wartet mit klassischem Singer/Songwriting auf. Besingt, akustisch begleitet, das Suchen nach einem Zuhause, nach Geborgenheit und einem Platz im Leben. Angenehm soulig schwofend vermag sie mit ihrer glockenhellen Stimme auch so manche Sommernacht zu verlängern.

Bereits der quirlige Titeltrack mitsamt eingängigen Akkorden mag die unnatürlich gepitcht wirkende Stimmlage kaum im Zaum zu halten. Wenig später mäandert Alice Phoebe sehnsüchtig, soulig tastenbegleitet, zwischen den Wolken mit “Angel”.

Sie wundert sich bei “Open My Door” über ihre eigene Entwicklung, nur um beim wunderbar verschwoften “Lately” das eigene Tun im Liebesreigen anzuzweifeln. Schwirrend wie Insekten im Sommerhotel flirren orgelnde Klänge, schwere Saiten und klimpernde Tasten um Alice Phoebe Lou und ihr so wandelbares Organ.

Wandelbar auch “Lose My Head”, das plötzlich die Rhythmussektion im Elfenwunderland auspackt. Beim Chorus kommt der Klangduschvorhang mit tropfengleich abperlender Akustik zum Einsatz, um die offensichtlich gutgelaunte Duschsängerin vor allzu neugierigen Blicken abzuschirmen.

Letztendlich ist man Alice Phoebe Lou so oder so verfallen – zu fragil und doch zielgerichtet wirkt ihre helle Stimme. Die Begleitinstrumente stets im Hintergrund platziert, weiß sie doch die soulbestimmte Atmosphäre aufrecht zu erhalten.

Sehr gut gelingt das bei “Halo”, einem unaufgeregten Titel, der sich auf die Songwriterstärken der gebürtigen Südafrikanerin konzentriert. Lou verdichtet das Rezept bei “Shine” auf Gitarre und Stimme, bevor sie auf “My Girl” etwas zu sehr Tempo rausnimmt:

Mit Folk angehaucht, begibt sich Alice Phoebe Lou in tiefere Stimmlagen, um erzählerische Güte zu erlangen. So sympathisch der Refrain “Let´s shake together, when we started shaking, a new worlds begun” sein mag, so stillstehend leider das Tempo des vorletzten Titels von “Shelter”.

Unnötige Schwere umgibt auch der finale Song “Hammer”. Mit Timbre beschlagen, fiebert die Stimme der zu empfangenden Liebe entgegen. Und umgarnt dabei das fingerfertige Piano und die soulige Percussion, welche sich spät im Titel zu einem wohligen Einsatz hinreißen lassen, der nicht nur das Feuer der Liebe neu zu entfachen vermag.

“Shelter” ist Alice Phoebe Lou’s ganz persönliche Suche nach einem Zuhause. Einem Zuhause das sie selbst gefunden hat. Als Hörer*in hingegen bietet “Shelter”, dank der abwechslungsreichen stilistischen Bandbreite und der lebensnahen Texte, viele verschiedene Plätze für ein Zuhause. Es ist Zeit einzuziehen.

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