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Charli XCX – Sucker – Auf der Überholspur

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Als Charlotte Aitchison alias Charli XCX im Frühsommer 2013 mit der Veröffentlichung ihres Debütalbums „True Romance“ die vor sich hin schlummernde britische Girl-Pop-Branche aus dem Tiefschlaf riss, zogen sich in vielen anderen Ländern wieder einmal jede Menge Zweifler-Augenbrauen zusammen. Man kennt die Engländer ja. Kaum katapultiert sich etwas Neues, Buntes und Grelles ins Rampenlicht, werden auf der Insel die Buchstaben des Wortes „Hype“ mit funkelnden Strobo-Lichtern bestückt. Sicher, „True Romance“ hatte im Verbund mit dem schnodderigen und extrovertierten Auftreten der Verantwortlichen durchaus einiges zu bieten. An eine langfristige Urban-Dance-Pop-Erfolgsstory glaubten jedoch nur die wenigsten. Zu kalkuliert und aufgesetzt, hieß es in vielen Kreisen.

Zwei Jahre später straft die quirlige 22-Jährige nun all ihre Kritiker Lügen. Von wegen aufgesetzt und kalkuliert: Mit „Sucker“ beweist die Sängerin, dass sie weit mehr drauf hat, als nur als weiteres One-Album-Wonder in die britischen Musikgeschichtsbücher einzugehen. Mit kratziger Attitüde, reichlich aufsässigem Humor und einem breitgefächerten Raw-Pop-Potpourri im Gepäck, hinterlässt Charli XCX immer genau in den Bereichen verstärkt Spuren, um denen  Kolleginnen wie Katy Perry, Britney Spears und Co lieber einen großen Bogen machen. Die Rede ist von Welten, in denen Pop-Luftschlösser aus rauem Sandstein bestehen und jedem rosa Wölkchen ein dunkelgraues, verschmitzt lächelndes Gegenstück zur Seite gestellt wird.

Wenn Charli XCX beispielsweise auf dem Titeltrack „liebevoll“ verpackte Grüße an die zweifelnde Außenwelt verschickt und dabei im Ramones-Shirt und mit erhobenem Mittelfinger wie ein widerspenstiges Duracell-Häschen drohend im Dreieck springt, ist man froh, wenn man auf der richtigen Seite steht. Angezerrte Gitarren und harmoniegeschwängerter Strobo-Pop vertragen sich nicht? Und wie sie das tun! Man muss sie nur richtig an die Hand nehmen.

Pop kann so viel mehr als nur im Blümchenkleid von der Charts-Spitze grüßen. Pop verträgt durchaus auch aufgeblasenen Bombast („Die Tonight“), Hip-Hop-beeinflusste Backyard-Vibes („Gold Coins“) und übersteuerte Synthie-Ekstasen („Break The Rules“). Pop sollte auch mal eine Brücke zwischen High Society-Klatsch und Underground-Gemurre schlagen. Genau dafür sollte Popmusik in diesen schnelllebigen Zeiten stehen.  „Sucker“ bringt all das unter einen Hut.

Katy Perry-Fans  sollten sich für die kommenden Europa-Shows  jedenfalls schon jetzt warm anziehen; denn mit der Support-Verpflichtung von Charlie XCX hat sich die Amerikanerin einen Wirbelwind mit ins Boot geholt, der gerade mehr als beeindruckend Fahrt aufnimmt.

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